Titel: Bischof, über die Feuerbeständigkeit der Thone.
Autor: Bischof, Carl
Fundstelle: 1863, Band 169, Nr. CXVIII. (S. 455–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/ar169118

CXVIII. Die Feuerbeständigkeit der Thone nach den Resultaten synthetischer Versuche, analytischer Untersuchungen und der Erfahrung in technischer wie mineralogischer Beziehung; von Dr. Carl Bischof.

(Fortsetzung von S. 359 des vorhergehenden Heftes.)

Analytische Untersuchungen.

Selbstverständlich läßt sich bei den äußerst verbreitet, aber stets unrein in der Natur vorkommenden Thonen, deren Feuerbeständigkeit meist gleichzeitig durch mehrere verschiedenartige Verhältnisse modificirt wird, eine geltende Gesetzmäßigkeit besonders schwierig erkennen.

Bei einer Mannichfaltigkeit von Verhältnissen und Bedingungen überhaupt, kann man nur aus einem sich ergebenden Zusammenstimmen im Allgemeinen oder aus einem mittleren vorwiegenden Resultate, mit einer gewissen Sicherheit einen Schluß ziehen. Besteht eine Gesetzmäßigkeit, so müßte sie um so leichter sich zu erkennen geben bei einer Auswahl von Thonen, die von demselben Vorkommen und überhaupt einander ähnlich, aber dennoch hinsichtlich der Strengflüssigkeit verschieden sind.

Ich wählte zu dem Zwecke sechs Thonsorten von Audenac in Belgien, sämmtlich vorkommend in der Umgegend von Namur an sechs verschiedenen Fundpunkten, und im Vergleiche damit wurde der bestbekannte, strengflüssigste schottische Thon, der von Garnkirk, analysirt.

|456|

Bekanntlich findet sich der feuerfeste belgische Thon im Uebergangskalke in Mulden, deren Durchmesser bis zu circa 200 Fuß steigt und die circa 100 Fuß tief sind, nach unten gewöhnlich durch eine Sandschicht abgeschlossen und nach oben allmählich in gewöhnlichen Ziegelthon übergehend.

Der schottische Thon ist, wie bekannt, ein grauer, wenig bindender, kohlenhaltiger Schieferthon, welcher sich in der Steinkohlenformation zu Garnkirk bei Glasgow findet und verschiedene Schichten von wechselnder Güte bildet. Der vorzüglichste feuerfeste Thon kommt in einer mittleren Schicht von 30 Zoll Mächtigkeit vor.

Physikalische Eigenschaften. – Die untersuchten belgischen Thone gehören sämmtlich zu den fetten, die an der Zunge stark anhaften, im Wasser zerfallen unter Entwickelung kleiner mit Zischen entweichender Luftbläschen, und die damit angefeuchtet, eine sehr bindende, plastische Masse geben. – Sie fühlen sich fettig an. – Mit Säure übergossen brausen sie nicht, nur Nr. 2 ein wenig. – Ueber der Spiritusflamme geglüht, schwärzen sie sich, enthalten daher organische Reste.

In dem Achatmörser zerrieben, knirschen sie alle, Nr. 3 am meisten, in Folge einer Beimischung gröberer Sandkörnchen.

In der Farbe sind sie etwas verschieden von einander:

Nr. 1 ist von hell-schieferblauer Farbe, das Pulver bläulich-grau.

Nr. 2 ist von derselben nur ein wenig helleren Farbe.

Nr. 3 ist hell-blaugrau, das Pulver schmutzig-gelblichgrau.

Nr. 4 ist blaugrau, das Pulver hell-blaugrau.

Nr. 5 ist von gleichfalls hell-blaugrauer Farbe, das Pulver gelblich-grau.

Nr. 6 ist gelblich-grauweiß und das Pulver ebenso.

Der Grad der Strengflüssigkeit wie des Bindevermögens der fraglichen Thone wurde auf Grund des in diesem Journal (Bd. CLIX S. 54 und Bd. CLXI S. 208 und 291) beschriebenen Verfahrens geprüft, wonach die Menge des chemisch reinen Quarzzusatzes das Maaß für die Strengflüssigkeit des Thones in umgekehrtem und für das Bindevermögen in geradem Verhältniß gibt, indem die resp. Proben einer bestimmten Prüfungshitze ausgesetzt werden im Vergleich zu dem Garnkirker Thon, welcher, vermengt mit 1 Theil chemisch reinem Quarz, als Einheit gesetzt ist.

Die Analysen wurden in derselben Weise, wie früher beschrieben (dieses Journal Bd. CLXVII S. 35), ausgeführt und bemerke ich besonders, |457| daß auf eine genaue Bestimmung der Kieselsäure und der Thonerde die größte Sorgfalt verwendet und letztere durch Decantiren bis zur 20,000fachen Verdünnung ausgewaschen wurde. Die Menge der Thonerde mußte daher stets eher zu niedrig als zu hoch gefunden werden.

Im Allgemeinen geht aus den in den nachfolgenden Tabellen A und B mitgetheilten Analysen hervor, daß die Zusammensetzungsweise dieser sechs Thone, mit etwaiger Ausnahme von Nr. 5 und Nr. 3, eine ähnliche ist.

Hebt man unter den Thonen die beiden strengflüssigsten, Nr. 1 u. 2, hervor, so sind sie auch die verhältnißmäßig thonerdehaltigsten, selbst wenn man (vergl. d der Tabelle B) das Verhältniß der Gesammtmenge der Kieselerde zur Thonerde, abgesehen von der untergeordneten Menge der übrigen Basen und nach Abzug des Glühverlustes, in Betracht zieht. Die Gesammtmenge der Kieselsäure ist aber für einen feuerfesten Thon, dessen Werth nach seinem endgültigen Verhalten im Feuer geschätzt wird, schließlich stets entscheidend.

Setzt man demzufolge (vergl. e der Tabelle B) die Gesammtmenge der Kieselsäure = 100, so beträgt die Thonerde bei dem Thon Nr. 1 50,96, bei dem Thon Nr. 2 aber 52,63 und bei dem besten schottischen Thon selbst 81,32.

Der Thon Nr. 2, wiewohl er weniger strengflüssig, wenn auch nur um ein Geringes, ist dennoch thonerdehaltiger, eine Ausnahme von dem in Rede stehenden Gesetze, welche aber durch die doppelt so große Menge an flußbildenden Basen sich genügend erklären dürfte.

Andererseits steht den übrigen Analysen zufolge keineswegs die Ab- oder Zunahme der flußbildenden Basen in unbedingtem Zusammenhange mit der Strengflüssigkeit. So enthält gerade der weit strengflüssigste, der Garnkirker Thon, eine größere Menge an flußbildenden Bestandtheilen, und der leichtflüssigste Thon, Nr. 6, keineswegs dieselben in größter Menge.

Will man die Zusammensetzung des Thones Nr. 4, der wenig strengflüssig, als Beweis für das aufgestellte Gesetz in umgekehrter Weise gelten lassen, so ist bemerkenswerth, daß er auch die geringste Menge Thonerde (auf 100 Kieselsäure nur 32,97 Thonerde) enthält.

Um wo möglich herauszufinden, worin zwischen den in ihrer Zusammensetzung im Ganzen sehr ähnlichen, und doch hinsichtlich der Strengflüssigkeit ebenso verschiedenen Thonen, Nr. 1 und Nr. 6, die analytischen Kennzeichen liegen, erschien es nicht uninteressant von beiden die Analysen sorgfältigst zu wiederholen, um aus Durchschnittszahlen Schlüsse ziehen zu können.

|458|

Tabelle A.

a. Gefundene procentische Zusammensetzung der bei 100° C. getrockneten Thone.

Textabbildung Bd. 169, S. 458
|459|

b. Berechnete procentische Zusammensetzung der bei 100° C. getrockneten Thone.

Textabbildung Bd. 169, S. 459
|460|

Tabelle B.

c. Procentische Zusammenstellung der Thonerde, der Gesammtmenge der Kieselsäure und derjenigen der flußbildenden Bestandtheile in den Thonen.

Nr. 1. Nr. 2. Nr. 3. Nr. 4. Nr. 5. Nr. 6. Garnkirker
Thon.
Thonerde 29,96 30,34 25,73 27,99 22,30 27,87 36,32
Kieselsäure 58,80 57,65 63,61 56,98 67,60 61,19 44,67
Flußbildende Bestandtheile
(Eisen, Kalk und Alkalien)

1,64

3,32

2,97

4,55

2,19

2,46

3,03

d. Procentische Zusammenstellung der Thonerde, der Gesammtmenge der Kieselsäure und derjenigen der flußbildenden Bestandtheile nach Abzug des Glühverlustes.

Thonerde 33,07 33,13 27,80 31,11 24,04 30,34 42,80
Kieselsäure 64,90 62,95 68,72 63,34 72,91 66,62 52,63
Flußbildende Bestandtheile 1,81 3,62 3,21 5,05 2,36 2,67 3,57
Magnesia 0,22 0,30 0,27 0,50 0,69 0,37 1,00
–––––– –––––– –––––– –––––– –––––– –––––– ––––––––
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00

e. Zu je 100 Theilen der Gesammtmenge der Kieselsäure gehörende Thonerde nach Abzug des Glühverlustes und ohne Rücksicht auf die beigemengten Basen.

Gesetzt die Gesammtmenge der Kieselsäure = 100
Dazu gehörende Thonerde 50,96 52,63 40,46 49,12 32,97 45,54 81,32
|461|

Chemische Constitution.

f. Procentische Zusammensetzung der Thone nach Abzug des Sandes.

Thonerde 40,32 38,59 40,65 35,57 38,36 38,15 39,99
Kieselsäure, chemisch gebundene 44,60 46,15 42,54 45,37 44,26 46,91 44,05
Eisenoxyd 0,60 0,85 0,77 0,86 0,99 1,10
Eisenoxydul 0,94 0,56 0,69 0,28
Kalk 0,04 0,71 0,09 0,35 0,14 0,13 0,46
Alkalien 1,54 2,65 3,64 4,08 2,08 1,77
Magnesia 0,25 0,35 0,39 0,57 1,10 0,46 0,94
Glühverlust 12,65 10,70 11,75 12,73 12,51 11,14 11,69*
–––––– –––––– –––––– –––––– –––––– –––––– ––––––
100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00

g. Berechnete Sauerstoffmengen der chemisch gebundenen Kieselsäure, der Thonerde und des Wassers.

O O O O O O O
Kieselsäure 44,60–23,16 46,15–23,96 42,54–22,09 45,37–23,56 44,26–22,98 46,91–24,36 44,05–22,87
Thonerde 40,32–18,85 38,59–18,04 40,65–19,00 35,57–16,63 38,36–17,93 38,15–19,83 39,99–15,69
Wasser 12,65–11,24 10,70– 9,51 11,75–10,44 12,73–11,31 12,51–11,12 11,14– 9,90 11,69–10,39

h. Berechnete Sauerstoffmengen der Gesammtmenge der Kieselsäure und der Thonerde nach Abzug des Glühverlustes.

O O O O O O O
Kieselsäure 64,90–33,70 62,95–32,69 68,72–35,68 63,34–32,89 72,91–37,86 66,62–34,59 52,63–27,33
Thonerde 33,07–15,46 33,13–15,49 27,80–12,99 31,11–14,54 24,04–11,24 30,34–14,18 42,80–20,01
|462|

Da im Ganzen die Resultate für die Thone Nr. 1 und Nr. 6, die beide genau in derselben Weise analysirt wurden, annähernd stimmen, so ist es wohl bei Annahme einer wenigstens relativen Zuverlässigkeit gestattet, folgende sich darbietende vier Gesichtspunkte aufzustellen:

  • 1) Bei dem Thon Nr. 1 findet sich mehr Thonerde, als bei dem Thon Nr. 6, und zwar in absoluter wie relativer Hinsicht.
  • 2) Bei dem Thon 1 findet sich weniger Sand mechanisch beigemengt.
  • 3) Die Menge der flußbildenden Bestandtheile ist bei dem Thon 1 eine geringere.
  • 4) Der Wassergehalt ist bei dem Thon 1 ein größerer. – Die Menge der freien Kieselsäure oder der durch kochende Sodalösung ausziehbaren ist bei Thon 1 eine geringere als bei Thon 6, noch weniger beträgt sie bei dem Garnkirker Thon.

Will man diese Resultate, die für den belgischen Thon und solche, die ihm ähnlich, maaßgebend seyn dürften, allgemein ausdrücken, so läßt sich daraus folgern:

Von zwei oder mehreren Thonen, die übrigens einander in der Zusammensetzung sehr ähnlich, ist derjenige der strengflüssigere, welcher

  • 1) der thonerdehaltigere,
  • 2) am wenigsten Sand mechanisch beigemengt enthält;
  • 3) wird der strengflüssigere auch weniger flußbildende Bestandtheile enthalten, doch ist dabei zu beachten, daß deren nachtheilige Wirkung eine qualitativ verschiedene, und
  • 4) dürfte der größere Wassergehalt auf eine größere Strengflüssigkeit deuten.81)

Um nicht den Vorwurf der Einseitigkeit oder Voreiligkeit zu verdienen, wovor ich mich um so mehr bewahren möchte, je größer die Verschiedenartigkeit des Vorkommens der Thone, wie deren Zusammensetzung und Eigenschaften, behalte ich mir ausdrücklich vor, die genannten Ergebnisse noch weiter und umfassender zu verfolgen.

Soll eine Formel für vorstehende Thone aufgestellt werden und vergleicht man zu dem Zwecke die Sauerstoffmengen zwischen Kieselsäure, |463| Thonerde und Wasser, und zwar nach Abzug des Sandes, so ergeben sich die unter lit. g der Tabelle B angeführten und bezeichneten Zahlen.

Setzt man die Sauerstoffmenge der Kieselsäure = 4, so erhält man für den Thon

Kieselsäure Thonerde Wasser
Nr. 1. 4 3,24 1,94
Nr. 2. 4 3,00 1,59
Nr. 3. 4 3,40 1,89
Nr. 4. 4 2,84 1,92
Nr. 5. 4 3,12 1,93
Nr. 6. 4 2,92 1,63
Garnkirk Thon 4 3,27 1,82

Es dürfte hiernach das Verhältniß des Sauerstoffs der Kieselsäure und desjenigen in der Thonerde seyn 4 : 3 oder 12 : 9, und die kieselsaure Thonerde ist somit in diesen Thonen eine basische und hat die Formel 3 Al²O³, 4 SiO³.

Nimmt man die Sauerstoffmenge im Wasser zu 2/3 der in der Thonerde enthaltenen an, so erhalten wir demnach die Formel

3 Al²O³, 4 SiO³ + 6 HO

was genau entspricht der von Brogniart und Malaguti für den Kaolin aufgestellten Formel.

Bekanntlich fand Fresenius bei seinen ausgezeichneten Untersuchungen von fünf nahe bei einander vorkommenden Thonen aus dem Nassauischen, daß der reine Thon neutrale kieselsaure Thonerde, während Forchhammer gleichfalls eine basische Formel

(2 Al²O³, 3 SiO³ + 6 HO)

aufstellte.

Es bestehen demnach bis jetzt drei bis vier verschiedene Formeln für die Thone, welche dem Vorkommen dieses ungemein, namentlich durch alle sedimentären Formationen bis in die jüngsten Alluvionen verbreiteten sehr verschiedenartigen, bald mehr bald weniger fortgeschrittenen Endzersetzungsproductes entsprechen dürften.

Faßt man die Sauerstoffmengen der Gesammtmenge der Kieselsäure zur Thonerde, nach Abzug des Glühverlustes, ins Auge – ein Verhältniß, das, wenn auch nicht zur Aufstellung einer Formel berechtigt, doch im Feuer endgültig maaßgebend ist – so ergeben sich die sub lit. h der Tabelle berechneten Zahlen.

Setzt man die Sauerstoffmenge der Kieselsäure = 2, so erhält man:

|464|
Kieselsäure Thonerde
Nr. 1. 2 0,92
Nr. 2. 2 0,96
Nr. 3. 2 0,74
Nr. 4. 2 0,88
Nr. 5. (2 0,58
Nr. 6. 2 0,82
Garnkirk Thon 2 1,43
oder 3 2,13

Im Allgemeinen ergibt sich hieraus, mit Ausnahme des Garnkirker Thons, daß wir es schließlich im Feuer mit neutraler oder gar saurer kieselsaurer Thonerde zu thun haben, woraus sich erklärt und gerade beweisen läßt, warum wir die genannten belgischen Thone nicht zu den ausgezeichnetsten feuerfesten Thonen rechnen können.

Die strengflüssigsten Thone, Nr. 1 u. 2, bilden, besonders wenn wir den übrigen Basen einen Theil der Kieselsäure zumessen, alle Kieselsäure mit der Thonerde in chemischer Verbindung gedacht, wenigstens neutrale Verbindungen.

Bei dem schottischen Thone haben wir selbst in diesem Falle ganz entschieden eine basisch-kieselsaure Thonerde vor uns, eine Erklärung für die einzige Vorzüglichkeit dieses schottischen Thones in feuerfester Hinsicht, und gleichzeitig ein Beweis für das aufgestellte Gesetz, der nicht gering in die Waagschale fallen dürfte.

Versucht man aus den verschiedenen, in der Literatur sich vorfindenden Analysen von feuerfesten Thonen das gewonnene Resultat darzuthun, so erscheint hier in der That Thür und Thor geöffnet für jedwede fast beliebige Behauptung.

Wir finden unter den als höchst feuerfest gerühmten Thonen die allerverschiedenartigste Zusammensetzungsweise, namentlich was das relative Verhältniß zwischen der Kiesel- und Thonerde angeht, wovon erstere jedoch im Ganzen einer meist vorherrschenden Bestimmung sich zu erfreuen scheint. Abgesehen von manchen darunter befindlichen älteren und unsicheren Analysen, gehört nicht nur eine genaue Silicatanalyse, wie allbekannt und häufig auch deren Ausführung, und besonders die scharfe Scheidung der Kieselerde von der Thonerde, nicht zu den leichten Aufgaben der analytischen Chemie, sondern die Bestimmung der einen auf Kosten der anderen, ist wohl abhängig von der Uebung des Analytikers. Ferner sind es noch andere Umstände, die das Auffinden einer Gesetzmäßigkeit unter dieser wirklichen und scheinbar noch größeren Verwirrung, erschweren.

Das Beurtheilungsmaaß für die feuerfesten Thone ist ein außerordentlich |465| variirendes. Die gestellten Anforderungen sind höchst verschiedenartig und je nach den Umständen, unter denen ein Thon geprüft worden ist, fällt die Entscheidung sehr wechselnd aus. Anderntheils ist die Verschiedenartigkeit der Thone selbst in demselben Lager meist groß genug, um beliebige Proben, je nach dem leitenden Vorurtheil entnehmen zu können, und mag daher auch der Zufall seine Rolle mitspielen.

Ich werde mich daher auf berühmte und allgemeiner bekannte feuerfeste Thone oder auch Fabricate daraus beschränken, worunter von bewährten Analytikern untersuchte sind.

Vorerst hebe ich die Analyse eines englischen feuerfesten Steines von Fresenius hervor.

Die Analyse 1) der Zusammensetzung des ganzen Steines und 2) der darin enthaltenen Chamotte ergab:

1. 2.
Kieselsäure 54,63 47,98
Thonerde 40,27 46,94
Eisenoxyd 2,67 2,94
Kalk 1,53 2,32
Magnesia 1,03 Spur
–––––––––––––––
100,13 100,18

Berechnet aus beiden Bestimmungen die Sauerstoffmenge der Kieselsäure und der Thonerde, so ergibt

1. O 2. O
Kieselsäure 54,63 28,37 47,98 24,91
Thonerde 40,27 18,82 46,94 21,94

Ohne allen Zweifel bestand demnach der zur Grundmasse dieses Steins (wovon mir zufällig Stücke zu Händen gekommen sind, welche denselben als ausgezeichnet strengflüssig, gleich den bestbekannten schottischen feuerfesten Steinproben erwiesen) und noch mehr der zur Chamotte verwendete Thon aus basisch-kieselsaurer Thonerde.

Unter den besten feuerfesten Thonen Englands und Schottlands finden sich überhaupt mehrere basische Thonsilicate.

So enthalten 1) der Thon von Stannington bei Sheffield, analysirt a. von Le Play und b. von Humbly, 2) von Brierley Hill, Staffordshire, erste Qualität, analysirt von T. H. Henry, 3) von Poole, Dorsetshire, analysirt von Weston, 4) der Chinathon, Kaolinit aus Cornwall, analysirt von R. A. Cooper, 5) von Stourbridge, analysirt a. von Le Play und b. von Salvetat, und 6) von Grangemouth, analysirt von Penny, Sorte a.

|466|
1. 2. 3.
a. O b. O O O
Thonerde 40,9–19,12 34,47–16,11 30,40–14,21 32,11–15,01
Kieselsäure 42,0–21,80 48,04–24,94 51,80–26,90 48,99–25,44
(im Ganzen)
4. 5. 6.
O a. O b. O O
Thonerde 39,74–18,58 38,8–18,14 28,77–13,45 35,65–16,66
Kieselsäure 46,32–24,05 46,1–23,94 45,25–23,49 62,85–32,63
(im Ganzen)

Da die doppelte Sauerstoffmenge der Kieselsäure im Gegensatze zu derjenigen der Thonerde der neutralen Verbindung entspricht, so gehören sämmtliche genannte Thone, ungeachtet der Angabe der Kieselsäure nur in der Gesammtmenge, zu den mehr oder weniger basischen.

Unter den belgischen Thonen besteht der von Maizerouille, welcher wegen seiner großen Strengflüssigkeit besonders geschätzt wird, analysirt von Coste, aus:

O
Thonerde 33,0–15,42
Kieselsäure 56,0–29,08
(im Ganzen)

Unter bekannteren Thonen enthält der hessische Thon von Groß-Almerode, analysirt a. von Berthier und b. von Salvetat:

a. O b. O
Thonerde 34,9–16,31 34,37–16,07
Kieselsäure 46,5–24,14 47,50–24,66
(im Ganzen)

Ferner der Passauer Thon, analysirt a. von Forchhammer, b. von Fuchs und c. von Salvetat:

a. O b. O c. O
Thonerde 33,56–15,69 35,93–16,80 28,10–13,14
Kieselsäure 43,30–22,48 43,65–22,66 45,79–23,77
(im Ganzen)

Ferner unter den böhmischen Thonen (dieses Journal Bd. CLXII S. 122) die Porzellanerde von Gieshübl bei Carlsbad, analysirt von Joh. Czjzek im k. k. polytechnischen Institute zu Wien:

O
Thonerde 37,99–17,76
Kieselsäure 47,50–24,66
(im Ganzen)

Unter den französischen Thonen finden sich gleichfalls solche, so die Thone von:

Abondant. Montunis
(Saone u. Loire)
Journay.
O O O
Thonerde 40,0–18,7 45,0–21,0 31,0–14,5
Kieselsäure
(im Ganzen) 52,0–27,0 55,0–28,6 53,0–27,5
|467|

Schließlich erwähne ich noch die Analysen verschiedener, wenn auch weniger bekannten Kaoline und eines rothen Thones der Provinz Almeria in Spanien, analysirt von Terreil (dieses Journal Bd. CLXV S. 440):

Kaolin
von Almanzor.
Kaolin
von Moabdil.
Gewöhnlicher
rother Thon.
Sehr feiner
rother Thon.
O O O O
Thonerde 31,07–14,52 30,13–14,08 35,42–16,56 48,26–22,56
Kieselsäure 37,99–19,72 47,17–24,49 26,84–13,94 15,17– 7,88
(im Ganzen)

A. Terreil bemerkt von dem rothen Thon, daß er sich durch seine Zusammensetzung von den gewöhnlichen Thonen unterscheide; er enthalte viel Thonerde und wenig Kieselerde, daher er im höchsten Grade feuerbeständig sey.

Unter den vielen herrschenden entgegengesetzten Ansichten, welche der Kieselerde die Hauptrolle beimessen, steht die ausgesprochene vereinzelt da, woran sich nur wenige ähnliche, so von Leschen und Andeutungen von Anderen, anschließen.

Verhältnißmäßig kommen demnach unter den wegen der ausgezeichnetsten Feuerfestigkeit sehr gesuchten englischen Thonen die meisten basischen Thonsilicate vor; wir finden jedoch auch solche, und gerade unter den berühmten, in Deutschland, in Böhmen, in Belgien, in Frankreich etc.

(Der Schluß folgt im nächsten Heft.)

|458|

Gesammtmenge der Kieselsäure. Durch Auskochen mit kohlensaurer Natronlösung ließ sich freie Kieselsäure oder Kieselsäurehydrat ausziehen bei Thon 1–0,45 Proc, bei Thon 6–0,59 Proc. und bei dem Garnkirker Thon – 0,25 Proc.

|458|

Gesammtmenge der sogenannten flußbildenden Bestandtheile:

a) Wasser und Spuren pflanzlicher Reste.

b) Wasser und pflanzliche Reste.

c) Wasser und viel pflanzliche Reste.

d) Wasser, Spur von Kohlensäure und Organischem.

e) Wasser, Organisches und Spur von Kohlensäure.

f) Darin 4,5 Procent Kohle.

Außerdem enthielten die Thone 3, 4 und 5 sehr geringe Mengen Gyps oder schwefelsaure Thonerde und die übrigen Spuren davon. Thon 3 und 4 enthielten Spuren von Kupfer.

|461|

Wasser nach Abzug der Kohle.

|462|

In Betreff des Sandgehaltes oder der Kieselsäure überhaupt, dieses nach H. Rose in seinen Eigenschaften mehrfach rätselhaften Körpers, gibt es einige Erscheinungen, die auch in feuerfester Hinsicht auf eine gewisse Abhängigkeit von den verschiedenen Zuständen der Kieselsäure, dem amorphen oder krystallinischen, deuten.

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