Titel: Prüfungsmittel für die Reinheit der Oele.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 10 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_10

Prüfungsmittel für die Reinheit der Oele.

Obgleich die wissenschaftliche Chemie die Mittel besitzt, die Natur der Oele erkennen zu lassen, so fehlt es dennoch an solchen Mitteln, die für die Praxis geeignet, schnell und genau genug eine Entscheidung über deren Einkaufs- und Verkaufswerth erlauben. Im Constitutionnel ward kürzlich von H. de Parville berichtet, daß ein Apotheker zu Yvetot, Hauchecorne, ein Reagens entdeckt habe, welches die meisten im Handel vorkommenden Oele nach Qualität und Mischung sicher zu beurtheilen diene. Die Wichtigkeit des Gegenstandes veranlaßt uns, auf diese Entdeckung hier näher einzugehen. – Die Geneigtheit der Oele, Sauerstoff aufzunehmen, ist wohlbekannt, man weiß z.B., daß fettige Wolle, in Folge dieser Eigenschaft der Oele, sehr leicht sich selbst entzünden kann; gerade diese Eigenschaft ist von Hauchecorne zur Prüfung benutzt worden. Er entdeckte, daß sich in einem Oele eine der Art des Oeles ganz eigenthümliche Reaction ergibt, wenn man demselben eine bestimmte Quantität Sauerstoff zuführt. Diese Reaction äußert sich durch eine charakteristische Färbung; ist jedoch die Quantität des Sauerstoffs zu klein oder zu groß, so tritt diese Färbung weniger bestimmt auf. Um den Sauerstoff für diesen Zweck disponibel zu machen, bedient sich H. des oxydirten Wassers (Wasserstoffsuperoxyds) und zwar adoptirte er das Mischungsverhältniß von 1 Vol. des Reagens auf 4 Vol. Oel. H. drückt sich selbst darüber folgendermaßen aus: „Man nehme in eine graduirte Röhre 4 Th. Oel und 1 Th. oxydirtes Wasser, kehre das Rohr um, schüttle einige Secunden stark und beobachte die Färbung.“ Da gerade das Olivenöl, seines Werthes wegen, am öftesten verfälscht wird, so wurde es von H. vorzugsweise untersucht. Er gibt an, daß er die Verfälschung mit anderen Oelen durch seine Methode nicht allein qualitativ, sondern quantitativ erkannt habe, eine Behauptung, deren Wahrheit wohl erst noch zu constatiren ist. Selbst in dem Falle, wo bei der Bereitung des Oeles unreife und reife Früchte gleichzeitig verwendet wurden, wodurch die Güte beeinträchtigt wird, soll das genannte Verfahren sichere Auskunft geben, indem die färbende Substanz im Oele mit der Reife der Frucht zunimmt, so daß aus der durch das Reagens hervorgerufenen Färbung die Reife der Früchte erkannt werden könne.

Die Färbung, welche sich bei dem Prüfungsverfahren kund gibt, wird daher weniger dunkel seyn, wenn das Oel weniger gut ist. Es folgt hier die Angabe der Färbungen, welche verschiedene Oele nach H's. Verfahren annehmen:

Reines Olivenöl apfelgrün, zartes Grün.
Mohnöl fleischroth.
Sesamöl hellroth. Das Reagens färbt sich selbst.
Erdnußöl milchig, graugelblich.
Bucheckeröl ockergelbroth, ohne Färbung des Reagens.

Die vollkommen bestimmten Färbungen sollen durchaus keinen Zweifel über die Oelart aufkommen lassen. Sind die Oele in Mischung, so werden sie gleichfalls durch eine charakteristische Färbung erkannt. H. operirte Anfangs mit verschiedenen selbsterzeugten |80| Mischungen von bekanntem Verhältnisse, und behauptet, daß die Erkennung in jedem Falle unzweifelhaft möglich gewesen sey. Hier folgen seine Resultate:






Olivenöl





gemischt










mit










10
30
50
10
30
50
10
30
50
10
30
50
Proc.










Mohnöl


Erdnußöl


Sesamöl


Bucheckeröl

schmutzig grau mit grünlichem Scheine.
ächt schmutzig grau.
ächt graurosa.
milchig grün.
leicht grau.
grau mit grünlicher Nuance.
bernsteinfarbig.
lebhaft orange und Färbung des Reagens.
roth
schmutzig grau mit gelblichem Scheine.
röthlich gelb.
hell ockergelbroth.

Mit etwas Uebung soll die Unterscheidung der Farben sehr leicht erfolgen. Bei dem Erdnußöle soll die Unterscheidung am schwierigsten seyn, weil seine unterscheidende Färbung sich mit der charakteristisch grünen Farbe des Olivenöles mischt. Die milchichte Trübung, welche bei einer Mischung von Erdnußöl mit Olivenöl erfolgt, besteht über 24 Stunden; die, welche ranziges Olivenöl gibt, verschwindet schon nach 1 oder 2 St. Ruhe. H. prüfte 292 Proben von franz. Olivenöle und fand nur eine einzige mit Mohnöl vermischt, dagegen enthielten 6 Sesamöl und etwa 100 Erdnußöl. Nur der zwanzigste Theil der Proben zeigte, daß das Oel aus guten reifen Früchten gewonnen war, während zu den übrigen Sorten unreife oder ranzige verwendet waren. Wenn sich dieses Prüfungsverfahren bewährt, so wird man gewiß zugeben müssen, daß dessen Erfinder dem Handel einen großen Dienst erwiesen hat. (Deutsche Industriezeitung, 1863, Nr. 24.)

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