Titel: Ueber Verdichtung von Gas- und Wasserröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 2 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_2

Ueber Verdichtung von Gas- und Wasserröhren.

Zur Umgehung der Dichtung mit Hanfstricken und Blei oder mit Hanfstricken, Kitt und Blei, oder mit abgedrehten Muffen, Spitzen und Mennigekitt hat Magnier in seinem Werk über Gasbeleuchtung imprägnirte Pappringe vorgeschlagen. In Rücksicht der mangelnden Elasticität scheint diese Methode weniger Eingang gefunden zu haben als die Dichtung mit Ringen von Gummi oder vulcanisirtem Kautschuk. Dieses Material wird aber in kurzer Zeit porös und bröcklig, und eignet sich deßhalb sehr wenig zu genanntem Zweck; Förster in Lippstadt i. W. hat deßhalb Korkringe vorgeschlagen und mehr als tausend Dichtungen mit denselben in Döbeln und auf dem Thüringer Bahnhof in Leipzig ausgeführt.

Förster hatte empfohlen, den Kork vor dem Gebrauch in kochendem Wasser zu brühen, weil er alsdann elastischer werde; da er sich indeß außerordentlich leicht beim Zusammenschrauben der Flanschen zusammen Preßte, so wurde dieser Vorschlag nicht angenommen, sondern die Ringe von knapp 7/12 Quadratzoll Querschnitt wurden auf der äußeren Fläche mit Theer bestrichen, um sie antiseptisch zu machen, und alsdann bis auf 1/6 Zoll rheinisch zusammen gepreßt. Der Erfolg ist nicht überall gleich günstig gewesen, und zwar an denjenigen Stellen nicht, wo die Röhren eine so hohe Lage haben, daß die Zusammenziehung derselben durch die Einwirkung des Frostes nicht mehr unbeachtenswerth |72| ist. Da indeß kein Fall vorliegt, daß durch die Zusammenziehung der Röhren eine Flantsche abgerissen wäre, so sind die Undichtheiten wohl lediglich dem Umstand zuzuschreiben, daß der Kork nicht durch Brühen in heißem Wasser elastisch gemacht und daß er andererseits zu viel über seine Elasticitätsgrenze zusammengepreßt worden ist. Die Elasticitätsgrenze des Korkes wird man leicht ermitteln können, indem man einen gebrühten und hierauf getrockneten Korkring zunächst um 1/8 Zoll zusammenpreßt und nachsieht, ob er sich nach Aufhebung des Druckes wieder ausdehnt, und alsdann den Versuch fortsetzt. Kann man bei dem dichten Gefüge des Korkes, welcher zu solchen Ringen gewählt wird, versichert seyn, daß eine Zusammenpressung von 1/16 Zoll einen festen Verschluß gegen den geringen Gasdruck in den Röhren gewährt, so wird die doppelte Zusammenpressung, also von 1/8 Zoll, vollständig genügen, um die größere Fuge, welche durch das Zusammenziehen des Rohres in der Kälte entsteht, zu schließen; denn die Zusammenziehung eines 9 Fuß langen Rohres beträgt bei einem Temperaturunterschied von 20° C., welcher doch nur für sehr flach liegende Theile eines Röhrennetzes auftreten kann, nicht ganz 1/44 Zoll oder etwa 2/7 Linien, also bedeutend weniger wie 1/16 Zoll, welche Ausdehnung man der Elasticität des Korkes von 7/12. Quadratzoll Querschnitt ohne Versuch zumuthen dürfte. Würde sich an einzelnen flachen Stellen eine Sicherung gegen etwaiges Abreißen der Rohflantschen bei dem Zusammenziehen in der Kälte als nützlich voraussetzen lassen, so hätte man nur nöthig, nachdem etwa 16 Rohre gelegt sind, die Schrauben der ersten acht Röhren um etwa 1/12 Zoll nachzulassen und nach dem zwanzigsten Rohr ein Muffrohr einzulegen, oder zwei Rohre mit Spitzen in einem längeren, darüber geschobenen Muffe mit Handstricken und Blei zu dichten.

Was die Preise der Korkringe betrifft, so waren in Sachsen die Ringe von 2 1/4 Zoll rheinisch im lichten Durchmesser zu 1 1/2, Sgr.; die von 2 2/3 Zoll rheinisch zu 2 Sgr.; von 3 1/2 Zoll rheinisch zu 2 1/2; von 4 1/2 Zoll rheinisch zu 3 Sgr. zu haben. Die ersteren dienten für Rohre von 1 1/3 Zoll rheinisch lichter Weite; die zweiten für Rohre von 1 5/6 Zoll u.s.w.

Eine größere Anwendung dürfte dem Kork bei Gasleitungen namentlich dann bevorstehen, wenn man eben so, wie man von den gußeisernen zu den Chamotteretorten übergegangen ist, auch von den gußeisernen Leitungsröhren mehr und mehr zu thönernen mit Flantschenverbindung überginge, wo alsdann die geringere Elasticität des Korkes im Vergleich zum Gummi, bei der äußerst geringen Längenveränderung thönerner Röhren in der Kälte, außer Betracht, hingegen die große Billigkeit der Korkringe wesentlich in Anschlag käme. (Deutsche illustrirte Gewerbezeitung, 1863, Nr. 15.)

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