Titel: Grüel's elektromagnetische Maschine mit dauernd geschlossenem Magnet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 3 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_3

Grüel's elektromagnetische Maschine mit dauernd geschlossenem Magnet.

Dieser für die Veranschaulichung der elektromagnetischen Triebkraft vorzugsweise geeignete Apparat unterscheidet sich von allen früher bekannt gewordenen Constructionen dadurch, daß der Anker nicht aus irgend einer Entfernung vom Magneten angezogen wird, sondern mit demselben permanent m Berührung bleibt.

Es erscheint daher wenig gerechtfertigt, daß in dem Werke von Dr. Dub über den Elektromagnetismus bei der Classification der elektromagnetischen Maschinen die Grüel'sche Construction mit der von Zöllner vorgeschlagenen um deßwillen zusammengestellt worden ist, weil bei beiden die Ankerstücke mit den Magneten in Berührung treten. – Wenn es erwiesen ist, daß die Zugkraft eines Elektromagneten circa 2/3 ihres Werthes durch die geringste Trennung des Ankers, durch die Zwischenlegung eines Blattes Postpapier zwischen Anker und Polflächen verringert wird, so ist es begreiflich, daß bei Vergrößerung des Zwischenraumes die Kraft selbst starker Elektromagnete auf einen kleinen Bruchtheil herabsinken und zur Illusion werden muß.

Diese Entfernung der anzuziehenden Anker ist nun nach der Zöllner'schen Einrichtung eine ganz bedeutende, und nur im letzten Moment treten die Anker successive in wirkliche Berührung mit den Polen. Dagegen hat Hr. Grüel das Princip befolgt, den Anker fortwährend auf den Polflächen zu belassen und als Triebkraft allein die oscillirende Bewegung desselben zu benutzen, welche denselben allemal aus seiner schiefen Stellung in die verticale zu ziehen strebt, indem der an der Achse des Schwungrades befindliche Commutator bei jeder Drehung des Rades zweimal den Strom schließt und |73| wieder öffnet. Die Schließung geschieht immer zu der Zeit, wo der Anker die äußerste schiefe Stellung zu beiden Seiten hat, und die Oeffnung des Stromlaufs allemal zu der Zeit, wo der Anker seine verticale Lage, und damit die größte Attraction eben erreicht und dem Krummzapfen einen neuen Antrieb gegeben hat. Auf solche Weise leistet ein einziger Magnet mit sehr geringem Aufwand von Stromstärke mehr als eine Anzahl derselben nach älterer Art in Wirksamkeit gesetzt. Der Apparat überrascht durch die Lebendigkeit seiner Bewegung und ist zu kleinen mechanischen Leistungen, z.B. zum Treiben von Modellen in Schaufenstern, zum Schleifen, Poliren und Mischen sehr geeignet.

Daß die von Hrn. Grüel gelieferten, in Holz ausgeführten Maschinen mit einem Magnet und 15zölligem Holzrade schon mittelst einer auffallend kleinen galvanischen Kette mit Thonbüchse von 1'' Höhe, einem kurzen Platindraht oder Kohlenstift, combinirt mit einem Zinkdraht oder Zinkstreifen, in lebhafte Bewegung kommen, dürfte hinreichen, die Richtigkeit des Princips außer Zweifel zu stellen, weil eine Vergleichung stets unter Berücksichtigung des verwendeten Materials, der Stromstärke und des Consums von Zink und Säuren geschehen muß.

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