Titel: Zerlegung des Wassers in seine Elemente.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 6 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_6

Zerlegung des Wassers in seine Elemente.

Saint-Claire Deville, der ausgezeichnete franz. Chemiker hat im Verein mit Debray das Experiment des englischen Physikers Grove, nämlich das Wasser durch schmelzendes Platin in Sauerstoff- und Wasserstoffgas zu zerlegen, sehr im Großen wiederholt. Er hat zu verschiedenen Malen mehrere Kilogramme (Doppelpfunde) geschmolzenes Platin in Wasser gegossen und dabei eine reichliche Entwickelung von Knallgas beobachtet.

Dasselbe Platin, das man bei der Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser geschmolzen hat, vermag seinerseits im geschmolzenen Zustande Wasser zu zersetzen.

Ein Experiment, welches mit geringen Hülfsmitteln auszuführen ist, gibt die Erklärung. Leitet man einen raschen Strom von Kohlensäuregas erst durch ein Gefäß mit Wasser, dann durch ein glasirtes Porzellanrohr, das mit sehr reinen ausgeglühten Porzellanstückchen gefüllt ist, erhitzt dieses Rohr so stark, als es mit Hülfe von harten Kohlen und mittelst eines Gebläses möglich ist, und fängt dann das Gasgemisch in Glasröhren auf, welche eine starke Aetzkalilauge enthalten, so bleibt darin nach der Absorption der Kohlensäure ein sehr explosives Gas zurück, das aus 47 Proc. Sauerstoff, 32 36 Proc. Wasserstoff, 11–12 Proc. Kohlenoxyd und dem Rest Stickstoff besteht. Der Ueberschuß an Kohlensäure dient nur dazu, um die durch die Zersetzung des Wassers durch Hitze gebildeten Gase hinreichend zu verdünnen, damit sich ihre Atome nicht wieder vereinigen können, sobald sie die Stelle des Apparates erreicht haben, wo sonst bei Heller Rothgluth die Wiederverbindung erfolgen müßte. Es ist bekannt, daß Knallgas nicht explodirt, wenn ihm eine hinreichend große Menge indifferenter Gase beigemischt ist. Ganz ein gleicher Vorgang findet bei der Zerlegung des Wassers durch schmelzendes Platin statt. Hier spielt der rasch entwickelte Wasserdampf dieselbe Rolle. Ein anderer Grund ist die rasche Abkühlung des Gases in dem einen oder dem anderen Falle. In dem Experiment mit dem glühenden Porzellanrohr führt die Kohlensäure das explosive Gas schnell an kühlere Stellen des Apparates, während im zweiten Falle das Gas im Aufsteigen mit viel kaltem Wasser in Berührung kommt. Dieß ist auch der Grund, warum Wasserdampf, durch ein heftig glühendes Platinrohr geleitet, keine Spur Knallgas gibt. Die spec. Wärme des Wasserdampfes ist so groß, daß er keine rasche Abkühlung des etwa erzeugten Knallgases gestattet, weßhalb sich dasselbe wieder zu Wasser verbindet. H. Schwarz. (Breslauer Gewerbeblatt, 1863, Nr. 12.)

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