Titel: Vorschläge über ein neues Verfahren der Sodafabrication in Verbindung mit der Barytindustrie; von Dr. G. Hoffacker in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 7 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_7

Vorschläge über ein neues Verfahren der Sodafabrication in Verbindung mit der Barytindustrie; von Dr. G. Hoffacker in Stuttgart.

Bekanntlich hat Kuhlmann vor einigen Jahren angefangen, die Barytindustrie mit der Sodafabrication zu verbinden, indem er die Rückstände der Chlorbereitung und die bei der Sulphat-Darstellung entstehenden Salzsäuredämpfe zur Darstellung von Chlorbaryum verwendet und aus letzterem schwefelsauren Baryt und die übrigen Barytpräparate darstellt. Diese Industrie hat seitdem einen großen Aufschwung genommen. Kohlensaurer Baryt (Witherit) ist aus England namentlich sehr billig zu beziehen. Ich habe deßwegen daran gedacht, ob es nicht vortheilhaft wäre, Witherit direct zur Sodafabrication zu verwenden und mache demgemäß folgende Vorschläge:

1) Fein gemahlener kohlensaurer Baryt wird mit einer kalten Lösung von schwefelsaurem Natron in großen eisernen Kästen in der Art angerührt, daß man den kohlensauren Baryt etwas im Ueberschuß nimmt. Das schwefelsaure Natron wird sich auf |77| diese Weise in kohlensaures verwandeln, während schwefelsaurer Baryt niederfällt. Zur Beschleunigung des Processes und um das Gemenge in die vielseitigste Berührung zu bringen, wird man geeignete Rührapparate anbringen. Man erhält so vortreffliche Laugen von kohlensaurem Natron, die namentlich frei von Schwefelnatrium-Verbindungen sind, welch letztere bei dem Verfahren von Le Blanc den Fabrikanten so sehr belästigen. Den schwefelsauren Baryt kann man als solchen verwerthen oder nach 3) verarbeiten.

2) Witherit wird ebenfalls fein gemahlen, mit Kohlenpulver gemischt und im Flammofen heftig geglüht. Es bildet sich Baryumoxyd, das man durch Auslaugen mit kochendem, von Kohlensäure befreitem Wasser von der unverbrannten Kohle trennt. Die so erhaltene Lauge von Barythydrat klärt man durch Absetzen oder Filtriren, wobei die Kohlensäure der Luft abzuhalten ist, und vermischt sie noch heiß mit der ebenfalls heißen Lösung einer bestimmten Menge schwefelsauren Natrons. Es bilden sich Aetznatron und schwefelsaurer Baryt. Die Aetznatronlauge wird entweder mit Kohlensäure behandelt, oder sofort eingedampft. Aetznatron findet ja mehr und mehr Aufnahme in Gewerben und in der Industrie. Auf diese Weise wird man wiederum ganz schöne Laugen und aus schwefelsaurem Natron mit einer Operation das hochgradigste Aetznatron neben reinem schwefelsaurem Baryt erhalten.

3) Man verwandelt schwefelsauren Baryt (man kann auch feingemahlenen Schwerspath nehmen) durch Glühen mit Kohle in Schwefelbaryum und stellt hieraus nach der alten Methode mittelst Kupferoxyds, Barythydrat und Schwefelkupfer dar. Barythydrat verwendet man wie bei 2) zur Darstellung von Aetznatron und schwefelsaurem Baryt. Aus Schwefelkupfer erhält man durch Rösten allen Schwefel als schweflige Säure wieder, während Kupferoxyd zurückbleibt. Nach der Theorie verliert man also weder Schwefel noch Kupfer, und in der Praxis kann der Verlust nur unbedeutend seyn.

Es wird nun darauf ankommen, ob man im Großen mit 1) oder 2) bessere Resultate erzielt. Bei zu geringem Absatz von gefälltem schwefelsauren Baryt kann man ja theilweise nach 3) arbeiten. Deßgleichen wenn Witherit zu theuer ist und da schwefelsaurer Baryt immer wieder Endproduct ist, würden nöthigenfalls auch von diesem keine großen Quantitäten erforderlich seyn. Dem Fabrikanten geben Calculationen hierüber die beste Auskunft.

Schwefelbaryum und Baryumoxyd werden das Mauerwerk weniger corrodiren, als das bei vielen vorgeschlagenen Methoden angewandte Schwefelnatrium.

Der Verlust an Schwefel kann bei 3) nicht bedeutend seyn.

Jedenfalls hat man den Vortheil, sehr reine und hochgradige Laugen zu bekommen.

Uebrigens beabsichtigt der Verfasser nur die Grundzüge des Verfahrens anzugeben. Es ist z.B. selbstverständlich, daß die Waschwasser von schwefelsaurem Baryt herrührend, zum Auflösen des schwefelsauren Natrons benützt werden oder daß man den schwefelsauren Baryt nur wenig auswaschen wird, wenn man ihn wieder zu Schwefelbaryum verwendet.

Technische Schwierigkeiten stehen den Methoden keine entgegen und an günstig situirten Plätzen läßt sich unzweifelhaft Gewinn und Nutzen daraus ziehen. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1863, Nr. 24.)

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