Titel: Quaglio's Vorschlag zu einem neuen photolithographischen Verfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 9 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi01_9

Quaglio's Vorschlag zu einem neuen photolithographischen Verfahren.

Hr. Quaglio theilte dem Hrn. Martin auf sein Ansuchen die von ihm erfundene Methode mit, damit letzterer dieselbe der photographischen Gesellschaft in Wien bekannt gäbe, was auch in der Plenarversammlung am 7. April geschehen ist. Hr. Quaglio sagt:

Das Problem, Photographien für den Druck herzustellen, hatte mich bereits im Jahre 1851 beschäftigt. Als im Jahre 1852 von der Société d'Encouragement eine Preisertheilung von 30,000 Frcs. auf die druckbare Uebertragung von Photographien auf lithographischen Stein erfolgte, begann ich mit einem Freunde, Hrn. Theodor Erich, die Versuche mit Ernst zu betreiben. Ich faßte vor Allem die Theorie der Lithographie ins Auge. Auf einem aus kohlensaurem Kalk bestehenden Steine wird mit geschwärzter Seife (ölsaurem Natron) gezeichnet. Der Stein wird mit verdünnter Säure (Salz- oder Salpetersäure) übergossen. Dadurch tritt eine Zersetzung ein; das Natron der Seife verbindet sich mit der Säure, die Oelsäure mit dem Kalk des Steines zu fettigem, in Wasser unlöslichem ölsauren Kalk. Wird der Stein gleichzeitig mit Gummi arabicum überstrichen, so dringt dasselbe nur dort in den Stein ein, wo kein ölsaurer Kalk darauf haftet, und befeuchtet nimmt der Stein, wo das Gummi arabicum eindrang, keine fette Farbe an, während am fetten ölsauren Kalk die Schwärze haftet.

Die Aufgabe besteht also darin, am Stein die Zeichnung aus ölsaurem Kalk darzustellen.

Als photographisches Agens benutzte und untersuchte ich vor allem das ölsaure Silberoxyd, Silberseife. Ich stellte dieselbe dar durch Fällen einer Lösung von Marseiller Seife mittelst eines Aequivalents salpetersauren Silberoxyds. Die Silberseife ist ein gelblichweißer, weicher wachsartiger Stoff. Die Zersetzung derselben am Sonnenlichte erfolgt ziemlich rasch; 5–7 Minuten genügen zu vollkommener prachtvoller Schwärzung. Ich mache bei dieser Gelegenheit gleichzeitig auf die Möglichkeit einer ausgedehnten Anwendung der Silberseife in der Photographie aufmerksam. Die Silberseife kann nämlich durch Einreiben auf alle möglichen Stoffe, als Metalle, Holz, Elfenbein, mattes Glas, Stein u.s.w. gleichmäßig aufgetragen werden und gibt durch Exponirung mit der negativen Matrize ein Bild, dessen matt fettglänzende Schwärze auf keine andere Art zu erreichen ist, und besonders als Unterlage zur Uebermalung mit Oellasurfarben geeignet seyn dürfte. Die Fixirung kann mit verdünnter Salzsäure und darauf folgender Behandlung mit unterschwefligsaurem Natron oder Cyankalium erfolgen. Ich bin überzeugt, daß Versuche in dieser Richtung zu sehr schönen Resultaten führen werden.

Die ersten Versuche mit Silberseife auf lithographischem Stein bestanden darin, daß ich den Niederschlag der Silberseife am Steine selbst erfolgen ließ, indem ich den Stein waagrecht stellte, mit einer Lösung salpetersauren Silbers befeuchtete und dann mit einer Seifenlösung überstrich und im Finstern trocknen ließ. Das Bild wurde nach Exponirung mit der Matrize im directen Sonnenlichte sehr scharf; unter den geschwärzten Stellen hatte sich offenbar die Zeichnung als Kalkseife gebildet und die Aufgabe war so zu sagen gelöst. Die große Schwierigkeit bestand aber in der Entfernung der nicht geschwärzten Silberseife, da alle Lösungsmittel, die ich versuchte, gleichzeitig auch die Kalkseife angriffen. Cyankalium that noch die besten Dienste.

Ein scharf gekörnter Stein (wie man ihn für Kreidezeichnungen verwendet) wurde erst mit arabischem Gummi überstrichen, dann trocknen gelassen und erst nach einigen Stunden wieder rein mit Wasser abgewaschen. Die Silberseife strich ich dünn auf ein Flanellstückchen und rieb damit den Stein so lange ein, bis er einen gleichmäßigen Fettglanz zeigte. Die Exponirung mit der Matrize erfolgte 1/2 Stunde lang im directen Sonnenlichte; die Matrize war ein nach der Natur aufgenommenes Portrait; Große 8 auf 10 Zoll. Das Bild am Stein war außerordentlich scharf und schön. Hierauf wurde der Stein mit rectificirtem Mineralöl gewaschen, gummirt und nun auf die Art |79| geschwärzt, wie man zarte Ueberdrücke schwärzt, nämlich ein Schwamm gleichzeitig in Gummi, Terpenthinöl und Wachsfarbe getaucht und damit der Stein sanft eingerieben und gleichzeitig mit der Walze einigemal ausgewalzt.

Ein Abdruck zeigte das Bild mit allen Nuancen der Mitteltöne. Nach dem Drucke wurde das Verfahren wiederholt und so vier bis fünf Mal; jeder Abdruck wurde schon hübscher. Nach dem fünften Male ätzte ich das Bild ganz schwach mit Salzsäure und Gummi, ließ das Gummi eintrocken und einen halben Tag getrocknet stehen. Hiernach wurde der Stein wie eine gewöhnliche Lithographie behandelt und ich konnte 200 vollkommen gelungene Abdrücke davon machen. Ich bin überzeugt, daß das Verfahren noch einer großen Vervollkommnung fähig ist, und theile meine Erfindung, da mich Berufegeschäfte an deren Verfolgung hindern, zur allgemeinen Benutzung mit; ich würde mich glücklich schätzen, wenn ein schöner Erfolg der photographischen Wissenschaft eine neue Errungenschaft aus unserem Vaterlande, das schon so viel hierin leistete, zuführen möchte. (Deutsche illustrirte Gewerbezeitung, 1863, Nr. 18.)

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