Titel: Die österreichische Schnellzuglocomotive „Duplex“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 1 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi02_1

Die österreichische Schnellzuglocomotive „Duplex“.

Eine von der österreichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft in den Werkstätten zu Wien nach der Construction des Hrn. Haswell angefertigte Schnellzuglocomotive – welche sich auf der Londoner Industrie-Ausstellung vom Jahre 1862 befand – führt den bezeichnenden Namen Duplex, weil dieselbe 2 Cylinderpaare, sowie die damit zusammenhängenden Theile in Paaren besitzt. In Gemeinschaft mit 11 anderen, welche wie üblich bloß 2 Cylinder hatten, wurde diese Maschine versuchsweise mit 4 Cylindern versehen und doppelte Kurbeln angewendet, so daß letztere einen Winkel von 180° bilden, folglich die Kolben und die damit verbundenen Theile in entgegengesetzten Richtungen sich bewegen müssen; diese Anordnung hat den Zweck, die sich namentlich bei größeren Geschwindigkeiten äußernden, durch die bewegenden Theile der Maschine erzeugten störenden Bewegungen auf ein Minimum herabzuziehen. – Bei den zum Vergleiche der beiden Anordnungen angestellten Versuchen entsprachen die Resultate ganz den Erwartungen und betrug bei der Maschine mit 4 Cylindern die störende Bewegung in verticaler Richtung bei Geschwindigkeiten von 52 bis 96 engl. Meilen 0,065'' bis 0,259''; in horizontaler Richtung bei denselben Geschwindigkeiten 0,034'' bis 0,087'', während bei einer Locomotive mit 2 Cylindern unter Geschwindigkeiten von 31 bis 52 engl. Meilen die störende Bewegung in verticaler Richtung 0,777'' bis 1,642'' und in horizontaler Richtung 0,173'' bis 0,259'' betrug. – Die Aufgabe, große Geschwindigkeiten |154| mit Sicherheit zu erreichen, scheint hiermit praktisch gelöst zu seyn, wenn auch nicht auf sehr einfache Weise, und es muß kommenden Erfahrungen überlassen bleiben, ob die erreichten Vortheile der vergrößerten Sicherheit, sowie der verminderten Zerstörung des Schienenweges und der Radbandagen, im Vergleich mit den durch die Construction eingegangenen Opfern, wirkliche Vortheile sind.

Bezüglich der Details muß hier auf die von der österreichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft veröffentlichten vollständigen Beschreibungen und Zeichnungen dieser Locomotive verwiesen werden.27) (Civilingenieur, 1863, Bd. IX S. 167.)

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Mittheilungen über die zur Londoner Ausstellung im Jahre 1862 von der k. k. priv. österr. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft gesendeten Gegenstände. Wien, Zamarski und Dittmarsch.

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