Titel: Phosphorfreie Zündhölzer von Hjerpe, Simdsledt und Holmgrün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 10 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi02_10

Phosphorfreie Zündhölzer von Hjerpe, Simdsledt und Holmgrün.

In Armengaud's Génie industriel, Mai 1863, S. 257 werden zwei Vorschriften für die Herstellung phosphorfreier Zündhölzer mitgetheilt, welche sich die in der Ueberschrift genannten Herren patentiren ließen. Dieselben lauten:

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1. 2.
Chlorsaures Kali 6–8 Gewichtsth. Chlorsaures Kali 4–6 Gewichtsth.
zweifach-chroms. Kali 2 zweifach-chromsaures Kali 2
Glaspulver 2 Schwefelantimon (statt dessen
Gummi oder Leim 2 auch Schwefel, Bleisuperoxyd
oder Mangankupferoxyd) 2
Glaspulver 2
Gummi (Leim) 2–3

Dabei wird auch noch eine Vorschrift zur Anfertigung der zum Anstreichen der Zündhölzchen sich besonders eignenden Reiben angegeben. Die zweckmäßigste Mischung besteht aus Schwefelantimon (5), Chromsalz (2–4), Glaspulver (2), Gummi (2–3). Außer den, den phosphorfreien Zündhölzern überhaupt zukommenden Vortheilen, wird von diesen Zündmassen noch eine sehr geringe Hygroskopität gerühmt.

Nachschrift. Die obigen Vorschriften sind im Principe nichts anderes, als die schon von Canouil 28) vorgeschlagenen Zündmassen. Sie unterscheiden sich nur von denselben durch die Gewichtsverhältnisse der einzelnen Bestandtheile, die nicht einmal immer eine Verbesserung sind; so ist z.B. in der ersten Vorschrift die Menge des chlorsauren Kalis jedenfalls im Verhältnis zu der geringen Quantität Gummi zu hoch und die eigentliche Canouil'sche Vorschrift der größeren Festigkeit der Masse wegen vorzuziehen. Die zweite Vorschrift ist etwas besser und steht in ihrer Wirksamkeit der von Vaudaux und Paignon 29) ziemlich gleich. Beide Zündmassen finde ich aber, den Angaben der Patentträger entgegen, merklich hygroskopisch. Daß alle derartigen Zündmassen denen, welche mit Anwendung von unterschwefligsaurem Bleioxyd bereitet werden, nachstehen, habe ich schon früher ausführlich nachgewiesen und brauche hier wohl nur darauf zu verweisen.30) Ueberhaupt bezweifle ich sehr, daß es auf Grund des Canouil'schen Principes je gelingen dürfte, die der Einführung phosphorfreier Zündrequisiten entgegenstehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Diese letzteren bestehen vorzugsweise darin, daß es sich darum handelt, ein Fabricat zu ersetzen, welches allen Anforderungen des Publikums entspricht und dessen Nachtheile, welche in der Giftigkeit des Phosphors und der allzugroßen Leichtentzündlichkeit bestehen, bisher nicht genügend gewürdigt wurden. Der Unterschied in dem Grad der Entzündlichkeit zwischen den leichtentzündlichsten phosphorfreien Zündhölzern, wie solche in einzelnen Fabriken in sehr guter Qualität hergestellt werden, und den gewöhnlichen Phosphorzündhölzchen besteht darin, daß, während bei ersteren eine wirkliche Reibung, d.h. ein gewisser Strich erforderlich ist, es bei den letzteren genügt, nur eine Stelle in der Masse wund zu machen, um die Entzündung herbeizuführen. An diesen Umstand hat man sich einmal gewöhnt. In zweiter Linie sind der Einführung hinderlich (der wahrscheinlich vorübergehende) etwas höhere Preis der Zündhölzchen und die allzugroße Aengstlichkeit vieler Fabrikanten in der Anwendung des chlorsauren Kalis. Trotzdem dauern die Bestrebungen für die Einführung phosphorfreier Zündrequisiten fort und werden sich wohl auch durch leere Redensarten nicht beseitigen lassen. Ob sie überhaupt einen Erfolg haben werden, darüber kann und wird nur die Zeit ein gültiges Urtheil fällen. Dr. Wiederhold. (Neue Gewerbeblätter für Kurhessen, 1863. Nr. 12.)

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Polytechn. Journal Bd. CLI S. 231.

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Polytechn. Journal Bd. CLXI S. 148.

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Man s. polytechn. Journal Bd. CLXI S. 221 und 268, Bd. CLXIII S. 203 und 296.

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