Titel: Ueber Fabrication der Panzerplatten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 3 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi02_3

Ueber Fabrication der Panzerplatten.

Dieselbe kann geschehen:

a) Durch bloßes Schmieden (Thames Iron-Works), indem man aus Abfall- und Alteisen gefertigte 1–1 1/2 Ctr. schwere Pakete der Schweißhitze aussetzt, 3–4 Pakete hinter einander mit nur wenigen Schlägen zu einem flachen Stück zusammenschmiedet, dieses entweder für sich oder mit einem darauf gelegten zweiten Stück schweißwarm macht und nun die Schmiedung vollendet, indem man das flache rechteckige Stück an einer schmalen und einer langen Seite keilförmig abnehmen läßt. Die ganze Platte wird nun allmählich aus solchen einzelnen Stücken zusammengesetzt, indem man die keilförmigen Ränder beim Schweißen über einander legt. Zuletzt wird die Platte in mäßiger Glühhitze unter öfterem Aufgießen von Wasser zu der erforderlichen Dicke ausgeschmiedet |155| unter Dampfhämmern von 200–400 Ctr. Gewicht mit 8–12 Fuß Hub, während zum ersten Vorschmieden Hämmer von 50–100 Ctr. Gewicht ausreichen.

b) Durch Walzen (Atlas Iron-Works in Sheffield). Die Puddelluppen werden zu Platten von 1 Zoll Dicke, 12 Zoll Breite und 30 Zoll Länge ausgewalzt, 5–6 davon paketirt und zu einer Platte von 4 Fuß Breite und Länge ausgewalzt und aus deren 5–6 wieder Platten von 8 Fuß Länge, 4 1/2 F. Breite, 2 1/2 Zoll Dicke und 30 Ctr. Schwere hergestellt. Vier solcher Platten mit genau abgeschnittenen Rändern werden über einander gelegt, in einem besonders construirten Ofen geschweißt und die 120 Ctr. schwere Platte zu 4 1/2–5 1/2 Zoll Dicke unter einem Walzwerk mit sehr zweckmäßig eingerichteten Vor- und Rückwärtswalzen (Leoben. Jahrb., neue Folge VI, 239) ausgewalzt. Solche gewalzte Platten sind zwar billiger herzustellen als geschmiedete; kommt aber beim letzten Walzen ein Fehler zum Vorschein, so ist das ganze Stück Ausschuß, während bei den geschmiedeten etwa wahrgenommene Fehlstellen so lange geschweißt und gehämmert werden können, bis diese verschwunden sind. Auf den Bruchflächen der Walzplatten sieht man noch mehr oder weniger deutlich die einzelnen Blätter, während bei geschmiedeten der Bruch gleichförmiger ist. Da bei Walzplatten die Fasern bloß nach der Länge liegen, so werden dieselben nach dieser Richtung sehr zähe und fest seyn, aber nicht nach der Breite quer den Fasern. Kaltbrüchiges Eisen gibt keine guten Panzerplatten, weßhalb man dieselben auf dem oben erwähnten Werke aus gutem schwedischen Eisen darstellt.

c) Durch Schmieden und Walzen (Codner Park in Derbyshire). Zwei vorgeschnittene und über einander gelegte Platten werden unter dem Hammer geschweißt und schließlich bei gelinder Hitze zu den richtigen Dimensionen ausgewalzt, das Richtigste zur Erzielung guter Qualität und eines hübschen Fabricates. Im Vergleich mit den bloß geschmiedeten Platten ist jedoch der Nachtheil vorhanden, daß bei dem letzten Zusammenschweißen eine große Schweißfläche in der Mitte vorhanden ist, über deren vollkommene Schweißung man keine Sicherheit hat. (Tunner's Bericht über die metallurgischen Gegenstände der Londoner Weltindustrie-Ausstellung von 1862, Wien 1863, S. 83.)

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