Titel: Violette's Verfahren zur Destillation des Terpenthins und des Harzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 8 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi02_8

Violette's Verfahren zur Destillation des Terpenthins und des Harzes.

Diese Abhandlung ist einer franz. Broschüre entlehnt, welche von Violette in Lille herausgegeben, viel Interessantes über den fraglichen Gegenstand enthält. Man bezeichnet mit dem Namen Terpenthin den harzartigen Saft, welcher von selbst oder aus künstlich bewirkten Oeffnungen den Stämmen einiger Arten Bäume aus der Familie der Coniferen entquillt. Die Masse erscheint als eine weißliche, undurchsichtige, teigartige und honigähnliche Materie, welche aus einem flüchtigen Oele und einem darin aufgelösten Harze gebildet wird. Die Trennung beider Substanzen ist Aufgabe der Harzindustrie. Unter Galipot oder Fichtenharz wird speciell dasjenige Terpenthin verstanden, welches sich an den Rändern der Einschnitte am Stamme festsetzt; mit Colophonium, Spiegelharz, Griechisches Pech werden die Substanzen bezeichnet, die nach der Destillation zurückbleiben, während das flüchtige Oel abgeschieden wurde. Die jährliche Production von Terpenthin beträgt in Frankreich an 450,000 Faß zu je 350 Klgr. und es repräsentirt dieser Rohstoff der Harzindustrie, beim mittleren Preise von 60 Frcs. pro Faß, einen Werth von etwa 27 Millionen Frcs.

Die Operationen der Schmelzung, Filtration und Destillation werden noch in sehr unrationeller Weise ausgeführt. Da die Erwärmung meist noch über offenem Feuer stattfindet, so steigt die Temperatur viel zu hoch, denn statt daß sie 100° C. betragen sollte, steigt sie meist auf 150 bis 200°. Es ist daher durchaus nöthig, statt des directen Feuers durchgängig Wasserdampf anzuwenden. Indem derselbe das geschmolzene Terpenthin durchzieht, nimmt er den ganzen Antheil des darin enthaltenen flüchtigen Oeles, also etwa 18 bis 22 Proc. desselben mit sich fort; mit Hülfe des Wasserdampfes wird es daher möglich, die ganze Quantität des im Rohterpenthin enthaltenen Terpenthinöls und zwar im reinsten Zustande zu gewinnen, während das Harz in keinerlei Weise schädlich afficirt wird.

Der Apparat, dessen sich Violette bei der Verarbeitung des Rohterpenthins bedient, um Schmelzung, Filtration und Destillation durch Anwendung des Wasserdampfes zu bewirken, besteht aus zwei kupfernen, eiförmigen Gefäßen, die durch ein kurzes Rohr, mit einander in Verbindung gesetzt sind; mittelst desselben läßt sich ein Quantum von etwa 4000 Kilogr. auf einmal in Arbeit nehmen. Das untere Gefäß ist an der unteren Hälfte mit einem gußeisernen Mantel, außerdem aber noch im Inneren mit einem Schlangenrohre versehen; die Füllung und Reinigung des Apparates erfolgt durch ein Mannloch, und ein Abzugsrohr für die Destillationsproducte communicirt mit einem Kühlapparat; das Ablassen der breiartigen Rückstände erfolgt durch ein im unteren Theile angebrachtes Zapfenloch, welches mittelst einer kupfernen Stange, die sich in einer Mutter im gußeisernen Mantel einschrauben läßt, geschlossen wird. Der Wasserdampf kann durch 8 Röhren, die durch ein den Apparat umschließendes Rohr vereinigt sind, in die Terpenthinmasse im Apparat eingeleitet werden, um die Destillation direct zu vollziehen. Die Operation wird überhaupt in folgender Weise ausgeführt. Man trägt durch das Mannloch 4000 Kilogr. Rohterpenthin ein und schließt den Apparat wiederum; hierauf läßt man Dampf in die Schlange und den Mantel eintreten, wobei dem Condensationswasser genügender Abzug zu verschaffen ist. Nach etwa 2 Stunden ist die Harzmasse im Flusse. Sobald sich die vollständige Schmelzung vollzogen hat (wovon man sich vielleicht durch ein angebrachtes Fenster unterrichten könnte), läßt man den Dampf durch die vorerwähnten 8 Röhren in den Apparat einströmen, die Destillation beginnt und gibt sich durch den Austritt von Wasser und Oel am Condensator kund. Die Dampfeinströmung ist mit Rücksicht darauf, daß keine harzigen Bestandtheile mit in den Condensator übergerissen werden, zu regeln und überhaupt mit Vorsicht in's Werk zu setzen. Während der |158| Destillation läßt man fortwährend Dampf in die Schlange und den Doppelboden einströmen. In dieser Weise vollzieht sich dieselbe in etwa 8 Stunden. Sobald alles Oel ausgetrieben ist, was daran zu merken, daß nur noch reines Wasser am Condensator ausfließt, schließt man die Dampfeinströmungsrohre, erwärmt aber den Apparat mittelst der Schlange und des Doppelbodens so lange, bis alles Wasser aus den Rückständen ausgetrieben ist. Nachdem dieß erfolgt, ist es nöthig, die Harzmasse, welche alle Unreinigkeiten des Rohstoffes noch enthält, zu filtriren. Das Filter befindet sich unter dem Destillationsapparat, um letzteren direct in dasselbe entleeren zu können, und ist folgendermaßen angeordnet: Es besteht im wesentlichen aus einem eisenblechenen Cylinder von 1,4 Mtr. Durchmesser und 1,5 Mtr. Höhe; der obere Theil desselben ist mit einem Mannloche, einem Dampfeinlaß- und einem Dampfablaßrohre versehen. Unterhalb ist ein durchbohrter beweglicher Boden mit dem Cylinder durch 8 Oesen mit Vorsteckern verbunden; dieser Boden besteht aus zwei Scheiben von 1 Centim. starkem Eisenbleche; sie sind 6 Cent. von einander entfernt und werden von einer 12 Centim. im Durchmesser haltenden Abtheilung durchsetzt, durch welche die filtrirte Substanz entweicht. Auf die oberste Scheibe ist ein durchbohrtes Blech und auf dieses wiederum ein grobes Tuch gelegt. In den Raum zwischen den Scheiben läßt man Dampf einströmen, welcher die Harzmasse erwärmt und die zur Filtration geeignete Consistenz derselben erhält. Bevor man die Harzmasse aus dem Destillationsapparat in das Filter einläßt, erwärmt man letzteres mittelst einer Dampfschlange; überhaupt ist bei der Destillation dafür Sorge zu tragen, daß die zähe Harzmasse stets gehörig erwärmt wird. Wenn das Filter gefüllt ist, schließt man das Mannloch im Deckel desselben und läßt Dampf einströmen, der durch seinen Druck die Filtration bewirkt. Die Harzmasse fließt dann vollkommen rein und klar, als gereinigtes Colophonium durch den Boden des Filters ab; die Filtration ist beendigt, sobald Dampf unterhalb ausströmt, worauf man das Dampfzuführungsrohr sogleich schließt. Hierauf löst man die Vorstecker und läßt den Boden, der durch Ketten mit dem Filter verbunden ist, herab, worauf man das verunreinigte Filtertuch entfernt und durch ein neues ersetzt. Der Boden wird dann wieder an seinem Platze befestigt und die Filtration von neuem begonnen. Praktische Versuche, welche mit Violette's Apparaten in Frankreich angestellt wurden, haben deren Zweckmäßigkeit angeblich genügend bewiesen. (Deutsche Industriezeitung, 1863, Nr. 26.)

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