Titel: Das künstliche Ausbrüten der Eier in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 19 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi03_19

Das künstliche Ausbrüten der Eier in Frankreich.

Um zu erfahren, wie sich das künstliche Ausbrüten der Eier in der Praxis bewähre, wurde im Auftrag des kgl. preußischen Ministers für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten nach Paris um genaue Auskunft geschrieben, in der Voraussetzung, daß dort Erfahrungen vorliegen würden, weil die Hühnerzucht im nördlichen Frankreich eine große Bedeutung hat.

Es ist uns gestattet, aus dem eingegangenen Berichte das Wesentliche hier mitzutheilen.

Darnach hat sich keiner der bisher gemachten Versuche mit dem künstlichen Ausbrüten aufmunternd erwiesen; noch Niemand hat eine eigentlich gewerbliche Unternehmung darauf begründet. Wirkliche Anwendung findet augenblicklich nur der Apparat eines Hrn. Vallée, Wächter bei den Reptilien im Jardin des plantes, der sich auch selbst praktisch mit dem künstlichen Ausbrüten beschäftigt, aber nur im Kleinen, indem er Eier für den zoologischen Garten in seinem Apparate ausbrüten läßt.

Auf eine Reihe, im dießseitigen Auftrage an den Hrn. Vallée gestellter Fragen, hat derselbe folgendermaßen geantwortet:

1) „Es gibt kein Mittel, im Voraus zu erkennen, ob ein Ei befruchtet ist oder nicht. Erst nach 4tägiger Bebrütung kann man, wenn man das Ei in einem dunklen Zimmer gegen das Licht hält, einen beweglichen Punkt wahrnehmen, der die stattgefundene Befruchtung andeutet. Nicht befruchtete Eier bleiben klar.

2) „Die Brutzeit dauert für Hühner 21, für Enten 28–30, für Truthühner 30, für Tauben 17–18 Tage.

3) „Der Procentsatz der wirklich zum Ausbrüten kommenden Eier ist ein sehr wechselnder.

4) „Bei guter Wartung sind alle ausgekommenen Küchlein leicht groß zu ziehen; bei kalter Witterung müssen sie etwas länger im Apparate bleiben, aus dem sie in den |240| ersten Tagen überhaupt nicht entlassen werden dürfen. Insecten werden durch Bestreichen der Küchlein mit Brennöl getödtet.

5) „Die künstlich ausgebrüteten Hühner schmecken ebenso, wie auf natürlichem Wege erzogene.

6) „Die Küchlein werden mit Hirse, Brod und gehackten Eiern gefüttert.

7) „Künstlich ausgebrütete Hühner verhalten sich im Eierlegen, Brüten etc. wie andere.

8) „Ein Apparat für 120 Eier kostet, aus Eichenholz gefertigt, 120 Frcs. (32 Thlr.), der Regulator (der Wärme) dazu 18 Frcs. (4 Thlr. 24 Sgr.).

9) „Der Apparat kann in jedem Raume aufgestellt werden; doch muß daselbst Ruhe herrschen und im Winter geheizt werden.

10) „Die Heizung des Apparates kostet täglich 2 Sgr. (20 Lth. Brennöl).

11) „Zum Heizen dient eine Oellampe. Nach Hrn. Vallée ist eine Anzahl kleinerer Apparate besser, als ein großer.“ (Wochenblatt zu den preußischen Annalen der Landwirthschaft, 1863, Nr. 29.)

Im Jahrgang 1862 des polytechn. Journals, Bd. CLXV S. 432, wurde der in mehreren deutschen Staaten patentirte Brütapparat des Hrn. C. A. Alte zu Bernau beschrieben und abgebildet. Erfahrungsresultate liegen uns bezüglich desselben noch nicht vor. Die Redact.

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