Titel: Ueber die blaue Tinte aus Berlinerblau; von August Vogel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 5 (S. 232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi03_5

Ueber die blaue Tinte aus Berlinerblau; von August Vogel.

Bekanntlich löst sich das Berlinerblau in Kleesäure zu einer klaren dunkelblauen Flüssigkeit. Diese interessante Erfindung von Stephen und Rasch (patentirt in England im J. 1837) darf als eine wichtige Bereicherung der Farbenchemie betrachtet werden, indem es hierdurch in einfacher Weise möglich geworden, das Berlinerblau als Saftfarbe zu verwenden. Um das käufliche Berlinerblau in Kleesäure zu lösen, muß es in der Weise vorbereitet werden, daß man es mit concentrirter Salzsäure oder Schwefelsäure, welcher nach dem Vermischen mit Berlinerblau eine gleiche Gewichtsmenge Wasser zugesetzt wird, 48 Stunden stehen läßt und hierauf die Säure durch sorgfältiges Auswaschen möglichst vollständig entfernt. Statt dieses, wie man sieht, etwas umständlichen und langwierigen Verfahrens ist es vorzuziehen, frisch gefälltes Berlinerblau anzuwenden, welches dieser Vorbereitung durch concentrirte Säure nicht bedarf.

Im Folgenden theile ich eine Vorschrift mit, nach welcher ich stets eine ganz entsprechende und haltbare blaue Tinte aus Berlinerblau und Kleesäure erhalten habe.

10 Grm. oder 2/3 Loth Eisenvitriol werden in einem Kolben mit vielem Wasser gelöst und unter Zusatz von Salpetersäure gekocht, bis alles Eisenoxydul in Eisenoxyd übergeführt ist, was man daraus erkennt, daß eine Lösung von rothem Blutlaugensalz davon nicht mehr blau gefärbt wird. Diese Eisenoxydlösung setzt man einer verdünnten Auflösung von 10 Grm. gelben Blutlaugensalzes hinzu und läßt den Niederschlag absetzen. Nachdem die überstehende klare Flüssigkeit abgegossen, bringt man den Niederschlag aufs Filtrum, wäscht mit kaltem Wasser nach und läßt vollkommen abtropfen. Den noch feuchten, nur so weit getrockneten Niederschlag, daß man ihn leicht mit dem Messer vom Filtrum abnehmen kann, vermengt man in einem Porzellanmörser mit 2 Grm. oder 1/4 Loth Kleesäurekrystallen, läßt ihn eine Stunde stehen und setzt nach und nach 400 Kubikcentimeter oder 2/5 Maaß Wasser hinzu. Hierdurch erhält man eine tiefblaue Lösung, in welcher auch nach längerem Stehen kein Absatz zu bemerken ist. Es mag noch erwähnt werden, daß diese blaue Tinte durchaus keine Vermengung mit gewöhnlicher schwarzer Gallustinte verträgt, ja daß sogar eine Feder, welche nur Reste von Gallustinte enthält, zum Schreiben mit Berlinerblautinte nicht verwendet werden kann. (Bayerische Gewerbezeitung, 1863, Nr. 7.)

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