Titel: Leichte Darstellung einer reinen Salzsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 6 (S. 232–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi03_6
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Leichte Darstellung einer reinen Salzsäure.

Die Darstellung einer reinen officinellen Salzsäure ist gewiß eine sehr leichte Operation, und dennoch wird sie selten in pharmaceutischen Laboratorien ausgeführt.

Der Grund davon mag wahrscheinlich die Zusammenstellung des nöthigen Apparates seyn, an dem der Verschluß des Kolbens, in welchem die Gasentwickelung vorgenommen wird, der umständlichste Theil ist. Wir machten uns daher die Aufgabe, den Apparat so viel als möglich zu vereinfachen, und waren auch so glücklich, unseren Zweck zu erreichen. Der ganze Apparat besteht in einer Tubulatretorte und einem Kolben, die beide ohne Lutirung mit einander verbunden sind und zwar in der Art, daß die Mündung des Retortenhalses bis in den Bauch des als Vorlage dienenden Kolbens hineinragt und sich in der Nähe der Oberfläche des Absorptionswassers befindet. Die Retorte wird mit 3 Theilen reinem Kochsalz beschickt, so daß sie damit ungefähr zu 1/4 bis 1/3 ihres Rauminhalts gefüllt ist, in ein Sandbad gesetzt, die Vorlage mit vier Theilen destillirtem Wasser beschickt angelegt und nun durch den Tubulus der Retorte mit Hülfe eines gläsernen Trichters eine erkaltete Mischung aus 5 Theilen arsenikfreier englischer Schwefelsäure (1,830 spec. Gewicht) und ein Theil Wasser eingegossen. Die Entwickelung des Chlorwasserstoffgases beginnt sofort. Man nimmt den Trichter heraus, verschließt den Tubulus mit dem Glasstopfen und befördert die Gasentwickelung durch gelinde Heizung des Sandbades. Das Chlorwasserstoffgas wird bei seinem Austreten aus dem Retortenhalse sofort von dem vorgelegten Wasser absorbirt, und so lange das Wasser nicht warm wird, ist an der Mündung des Kolbens auch nicht die geringste Spur Chlorwasserstoff wahrzunehmen. Tritt die Erwärmung des Absorptionswassers ein, so kühlt man den Kolben durch Auffließenlassen von Wasser oder durch Hineinlegen in kaltes Wasser ab. Die Gasentwickelung geht unter dem Siedepunkte des Wassers ruhig von statten und erst im letzten Drittel der Operation ist eine Steigerung der Temperatur bis auf 110° C. nöthig. Sobald das Sandbad eine Temperatur von 120° C. angibt, kann man das Feuer ausgehen lassen und die Operation beendigen.

Man könnte die Verdünnung der Schwefelsäure noch abkürzen und nur 1/2mal soviel Wasser nehmen, weil dieses Verhältniß auch ausreicht, das blasige Aufsteigen der Mischung beim Aufgießen der Schwefelsäure auf das Kochsalz zu verhindern, dennoch ist es besser das oben angegebene Verdünnungsverhältniß beizubehalten. Enthält nämlich die Schwefelsäure Selen und selenige Säure, so entsteht bei zu geringer Verdünnung der Säure Selenchlorür. Dieses destillirt als eine braungelbe Flüssigkeit über, sammelt sich auf dem Wasser in der Vorlage und zersetzt sich nach wenigen Minuten mit dem Wasser in Berührung in Chlorwasserstoff, selenige Säure und Selen. Das ausgeschiedene Selen gibt, so lange es sich in Suspension befindet, der Salzsäure eine rothe Färbung. Ist die Schwefelsäure gehörig verdünnt, so ist auch die Bildung des Selenchlorürs gehindert. (Hager's Centralhalle.)

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