Titel: Explosives Glycerin (Pyroglycerin).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 9 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi03_9

Explosives Glycerin (Pyroglycerin).

Man erhält dasselbe nach A. Sobrero, wenn man 2 Vol. Schwefelsäure von 66° B. und 1 Vol. Salpetersäure von 40° B. mischt und nach dem Erkalten ungefähr den sechsten Theil vom Volumen der ganzen Flüssigkeit Glycerin hinzufügt. Dieses löst sich sofort; bald aber trübt sich die Flüssigkeit und ein gelbliches klares Oel sammelt sich an der Oberfläche. Man wäscht mit dem 15–20fachen Vol. kalten Wassers und fährt damit so lange fort, bis das abfließende Wasser frei von Säure ist. Schließlich trocknet man unter der Luftpumpe.

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Das Pyroglycerin hat ein spec. Gewicht von 1,60, ist geruchlos, schwach gelb gefärbt; diese Farbe rührt wahrscheinlich von öligen, im Glycerin ursprünglich enthaltenen fremden Beimengungen her. Es hat einen süßlichen angenehmen Geschmack, ist aber giftig, wie man durch Versuche an Thieren festgestellt hat. Bringt man einen Tropfen auf die Zunge, so trägt man, selbst wenn man ihn sofort wieder ausspeit, Kopfschmerzen von mehrstündiger Dauer davon. Auf Papier macht es einen Oelfleck; es ist noch bei 20° C. flüssig, unlöslich in Wasser, sehr löslich in Alkohol und Aether; aus der alkoholischen Lösung wird es durch Wasser niedergeschlagen; es ist nicht flüchtig und verträgt eine Temperatur von 100° C. Wenn man einen Tropfen dieser Flüssigkeit langsam auf Platinblech erhitzt, so zersetzt er sich unter Entwickelung salpetriger Dämpfe. Bei höherer Temperatur tritt die Zersetzung plötzlich, unter Verpuffung und Entzündung ein. Es bleibt dann wenig Kohle zurück. Wenn man eine kleine Menge von Pyroglycerin sehr schnell bis zu dem Punkte erhitzt, so erfolgt eine heftige Detonation. Ein Tropfen von einigen Decimalgrammen vermag einen Knall wie einen Pistolenschuß zu geben. Wenn das Gefäß, in dem die Detonation stattfindet, nicht sehr fest ist, wird es zertrümmert. Das Experiment läßt sich ohne Gefahr ausführen, wenn man einen Tropfen der Substanz auf ein Uhrglas bringt und ihn dann mit einem rothglühenden Drahte erhitzt. Trockenes Pyroglycerin detonirt auch durch einen Schlag. Ein Tropfen auf einem Amboß zersetzt sich mit großer Heftigkeit und verwandelt sich gänzlich in gasförmige Producte, sobald man mit einem Hammer darauf schlägt. (Journal de Chimie médicale, Juni 1862, S. 367; chemisches Centralblatt, 1863, Nr. 28.)

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