Titel: Ueber das City-Mühlenetablissement in London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 1 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi04_1

Ueber das City-Mühlenetablissement in London.

Die City Flour Mills in London, eines der bedeutendsten, wenn nicht überhaupt das bedeutendste Mühlenetablissement in England, enthalten 32 Mahlgänge mit 4 und 4 1/2füßigen, theils französischen, theils belgischen Steinen. Sämmtliche Gänge mit den dazu gehörigen Reinigungsmaschinen, Elevatoren, Ventilatoren etc., werden durch zwei Maschinen von zusammen circa 350 Pferdekräften betrieben und sind nebst 7 Dampfkesseln in einem einzigen Gebäude aufgestellt. Jedem einzelnen Gange wird der zur Kühlung des Mahlgutes erforderliche Windstrom durch einen besonderen Canal oder Schlauch zugeführt, und der Wind dann von allen Gängen zusammen in eine große Kammer mit Wänden von Gaze geleitet, wo er durch die Oeffnungen der letzteren entweichen kann, während die Mehltheilchen, die er immer, wenn auch in kleinen Quantitäten, von den Steinen mitnimmt, in der Kammer, und zwar meist an den Wänden derselben, zurückbleiben. Es sammeln sich auf diese Weise innerhalb 24 Stunden circa 2 Säcke Mehl in jener.

Von Kornreinigungsmaschinen von verschiedener Construction scheinen namentlich die von Child, deren vier im Betriebe sind, zur besonderen Zufriedenheit der Besitzer zu arbeiten. Im übrigen aber ist es vorzugsweise eine „Enthülsungsmaschine,“ Unbranner genannt, die ich hier erwähnen zu müssen glaube, und durch deren erst seit kurzer Zeit in der genannten Mühle erfolgte Anwendung man die Leistungsfähigkeit der Gänge, auf denen der damit vorgearbeitete Weizen vermahlen wird, beträchtlich vergrößert und die Qualität des Mehles vortheilhaft verändert findet. Der Zweck der Maschine ist, die feine Schale von den Körnern zu entfernen, und sie so zum Mahlproceß geeigneter zu machen. Die Construction dieser Enthülsungsmaschine ist im Wesentlichen folgende: Ein gußeisernes Gestell trägt zwei horizontale, über einander liegende Cylindermäntel, in deren oberem, der innen gerippt ist, sich eine nach Art der Dreschmaschinentrommeln mit Schlagstäben versehene Trommel mit einer Geschwindigkeit von circa 400–500 Umdrehungen per Minute bewegt und die in den Cylinder geschütteten Körner enthülst, indem sie dieselben gegen die gerippte Cylinderfläche schlägt. Gleichzeitig aber wirken die Schläger, in Folge ihrer schrägen oder schraubengangförmigen Stellung, als Schnecke, bringen nach und nach die Körner an das andere Ende des Cylinders und lassen sie dort durch einen Canal in die untere Trommel fallen. Letztere enthält eine Schnecke, die die Körner langsam nach der Ausflußmündung führt und ist mit dem Gebläse in Verbindung gesetzt, so daß erstere von den abgeschlagenen Hülsen gesondert werden. Die Maschine ist nur für Weizen im Gebrauch, und dieser wird im angefeuchteten Zustande von ihr verarbeitet. Man läßt ihn dann in der Regel, ehe er vermahlen wird, durch eine Trockenmaschine gehen, die in rotirenden Siebcylindern besteht, welche in einer mit Dampf geheizten Kammer liegen. Eine Maschine von der Größe derjenigen in dem Mühlenetablissement, d.h. mit Cylindern von etwa 2 bis 2 1/2 Fuß Durchmesser und circa 6 Fuß |315| Länge, ist im Stande, 80 Bushels (etwa 60 Schäffel) Weizen in der Stunde zu enthülsen. Man hat gegenwärtig davon nur eine im Gebrauch, ist aber im Begriff, eine zweite aufzustellen. (Wochenblatt zu den preußischen Annalen der Landwirthschaft, 1863, Nr. 31.)

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