Titel: Das Drucken und Färben mit Indigo
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 12 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi04_12
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Das Drucken und Färben mit Indigo

bestand früher darin, den fein pulverisirten Indigo mit Operment oder Zinnchlorür und caustischem Alkali zu mischen, die so erhaltene Lösung von reducirtem Indigo zur Vermeidung der Oxydation in einer Atmosphäre von Leuchtgas aufzudrucken und dann der Oxydation auszusetzen. Die von Fritsche angegebene Reductionsmethode ist jetzt von Hrn. J. Leese praktisch zum Drucken verwendbar gemacht worden. Der feingepulverte Indigo wird mit Traubenzucker, Kalk, caustischer Soda und Gummiwasser in der Kälte innig gemischt, wo die Substanzen wenig aufeinander reagiren. Nach dem Drucken führt man das Stück durch einen mit Dampf gefüllten Kasten, wo dann binnen 30 bis 60 Secunden die vollständige Reduction des Indigos erfolgt, der sich nun beim Hängen an der Luft oder beim Eintauchen in eine oxydirende Flüssigkeit, z.B. eine Auflösung von Kupfervitriol, wieder oxydirt und auf der Faser befestigt.

Will man bei gewöhnlichem Küpenblau aus einer Eisenvitriolküpe weiße Muster darstellen, so wird eine sogenannte Reservage vorher aufgedruckt, die aus einer verdickten Auflösung von Kupfervitriol besteht. Indem dieses Salz das mit der Faser in Berührung tretende Indigweiß sofort oxydirt und in Indigblau zurückführt, wird die feste Verbindung mit der Faser an dieser Stelle vollständig gehindert. Nachträglich werden dann die Zeuge durch verdünnte Schwefelsäure genommen, um das Indigblau durch Entfernung des abgesetzten Eisenoxyds zu schönen; es löst sich dann auch das gebildete Kupferoxydul wieder auf. In der Fabrik des Hrn. Leese wird das Kupfer daraus wieder durch Eisenabfälle niedergeschlagen, um daraus von neuem Kupfervitriol darzustellen. Um eine Idee von der Ausdehnung derartiger Fabricationen in England zu geben, führt der Verfasser nur an, daß die dadurch bewirkte Ersparniß bei einer einzigen Firma jährlich 3000 Pfd. Sterl. beträgt.

In den erschöpften Eisenvitriolküpen bleibt eine grüne flockige Substanz zurück, die Prof. Calvert als eine Verbindung von Eisenoxyd und Indigblau erkannte. Um den Indigo daraus zu gewinnen, sammelte man den Absatz, zog daraus den Kalk durch verdünnte, das Eisenoxyd durch concentrirte Salzsäure aus, und erhielt so eine beträchtliche Menge reinen Indigblaues wieder, das unmittelbar zum Färben benutzt werden konnte. (Breslauer Gewerbeblatt, 1863, Nr. 7.)

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