Titel: Entfernung alter Oelfarbe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 8 (S. 317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi04_8

Entfernung alter Oelfarbe.

Die Frage: Wie löst man Oelfarbe, vor vielen Jahren auf Holz aufgetragen, der Art ab, um die Gegenstände wieder neu anstreichen zu können ? beantwortet Hr. F. Fink im Gewerbeblatte für das Großherzogthum Hessen (1863 Nr. 23.) wie folgt:

1) Man brennt die Farbe weg. In Frankreich geschieht dieß mittelst angezündeter Strohbüschel. Oder man streicht die alte Oelfarbe mit Terpenthinöl an und entzündet dieses.

Ein anderes, von Hof-Weißbindermeister Rühl in Darmstadt erprobtes Verfahren besteht darin, daß man den Gegenstand (z.B. eine ausgehobene Thür) über einer breiten Kohlenpfanne, wie solche die Schreiner brauchen, herführt und somit erhitzt. Hierdurch wird der alte Oelfarbenüberzug ganz blasig, löst sich vielfach vom Holze ab und kann nun leicht und schnell so vollständig abgeschabt werden, daß keine Spur zurückbleibt.

Diese Methoden sind nicht überall anwendbar; auch leiden bei dem Abbrennen die scharfen Kanten von Profilirungen u.s.w. leicht Schaden. Man bedient sich deßhalb besser folgender Mittel:

2) Man streicht die zu reinigenden Möbel oder sonstigen Gegenstände mit erwärmtem Terpenthinöl an, wodurch die alte Farbe leicht und vollständig aufgelöst wird, und weggeputzt werden kann. Dieses Verfahren wurde früher von Deninger empfohlen, ist aber theurer als die folgenden Methoden.

3) Man reibt die Gegenstände mit einer Auflösung von Soda ab. Nach Mittheilung von Rühl muß die Auflösung sehr concentrirt seyn; man nimmt ungefähr gleiche Theile Soda und Wasser, und die Wirkung wird beschleunigt, wenn man etwas Aetzkalk zusetzt. Mit dieser Auflösung reibt man so lange ab, bis alle Oelfarbe entfernt ist.

4) Soll die alte Oelfarbe entfernt und kein neuer Anstrich gegeben, vielmehr die ursprüngliche Holzfarbe, z.B. die von Eichenholz wieder hergestellt werden, so ist das Abreiben mit Sodaauflösung nicht zu empfehlen, weil dadurch die Holzfarbe verändert wird. Für diesen Fall empfahl Schlemmer von Mainz zuerst die Schmierseife. Die zu reinigenden Gegenstände werden zu dem Ende mit Schmierseife überstrichen; dieselbe löst die Farbe nach 15 bis 20 Stunden so auf, daß sie mit kaltem Wasser abgewaschen werden kann.

5) Nach einer anderen Vorschrift wird Potasche in Milch aufgelöst (1 Messerspitze voll in 5–6 Löffeln) und hiermit der Gegenstand überstrichen. Nach einigen Stunden ist der Oelfarbenanstrich zersetzt und kann, solange er noch feucht ist, leicht abgewischt werden.

6) Frische Oelfarbe, die z.B. aus Unvorsichtigkeit beim Anstreichen auf angrenzende, nicht anzustreichende Holzflächen gebracht oder verspritzt worden ist, entfernt man mit dem sogenannten Fleckenwasser (Benzol).

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