Titel: Das neue privilegirte A. Devaux'sche System von Getreidespeichern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 3 (S. 470–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi06_3

Das neue privilegirte A. Devaux'sche System von Getreidespeichern.

Durch dieses System soll nach Angabe der Erfinder behufs längerer Aufbewahrung mittelst natürlicher, theils auch künstlicher Ventilation eine vollkommene Erhaltung gesichert und bedeutend an Raum und deßhalb auch an Kosten dafür gespart werden, während die sonst gewöhnlichen Verluste der Aufbewahrung ganz wegfallen. Diese Aufspeicherung |471| ist bereits seit Jahren in London und Liverpool ausgeführt und soll von den schönsten Resultaten gekrönt seyn. Nunmehr hat auch die Südbahngesellschaft in Trieft für ein Quantum von einer halben Million Metzen einen solchen Speicher im vorigen Jahre erbaut, welcher demnächst in Gebrauch genommen wird.

Das Wesentlichste dieses Systems ist:

1) Die neue Art der Ventilation des Getreides, indem – entgegengesetzt der bisherigen Behandlung durch Umschaufeln – das Getreide mittelst durchziehender Luftströmung conservirt wird. Zu diesem Zwecke werden Ständer aus durchlöchertem Eisenblech, deren Querschnitt ein Viereck oder ein Kreis seyn kann, bis zu einer Höhe von 40 Schuh gefertigt. Der Rahmen oder das Gerippe, in einer beliebigen Höhe aufgestellt, besteht aus Flach- und Winkeleisen, welche auch durch Holz ersetzt werden können. Es werden je vier Behälter zusammen verbunden, und solche reihenweise nahe zu einander aufgestellt, was auch in schon vorhandenen Gebäuden geschehen kann. In der Mitte eines jeden solchen Behälters (Röhre) wird ein Luftschacht (Kamin) von gleicher Höhe und 2 Schuh Durchmesser, ebenfalls aus durchlöchertem Eisenblech, aufgestellt, welcher durch ein unten angebrachtes und nach Belieben abschließbares Rohr mit einem Hauptluftcanal correspondirt, durch welchen mittelst eines Ventilators Luft durch das Getreide getrieben werden kann. Bei der Ausführung im kleinen Maaßstabe kann der Ventilator auch erspart werden.

Die Schicht des Getreides ist bei einem 7 Schuh im Quadrat erbauten Ständer und einem Kamin von 2 Schuh Durchmesser bloß 2 Schuh 6 Zoll breit, daher so gering, daß die Luft von zwei Seiten leicht durchdringt.

Eine künstliche Ventilation ist erforderlich, wenn das Getreide nicht ganz trocken ist, oder ein erhitztes auf eine niedere Temperatur herab kommen soll. Zu dem Ende wird der Kamin mittelst eines Deckels geschlossen und der Ventilator in Bewegung gesetzt. Die Luft, welche durch die kleinen Oeffnungen der ganzen Länge nach aus dem Kamin durch das Getreide getrieben wird, entweicht endlich durch die äußeren durchlöcherten Bleche.

2) Besteht bei der Benutzung dieser neuen Art „Silos“ im größeren Maaßstabe eine weitere Vorrichtung zu einer Manipulation des Ein- und Auslagerns, welche mittelst Maschinen der einfachsten Art, anstatt wie bisher durch Menschenhände angewendet wird. Sie besteht aus einem System des sogenannten Paternosterwerkes, dann aus horizontalen, archimedischen Schrauben, und aus horizontalen, auf Rollen laufenden, endlosen Bändern, welche durch irgend eine bewegende Kraft arbeiten. Das Paternosterwerk hebt das Getreide zur Höhe der Behälter, und die archimedische Schraube bringt es in den bestimmten Behälter. Beim Entleeren der Behälter wird unten eine Klappe geöffnet und das heraus rinnende Getreide fällt auf endlose Bänder oder wird mit archimedischen Schrauben weiter geführt und mittelst Paternosterwerken in die Schiffe gebracht.

3) Die Kosten solcher Getreidespeicher werden von den Privilegiumsträgern im Verhältnisse zu den bestehenden auf folgende Weise angenommen. Bei einer Construction der gewöhnlichen Getreidespeicher, welche bekanntlich in einem gemauerten, mit Etagen und Vordächern versehenen Gebäude besteht, betragen die Kosten angeblich durchschnittlich circa 100 fl. per Quadratklafter Grundfläche. Da in der Praxis, einschließlich der nöthigen Gänge und Räume zum Umschaufeln, nicht mehr als 36 bis 40 österreichische Metzen auf eine Quadratklafter gelegt werden können, so würde für die Einlagerung von einer halben Million Metzen eine Grundfläche von 12,500 Quadratklaftern und ein Constructionscapital von 1,250,000 fl. erforderlich seyn.

Nach dem Devaux'schen System soll man aber auf einer Fläche von 7 Fuß 3 Zoll im Quadrat und einer Höhe von 40 Fuß nach Abzug des Kaminraumes 1000 Metzen einlagern können, den Metzen zu 1,9 Kubikschuh Raum berechnet. Man benöthigt daher für obige Quantität nur einen Flächenraum von 1300 Quadratklaftern, einschließlich der Zwischenräume für Gänge, mit einem Constructionscapital von höchstens einer halben Million Gulden. Für die Benutzung des in Rede stehenden privilegirten Systemes wird von den Privilegiumsträgern eine Prämie von ungefähr 10 kr. per Metzen ein für allemal beansprucht.

Bezüglich der Kostenersparnisse beim Ein- und Austragen wird noch Folgendes angeführt: Nach gepflogenen Erhebungen in Pest, Raab, Neu-Szöny u.s.w. sollen sich die Spesen des Magazins, des Ein- und Ausladens, Umschaufelns, Reiterns u.s.w. über |472| 20 kr. per Metzen und per Monat belaufen; während nach dieser neuen Methode alle Kosten kaum 4 kr. betragen sollen.

4) Soll erhitztes, mit dem Kornwurm, Wippeln und anderen Insecten behaftetes Getreide durch die künstliche Ventilation in seinen früheren, gesunden Zustand versetzt werden können.

5) Die verschiedenen Getreidesorten können stets in größeren oder kleineren Quantitäten eingelagert, getrennt, und unter besonderem Verschluß gehalten werden und ist auch die genaueste Controle dadurch leicht möglich.

6) Das Getreide ist gegen Verlust durch Vögel-, Ratten- und Mäuseentwendung u.s.w. geschützt.

7) Würde eine größere Sicherheit gegen Feuersgefahr bestehen, da diese Speicher großentheils aus Eisen construirt sind, daher auch nur eine sehr geringe Assecuranz nothwendig wird.

8) Können diese eisernen Ständer (Cylinder) leicht zerlegt und an einem beliebigen Orte wieder aufgestellt, auch schon bestehende Getreidemagazine hierzu verwendet werden. (Durch gemeinn. Wochenschrift.)

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