Titel: Die Extraction des göldischen Silbers aus Erzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1863, Band 169/Miszelle 7 (S. 473–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj169/mi169mi06_7

Die Extraction des göldischen Silbers aus Erzen.

Wir besitzen vortreffliche Methoden, silberfreies Gold oder goldfreies Silber aus den Erzen zu extrahiren. Plattner lehrte uns das Gold aus den armen Arsenikabbränden mit Chlorwasser auszuziehen. Das Silber läßt sich aus den Erzen und Hüttenproducten, je nach der Natur derselben oder ihrer chemischen Vorbereitung, durch Ammoniak, Kochsalz, unterschwefligsaure Salze, ja selbst durch heißes Wasser, ganz gut auslaugen, wie wir aus den Arbeiten Rivero's, Gmelin's, Augustin's, John Percy's, Ziervogel's u.a. wissen.

Kommt jedoch in dem Erz eine Legirung von Gold und Silber vor, so genügt keine der angeführten Methoden. Das Ausbringen an Gold und Silber ist immer ein ungenügendes. Die unterschwefligsauren Salze, welche bei der Silberextraction so vortreffliche Dienste leisten, und welche John Percy auch zur Extraction des göldischen Silbers vorschlug, entsprechen in dieser Hinsicht auch nicht vollkommen; es bleibt ein ansehnlicher Theil der edlen Metalle, namentlich des Goldes, im Rückstande. Es blieb bis jetzt nichts übrig, als abwechselnd beide Metalle für sich getrennt zu extrahiren. Man gewann z.B. zuerst das Silber nach der Augustin'schen oder der Ziervogel'schen Methode und dann erst das Gold nach der Plattner'schen, oder umgekehrt, aber immer blieb im Rückstande wieder göldisches Silber, so daß es nöthig war, die Operation zu wiederholen oder die Rückstände durch Schmelzen zu concentriren. Die Erklärung liegt darin, daß die beiden Metalle Gold und Silber durch keines der genannten Auflösungsmittel zugleich aufgelöst werden; es bildet sich an der Oberfläche der aufzulösenden, im Erze vorhandenen Legirung immer eine in dem Lösungsmittel unlösliche Schicht, welche die vollständige Auflösung verhindert. Behandelt man z.B. göldisches Silber mit Chlorwasser, so wird sich ein Theil Chlorgold auflösen, doch wird die gebildete Chlorsilberschicht der weiteren Einwirkung des Lösungsmittels eine Grenze setzen, und löst man das Chlorsilber wieder in Ammoniak, Kochsalz oder unterschwefligsauren Salzen, so bekommt man bald wieder eine Oberfläche von metallischem Gold, welche wieder den inneren Kern der Legirung vor weiterer Einwirkung schützt. Bei reichen Erzen kann man durch abwechselnde Wiederholung der einzelnen Auflösungen dem Ziele nahe kommen, doch bei armen Erzen werden die Kosten zu groß, und man muß den Rückhalt an edlem Metall verloren geben.

Der Verf. suchte lange ein gemeinschaftliches Lösungsmittel für Gold und Silber, und fand dasselbe endlich ganz naheliegend. Ein Blech von göldischem Silber wird von einer concentrirten Kochsalzlösung, welche mit Chlorgas gesättigt ist, vollkommen aufgelöst. Dasselbe geschieht auch bei göldisch-silberhaltenden Erzen. Es bedarf einer einfachen Röstung und Laugung mit diesem Lösungsmittel, um ein ganz ungewöhnliches Gold- und Silberausbringen zu erzielen. Ein Erz mit 1,24 Münzpfd. göldischem Silber im Centner gab einen Rückstand mit 0,019 Münzpfd. Von einem Stein mit einem Halte von 0,19 Münzpfd. Goldsilber im Centner blieb nach dem Extrahiren ein Rückstand mit 0,002 Münzpfd. In beiden Fallen hatte das Ausbringen noch erhöht werden können, weil die abfließende Lauge noch deutliche Reaction auf Gold und Silber gab. Durch dieses Lösungsmittel muß es gelingen, arme göldisch-silberhaltige Erze mit Gewinn |474| zu verarbeiten, ohne sie erst durch Verschmelzen zu concentriren, und ohne namhafte Metallverluste befürchten zu müssen. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1863, Nr. 21.)

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