Titel: Whitworth's Geschützverbesserungen.
Autor: Whitworth, Joseph
Hulse,
Fundstelle: 1864, Band 171, Nr. VII. (S. 33–35)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/ar171007

VII. Geschützverbesserungen von Whitworth und Hulse.

Aus dem Mechanics' Magazine, August 1863, S. 595.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.

Den Herren Joseph Whitworth und William Hulse, Ingenieuren zu Manchester, sind folgende Verbesserungen am Geschütze patentirt worden:

Die Erfinder wenden zur Herstellung von Geschützrohren eine verbesserte Methode an, welche sowohl auf die im Handel als homogeneous metal vorkommende weichste Gußstahlsorte11), als auch auf schweißbaren Gußstahl überhaupt, auf Stahleisen und andere dergleichen Materialien Anwendung finden kann.

Zunächst wird von den Patentträgern eine ihrer Länge nach durchhöhlte Stange ausgegossen und diese hernach zwischen Hammer und Ambos in der Weise zur richtigen Form ausgeschmiedet, daß während der ganzen Dauer dieser Bearbeitung in die innere Höhlung des Gußstückes ein spitz zulaufender Dorn eingeschoben ist, welcher möglichst kühl erhalten wird. Das Letztere bewirkt man entweder durch ein fleißiges Wechseln der sich während des Schmiedens erhitzt habenden Dorne mit anderen Einsatzdornen von möglichst geringer Temperatur, oder auch dadurch, daß man |34| einen hohlen Dorn einsetzt, welcher von innen abgekühlt wird.12) – Diese Schmiedearbeit kann erst dann als beendigt angesehen werden, wenn einmal die richtigen Maaße und Formen des Gußstückes erreicht worden sind, und ferner durch dieselbe auch die Oberfläche der inneren Aushöhlung des Werkstückes bis zu der erforderlichen Tiefe adoucirt worden ist.

Bei sehr schweren, für Schiffe und Festungen bestimmten Geschützen, deren Rohre nach dem sogenannten Aufbau- (built up) Systeme construirt werden, lassen die Erfinder jedesmal die innere Röhre aus einer hohlgegossenen Barre hervorgehen und verstärken dieselbe dann durch umgelegte Cylinder vom weichsten Gußstahl, welche (sowie die innere Röhre) in der oben angegebenen Weise bearbeitet und in der erforderlichen Anzahl durch hydraulische Pressung oder andere hierzu geeignete Mittel aufgetrieben werden.13) Zum Bodenverschluß dieser Geschütze wird eine Schwanzschraube angewendet, deren Schraubentheil (in Absätzen) zwei oder mehrere verschiedene Durchmesser hat. – Der Schraubentheil vom geringstem Durchmesser greift dann in die Muttergewinde der inneren Röhre ein, der nächst stärkere Schraubentheil faßt die Muttergewinde des ersten Verstärkungscylinders u.s.f.

Solche Rohre aber, welche keiner Verstärkung durch umgelegte Cylinder bedürfen, werden einfach über den Kern gegossen, dann in der oben angegebenen Weise durch Schmieden bearbeitet und hierauf ausgeglüht, wornach sie zum Bohren und Ziehen fertig sind.

Die Bildung der Schildzapfen geschieht entweder in der Weise, daß man aus weichem Gußstahl, hartem Roheisen etc. Röhren gießt, welche innen ausgebohrt und theilweise oder ganz mit Schraubengewinden versehen, dann auf die dazu vorgerichteten entsprechenden Theile des Geschützrohres aufgeschraubt werden, oder es werden die Schildzapfen auch wohl zugleich mit dem äußersten Verstärkungscylinder und als ein Theil |35| desselben angefertigt, wie dieses durch die beigegebene Zeichnung veranschaulicht wird.

Figur 31 stellt das Rohr, sowie die Art seiner Bildung und die Befestigung der Schwanzschraube durch Gewinde von drei verschiedenen Durchmessern dar. – Schrauben mit nur zwei verschiedenen Durchmessern ihrer Spindel werden ganz in derselben Weise angewendet.

a, a ist der innere Cylinder eines aufgebauten Rohres mit einem ersten und einem zweiten Verstärkungscylinder b, b und c, c. A, A ist die den Bodenverschluß des Rohres bildende Schraube mit drei verschiedenen Durchmessern ihres Schraubentheils; der schwächste Theil desselben, x, greift in das Muttergewinde des inneren Tubus a, der nächst größere Schraubentheil y, y in das Muttergewinde vom Cylinder b, b und der stärkste Theil der Schraube z, z in die dritte Serie der Umreifung c, c ein. Durch diese Anordnung kann das Rohr sich bei der Wirkung der Ladung frei und plötzlich ausdehnen, indem sowohl der inneren Röhre, als auch den Verstärkungscylindern die Eigenschaft gegeben worden ist, dem durch Explosion der Ladung entstehenden Drucke selbstständig entgegentreten zu können.

Dy.,
Artillerie-Hauptmann.

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Man s. über deren Darstellung polytechn. Journal Bd. CLXVIII S. 462.

|34|

Diese Behandlung der Rohre bei ihrer Anfertigung ist also nur eine Modification des im polytechn. Journal Bd. CLXIX S. 95 mitgetheilten amerikanischen Verfahrens, nach welchem während des Gusses ein Strom eiskalten Wassers in den die Seele des Rohres bildenden Theil der Gußform eingeführt und hiermit auch bis zum gänzlichen Erkalten des äußerlich mit schlechten Wärmeleitern umgebenen Rohres fortgefahren wird, um eine Abkühlung desselben von innen nach außen hin zu bewerkstelligen. – Diese amerikanische Methode hat sich bekanntlich, obgleich im Principe durchaus richtig, bei den von Lieutenant Rodman geleiteten praktischen Versuchen nicht bewährt.

Anm. d. Uebers.

|34|

Hier tritt weiter auch eine Modification der dem Capitän Blakely im Jahre 1855 patentirten Methode zu Tage, welche neuerdings auch von Armstrong adoptirt und ebenfalls in diesem Journal Bd. CLXIX S. 95 erwähnt worden ist. Die in Rede stehende neuerdings patentirte Erfindung combinirt also in modificirter Form zwei wohldurchdachte Systeme miteinander.

Anm. d. Uebers.

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