Titel: Delabar, über die Dampfmaschine und ihre Concurrenten auf der Londoner Industrie-Ausstellung im Jahre 1862.
Autor: Delabar, Gangolf
Fundstelle: 1864, Band 171, Nr. XIX. (S. 81–97)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/ar171019

XIX. Die Dampfmaschinen und ihre Concurrenten auf der internationalen Londoner Industrie-Ausstellung im Jahre 1862; von Conrector G. Delabar.

(Fortsetzung von S. 14 des vorhergehenden Heftes.)

Nachdem ich im Vorhergehenden die verschiedenen, als Concurrenten der Dampfmaschinen aufgetretenen neueren Motoren kurz zu beleuchten gesucht habe, komme ich nun dazu, die Dampfmaschinen selbst näher ins Auge zu fassen, deren Ueberlegenheit auf der letzten Industrie-Ausstellung in London so augenscheinlich an den Tag gelegt worden ist. Zwar muß man zugeben, daß sie, so groß auch ihre Zahl auf der Ausstellung war und so vollkommen sie auch im Allgemeinen ausgeführt waren, nicht gerade viel wesentlich Neues oder doch wenigstens keine epochemachenden Verbesserungen aufgewiesen haben. Um so größer zeigte sich dagegen der Fortschritt hinsichtlich ihrer Anordnung, Construction und Ausführung, in welcher Beziehung die meisten der ausgestellten Dampfmaschinen in der That große Vollkommenheit beurkundeten und mitunter auch sehr gute neue Gedanken und Verbesserungen zeigten. Doch sehen wir nun, was die Ausstellung dieser Maschinenabtheilung in dieser Beziehung besonders Interessantes und Bemerkenswertes enthielt, und zwar 1) unter den stationären Dampfmaschinen, 2) unter den Schiffsdampfmaschinen, 3) unter den Dampfwagen (Locomotiven) und unter den übrigen transportablen Dampfmaschinen (Locomobilen).

1. Die stationären Dampfmaschinen.

Unter den stationären Dampfmaschinen, welche wir nun zuerst einer kurzen Betrachtung unterziehen wollen, verdient vor Allem hervorgehoben zu werden eine amerikanische Dampfmaschine, welche C. P. Porter aus New-York ausgestellt hatte. Es war dieß eine Hochdruck-Expansionsmaschine mit horizontaler Anordnung von 28 Pferdestärken bei nur 8 Zoll Cylinderdurchmesser und 24 Zoll Hub, die sich |82| nicht nur dadurch auszeichnete, daß sie sich mit großer Geschwindigkeit (150 Umdrehungen per Minute) bewegt und in Folge dessen verhältnißmäßig geringe Dimensionen besitzt und zur Aufstellung entsprechend auch nur einen kleinen Raum einnimmt, sondern auch dadurch, daß sie drei neue werthvolle Erfindungen in sich vereinigte.

Die erste betrifft den neuen von Porter selbst erfundenen Regulator, bei welchem die Centrifugalkraft durch die Schwerkraft eine bessere Ausgleichung findet und die Regulirung der Dampfeinströmungsklappe, resp. der Geschwindigkeit der Dampfmaschine auch besser von Statten geht als bei dem gewöhnlichen Kugelregulator von Watt u.a. Zu diesem Behufe sind die Schwungkugeln kleiner und leichter, und die Mittelachse ist zudem mit einem starken, birnförmigen Gegengewicht versehen.21) Dieser sehr zweckmäßige und empfehlenswerthe Regulator wurde von Porter auch für die Marinemaschinen angewandt, indem er hierbei das Mittelgewicht durch eine auf der Achse sitzende und durch Arme mit den Schwungkugeln in Verbindung stehende kräftige elastische Feder ersetzte.

Die andere Erfindung bezieht sich auf den von einem anderen Amerikaner, B. Richards von Hartford in Connecticut, erfundenen Indicator oder Dampfdruckanzeiger, bei dem ein Stift aus Neusilber den Dampfdruck im Arbeitscylinder während des Hubes vor- und rückwärts selbst bei der oben angegebenen großen Geschwindigkeit von 150 Umdrehungen per Minute auf ein präparirtes Papierblatt aufzeichnet, welches zu diesem Behufe auf eine mit einer elastischen Feder versehene Rolle geschoben und mit dieser durch eine Röhre in Verbindung mit dem Dampf des Cylinders gebracht wird.22) Dieser Indicator zeigt gegen die früheren Constructionen von Watt, Field, Mac Naught, Combes, Norin, Clair u.a. bedeutende Verbesserungen und ist dabei kaum zusammengesetzter als diese. Die Verbesserung besteht vorzugsweise in der Anwendung sehr leicht beweglicher Theile, in Verbindung mit einer verhältnißmäßig kurzen und deßhalb steifen elastischen Feder. Außerdem ist aber auch die Vergrößerung der Stiftbewegung durch einen Hebel dritter Art, sowie die Geradführung des Stiftes mittelst einer geeigneten Parallelvorrichtung als eine wesentliche Verbesserung zu betrachten.23)

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Da es bei dem jetzigen Stande des Dampfmaschinenwesens ein wirkliches Bedürfniß ist, die mechanische Arbeit genau zu kennen, welche eine gegebene Dampfmaschine zu leisten im Stande ist, so wird man gewiß ein Instrument wie Richards' Indicator, das geeignet ist, die auf den Kolben einer Dampfmaschine während der Bewegung ausgeübte mechanische Arbeit zu messen und zu registriren, mit Freude begrüßen. Wir zweifeln deßhalb auch gar nicht, daß dieser Indicator wohl bald, namentlich bei den schnell laufenden Dampfmaschinen, in allgemeine Aufnahme kommen wird.

Die dritte dieser Erfindungen ist das Werk eines einfachen Mechanikers, John Allen aus New-York, nach welchem auch die Maschine benannt ist, und besteht darin, daß der Vertheilungs- und Expansionsschieber auf eine neue und, wie mir scheint, sehr zweckmäßige Weise angeordnet sind und daß alle Steuerungsbewegungen von einem einzigen Excentric ausgehen und zwar in der Art, daß der Einlaßschieber vor- und rückwärts vom Regulator regulirt, der Auslaßschieber aber stets mit derselben Geschwindigkeit bewegt wird.24)

Alle diese drei Erfindungen haben sich ausgezeichnet bewährt, und sind darum auch von der Jury einzeln mit Preismedaillen beehrt worden.

Diese Maschine lieferte demnach das seltene Beispiel, daß sie drei Medaillen auf sich vereinigte.25) Sie hat diese aber auch wirklich verdient; denn sie war unstreitig eine der wichtigsten und interessantesten Maschinen der ganzen Ausstellung. Die Arbeit zeigte zwar nicht den englischen finish, dafür aber durchaus den Charakter der Zweckmäßigkeit und der praktischen Brauchbarkeit. Sie soll, bevor sie in der Ausstellung aufgestellt und in Bewegung gesetzt worden ist, aus Mangel an Zeit nie vorher montirt und probirt worden seyn. Und doch zeigte sie in ihrer Bewegung eine solche Regelmäßigkeit und Sicherheit, wie kaum eine andere Maschine der Ausstellung. Das Fundament oder die Bodenplatte der Maschine, etwas eigenthümlich gestaltet, aber dem Bedürfniß gut angepaßt, |84| wiegt bloß 13 Ctr. Im gleichen Verhältniß sind auch, wie bereits bemerkt, die übrigen Theile derselben schwächer und leichter gehalten, als dieß gewöhnlich bei anderen Maschinen von gleicher Leistung der Fall ist. Kurz, diese amerikanische Dampfmaschine war eine von denjenigen Maschinen, an welchen die europäischen Mechaniker und Constructeure noch Vieles lernen konnten.

Im Weitern verdienen namentlich auch die beiden deutschen Maschinen, welche von der vereinigten Hamburg-Magdeburger Dampfschifffahrts-Gesellschaft zu Buckau einerseits und von der Wilhelmshütte zu Sprottau bei Liegnitz in Schlesien andererseits ausgestellt worden waren, der besonderen Erwähnung. Beide waren ebenfalls Hochdruck-Expansionsmaschinen ohne Condensation und mit horizontaler Anordnung nach dem System des Amerikaners Corliß,26) wobei die Expansionssteuerung aus vier Drehschiebern (Kreisschiebern) besteht, deren Bewegung zum Einlassen und Ausströmen des Dampfes mittelst vier Zugstangen von einer Scheibe aus erfolgt, welche ihrerseits durch die Schubstange eines gewöhnlichen Excentrics ihre hin- und hergehende Drehbewegung um ihre horizontale Mittelpunktsachse erhält, und wobei zugleich jene Schieber mit dem Centrifugalpendel in Verbindung stehen und von ihm aus rasch und sicher regulirt werden. Dazu ist die letztere dieser beiden Maschinen mit einem Porter'schen Regulator und die andere mit einer Modification desselben – mit größeren Schwungkugeln und ohne besonderes Mittelgewicht – versehen. Jene war eine Maschine von 20 und diese eine von 30 Pferdestärken, und beide gehörten, was die Construction und Ausführung betrifft, jedenfalls zu den schönsten und werthvollsten Dampfmaschinen der Ausstellung. Beide wurden darum auch mit der Preismedaille ausgezeichnet.

Ihnen schloß sich würdig an eine verticale Balanciermaschine nach dem Woolf'schen System von 30 Pferdestärken, welche Egells in Berlin ausgestellt hatte. Ihr Aussehen war zwar etwas schwerfällig, aber nichtsdestoweniger zeichnete sie sich sowohl durch eine wohl durchdachte Anordnung als durch gute und solide Arbeit aus. Sie wurde deßhalb ebenfalls mit der Preismedaille beehrt.

Weniger glücklich waren einige andere deutsche Aussteller und darunter selbst die k. k. Maschinenfabrik von H. D. Schmid zu Simmering bei Wien, welche unter anderen Ausstellungsgegenständen eine horizontale Dampfmaschine ausgestellt hatte, die mit sammt jenen allerdings |85| nicht ausreichte, um von diesem großartigen Etablissement einen richtigen Begriff zu geben.

Dagegen concurrirte wieder mit gutem Erfolg auch in dieser Maschinenabtheilung wie in einigen anderen das rühmlichst bekannte Etablissement von R. Hartmann in Chemnitz mit seiner ausgestellten, für Expansion und Condensation eingerichteten horizontalen Hochdruckmaschine von 20 Pferdestärken.

Ganz besonders zeichneten sich auch Schäffer und Budenberg in Buckau und Magdeburg mit ihrer prachtvollen Ausstellung der verschiedensten Dampfmaschinen- und Dampfkessel-Ausrüstungsgegenstände aus. Seit einiger Zeit hat dieses rühmlichst bekannte und immer mehr aufblühende Etablissement, welches seine Fabricate nach allen Theilen der Welt versendet, auch eine Filiale in Manchester, was wohl am besten beweist, daß es in diesem speciellen Zweige der Dampfmaschinen-Technik selbst die englische Concurrenz nicht zu fürchten hat. Dessen Manometer, Hubzähler etc. sind darum auch überall, wo es Dampfmaschinen gibt, sehr wohl bekannt.27)

Ebenso waren die schwedischen und norwegischen Maschinenfabriken in diesem Zweige der Maschinenausstellung sehr würdig vertreten. Vier davon wurden darum auch mit der Preismedaille ausgezeichnet. Es waren dieß eine Hochdruckmaschine mit Expansion von 6 Pferdestärken aus der Maschinenwerkstätte von Aker in Christiania, eine andere aus der Werkstätte der königl. Flotte zu Horten, sodann ein Modell einer Gebläsemaschine von J. Holmgren in Sala und vor Allem eine Marinemaschine von 60 Pferdestärken aus den Werkstätten von A. W. Frestadius in Bergsund bei Stockholm, auf die ich später nochmals zurückkommen werde. Eine neue Anordnung zeigte ferner eine kleine oscillirende Hochdruckdampfmaschine von 3 Pferdestärken in Segmentform, welche von Lindahl und Runer aus Gefle ausgestellt worden war. Dieselbe arbeitete gut und dürfte namentlich mit Rücksicht auf das kleine Raumerforderniß für Kleingewerbe zu empfehlen seyn.

Das größte Interesse unter den verschiedenen Maschinen der schwedischen Abtheilung bot aber die direct rotirende Dampfmaschine von C. Scheutz in Stockholm, welcher sich mit seinem Vater schon bei der internationalen Industrie-Ausstellung in Paris 1855 durch eine vortreffliche Rechenmaschine berühmt gemacht hatte.

Bekanntlich hatte schon Watt es versucht, dem Dampf durch eine |86| direct rotirende Maschine seine Kraft abzugewinnen. Und seitdem sind zur Realisirung dieses Zweckes unzählige Versuche wiederholt worden. Bis auf die neueste Zeit hat indessen dieses allerdings mit bedeutenden Schwierigkeiten verbundene Problem keine genügende Lösung gefunden. Von den verschiedenen, auf der letzten allgemeinen Industrie-Ausstellung in London erschienenen Maschinen dieser Art, wie unter allen bis jetzt bekannt gewordenen rotirenden Maschinen überhaupt, darf nun aber die erwähnte Maschine von Scheutz unbedingt als die vollkommenste bezeichnet werden. Und in der That verdient ihre Anordnung alle Beachtung. Sie zeigte im Vergleich mit den bisherigen Versuchen eine ganz neue, originelle Construction. Die bemerkenswertheste Eigenthümlichkeit besteht in der Anwendung eines etwas conisch geformten Cylinders und Stempels statt der sonst üblichen cylindrischen Form dieser Theile; sowie darin, daß der Dampf continuirlich auf zwei entgegengesetzte oder auch mehrere radial gestellte, durch elastische Federn von Innen nach Außen an den Cylindermantel dicht angedrückte Rippen oder Schaufeln des Kolbens wirkt, und dadurch diesem und der damit verbundenen Welle eine unmittelbar rotirende oder drehende Bewegung ertheilt. Durch diese, gegen früher wesentlich modificirte Einrichtung ist es Hrn. Scheutz gelungen, die Schwierigkeiten, an welchen alle bisherigen Versuche scheiterten, zu beseitigen, und damit die Maschine vor der schnellen Abnützung und dem davon herrührenden unsicheren Gang zu bewahren.28)

Den Nutzeffect, welchen diese direct rotirende Maschine gibt, kenne ich freilich nicht, vermuthe aber, daß er sich noch nicht besonders günstig stellen wird, wegen dem Reibungswiderstand, der bei solchen Maschinen begreiflich immer mehr oder weniger groß ausfällt. Ob dieser oder irgend ein anderer ungünstiger Grund Schuld war, daß diese nach meinem Dafürhalten jedenfalls einen bedeutenden Fortschritt kundgebende Maschine von der Jury nur die Ehrenerwähnung und nicht die Preismedaille erhielt, konnte ich nicht erfahren. Dagegen habe ich von Hrn. Scheutz selbst gehört, daß dieselbe bereits in mehreren Exemplaren von verschiedener Größe bis zu 7 Pferdestärken, namentlich für kleinere Dampfboote, gebaut worden sey. Ich wünsche von Herzen, daß die Schwierigkeiten, welche der allgemeinen Einführung dieser Maschine noch entgegenstehen, recht bald beseitigt werden möchten.

Im Ferneren zog eine Gebläsemaschine im belgischen Departement |87| die Aufmerksamkeit der Besucher nicht wenig auf sich. Es war eine horizontal und doppelt, d.h. mit zwei Cylindern angeordnete Maschine von 200 Pferdestärken, welche ein mächtiges, rotirendes Luftgebläse in Bewegung setzte. Der Erfinder und Patentinhaber, C. Fosse, wie der Constructeur und Erbauer, L. Perard in Lüttich sind verdientermaßen mit Preismedaillen bedacht worden.

Daneben waren auch die Zeichnungen, sammt Beschreibung einer neuen Anwendung des Woolf'schen Princips auf horizontale Dampfmaschinen zu sehen, welche De Landsheer in Brüssel ausgestellt hatte, und für welche er von der Jury mit einer Medaille beehrt worden ist.

Von zwei anderen belgischen Ausstellern, J. F. Cail, A. Hallot u. Comp. in Brüssel und J. D. Houget und C. Teston in Verviers, waren außerdem gute transportable Dampfmaschinen und Locomobilen vorhanden.

Unter den französischen Ausstellern dieser Abtheilung waren es namentlich J. F. Cail und Comp., und H. Lecouteux in Paris, Farcot und Söhne in Port St. Quen, J. A. Quillacq in Anzin, Bréval, und Laurens und Thomas in Paris, welche sich durch ihre eingeschickten Dampfmaschinen der verschiedenen Systeme auszeichneten.

Cail stellte unter Anderm eine sehr hübsche Verticalmaschine mit Hochdruck und kurzer Führung, und eine nicht minder schöne transportable Dampfmaschine mit horizontaler Anordnung als Locomobile aus, die sich, wie alle übrigen Ausstellungsgegenstände dieses Hauses, so namentlich eine Münzpresse und eine ganze Reihe zusammengehöriger Apparate für die Zuckerfabrication, nicht sowohl durch ihre Neuheit und Originalität, als vielmehr durch ihre große Vollkommenheit in der Ausführung und ihre praktische Anordnung in der Construction charakterisirten. Den angeführten Maschinen dieses Hauses dürfte darum wohl unter den französischen Ausstellern der erste Preis zuerkannt werden.

Denselben schloß sich würdig an die Condensationsmaschine von Farcot mit liegenden Cylindern und einem diesem Hause patentirten modificirten Franke'schen Regulator. Letzterer hat ebenfalls, wie der parabolische von Franke, den Zweck, die Geschwindigkeit der Maschine möglichst gleichförmig zu erhalten. Zur Verringerung der nachtheiligen Reibung, welche die gleitende Bewegung der Rollen, an welchen die Schwungkugeln hängen, über den festen Parabelbogen mit sich bringt, greifen die Constructeure dieses Hauses wieder zu einem ideellen Kreisbogen, der dem Parabelbogen möglichst nahe kommt und geben den Kugelarmen, um diese Bedingung zu erfüllen, eine eigenthümliche gekreuzte |88| Stellung, so daß jede Kugel, oder vielmehr ihr Mittelpunkt, bei der Bewegung die eine Hälfte jenes Kreisbogens beschreibt.29)

Lecouteux hatte ebenfalls eine horizontale Condensationsmaschine mit langem Hub ausgestellt, welche in der Ausstellung jedoch ohne Condensation arbeitete und, ohne sich gerade in dem einen oder anderen Punkte besonders auszuzeichnen, auf jeden Sachkenner einen sehr günstigen Eindruck machte. Sie war zugleich mit dem neuen Selbstöler von Leon Amenc in Clermont-Ferrand versehen, womit eine nicht unbeträchtliche Kraftersparniß erzielt werden soll. Wenn man erwägt, daß der Effectverlust durch Reibung bei mangelhafter, schlechter Schmierung 20 bis 30 und noch mehr Procente des Gesammteffectes der Maschine betragen kann, während er bei guter, sorgfältiger Oelung nur etwa 5–6 Procent des Gesammteffectes beträgt, so begreift man, von welcher Wichtigkeit für jede Maschine ein guter Schmierapparat ist und namentlich ein solcher, der das Schmieren selbstthätig verrichtet. Der Selbstöler von Amenc, welcher indessen, beiläufig bemerkt, nicht mehr ganz neu ist, da er schon bei der internationalen Industrie-Ausstellung in Paris 1855 zu sehen war und damals auch eine Ehrenerwähnung erhielt, die ihm nun auch wieder bei der Ausstellung in London zu Theil geworden ist, soll, den damit vorgenommenen Versuchen zufolge, unter Anwendung eines guten Oeles 15 bis 25 Procent der mechanischen Gesammtarbeit, welche sonst durch Reibung verloren giengen, ersparen. Seine Einrichtung besteht darin, daß das Oel mittelst einer kleinen Pumpe in die Höhe gehoben wird, welche in der auf dem Wellenlager aufgesetzten Schmierbüchse angebracht ist und mittelst einem Gestänge durch einen Daumen von der Treibwelle aus in Bewegung gesetzt wird; ein gewisser, der guten Schmierung angepaßter Theil des gehobenen Oeles gelangt durch eine eigenthümliche, sehr sinnreiche Vorrichtung von dem etwas geneigten Ausflußröhrchen tropfenweise in ein stehendes, bis zur Welle herabreichendes Röhrchen, während das überflüssige Oel wieder in die Büchse herabfällt. Da ohne Zeichnung das völlige Verständniß kaum möglich ist, so behalte ich mir vor, von diesem sehr zu empfehlenden automatischen Schmierapparat später eine specielle Beschreibung nebst Zeichnung folgen zu lassen.

Lecouteux stellte überdieß die Zeichnungen einer stehenden Verticalmaschine mit zwei Cylindern nach Woolf'schem Princip aus. Dieselbe |89| kann als ein Beispiel der von ihm, sowie von Lacroix und Sohn, Scott und Powell in Rouen und Casaliss in St. Quentin so vielfältig ausgeführten und von den Spinnern der nördlichen französischen Departements so sehr gesuchten und beliebten Woolf'schen Verticalmaschinen gelten, die sich nicht nur durch ihren bewunderungswürdigen ruhigen, leichten und gleichförmigen Gang, sondern ebensosehr auch durch ihren günstigen Nutzeffect bezüglich des Brennmaterialverbrauchs auszeichnen. Diese nach den vorliegenden Zeichnungen ausgeführten Maschinen sollen nach den damit vorgenommenen Versuchen nicht mehr als 1 1/2 Kilogr. Steinkohlen per Stunde und Pferdestärke consumiren – ein Resultat, welches das gewöhnliche der meisten Dampfmaschinen weit übertrifft. Die erwähnte Farcot'sche Maschine, welche unter den horizontalen Dampfmaschinen als ein gutes Beispiel der Maschinen mit verhältnißmäßig geringem Brennmaterialverbrauch angeführt werden kann, consumirt noch immer 1,5 bis 2 Kilogr. Steinkohlen per Stunde und Pferdestärke.

Als eine sonderbare Curiosität mag hier auch noch die kleine oscillirende Dampfmaschine vom Prinzen Polignac erwähnt werden, deren Cylinder, sammt Kolben, nach einem Kreisbogen geformt ist, in welchem zugleich der Hub vor sich geht und voll welchem die Dampfkraft mittelst geeigneter Treibstangen auf die im Mittelpunkt des Kreisbogens befindliche Treibachse übertragen wird.30)

Bevor ich die französische Abtheilung dieser Classe verlasse, möchte ich wenigstens noch ganz kurz auf die ausgezeichneten Leistungen voll C. Bourdon, L. J. F. Debordes, H. Flaud, A. Hadiard und P. F. Joly und J. Zambeaux hinweisen, von denen die beiden ersteren unter anderen Gegenständen ihre bekannten vortrefflichen Manometer, der andere die in neuester Zeit so berühmt gewordenen Giffard'schen Injectors oder Dampfstrahlpumpen, die folgenden ihren mit Erfolg angewendeten Kessel mit überhitztem Dampf und der letztere seinen neuen hinsichtlich der Verdampfungsfähigkeit ebenfalls relativ gut bewährten verticalen Röhrenkessel ausgestellt hatten und dafür auch mit einem Preise bedacht wurden. Was den zuletzt angeführten stehenden Kessel von Zambeaux 31) betrifft, so darf die erlangte Auszeichnung jedoch nicht mißverstanden und so aufgefaßt werden, als habe die Jury damit neben der Construction an und für sich auch das Constructionssystem |90| anerkennen und zur Nachahmung ermuthigen wollen, was doch wohl schwerlich der Fall gewesen seyn würde, indem solche Kessel bekanntlich den Uebelstand haben, daß sie stets feuchten Dampf liefern und daher immer nur in besonderen Fällen, wo es an Raum für einen liegenden Kessel gebricht, wie z.B. bei Dampffeuerspritzen, Dampfkrahnen etc., zu empfehlen seyn dürften.32)

Endlich bleibt mir nur noch übrig, die Dampfmaschinen, welche Großbritannien selbst zur Ausstellung von 1862 gebracht hatte, einer kurzen Betrachtung zu unterziehen.

Bei der außerordentlich zahlreichen Betheiligung dieses Landes – unter den 358 Ausstellern dieser Classe hatten über 50 allein stationäre Dampfmaschinen ausgestellt – ist eine vollständige und specielle Aufzählung und Besprechung der einzelnen ausgestellten Maschinen aber noch weniger möglich als bei den übrigen in diesem Zweige des Maschinenbaues verhältnißmäßig nur schwach vertreten gewesenen Nationen, und ich sehe mich daher um so mehr genöthigt, mich nur auf einige kurze Bemerkungen über die das meiste Interesse darbietenden Neuerungen und Verbesserungen der ausgestellten Maschinen einzulassen.

Unter den Verticalmaschinen mit Balancier, die in der neueren Zeit nur noch bei den schwereren Niederdruck- und Condensationsmaschinen angewendet werden, ist zunächst eine doppelt angeordnete Gebläsemaschine von 90 Pferdestärken hervorzuheben, welche die Lilleshall Company in Shiffnal (Shropshire) ausgestellt hatte. Dieselbe bildete eines der größten und imponirendsten Stücke unter den stationären Dampfmaschinen der Ausstellung und zeigte zugleich eine Vollendung der Arbeit, wie sie eben nur bei englischen Maschinen angetroffen wird. Die beiden Dampfcylinder hatten einen Durchmesser von 20 Zoll und einen Hub von 4 1/2 Fuß, die beiden Windcylinder dagegen einen Durchmesser von 44 Zoll und den gleichen Hub. Die Kolbenstangen mit ihren Parallel-Geradführungen sind darum auch auf jeder Seite und für jede Maschine in gleicher Entfernung von der Haupttraverse oder Querachse am Balancier angehängt. Zur leichteren und freieren Aufnahme der Treibstangen und überhaupt zur größeren Raumersparniß |91| sind die Enden der Waagbalken auf Seite der Dampfcylinder verlängert und in Form von einem Rhinoceroshorn aufwärts gebogen. Es ist dieß eine Eigenthümlichkeit, welche ihrem Zwecke entsprechen mag; aber zur Zierde gereicht sie der Maschine keineswegs. Nachahmungswürdiger ist dagegen die weitere Eigenthümlichkeit, wornach die ganze Maschine auf einem soliden und geschmackvollen eisernen Rahmengestell angebracht und fundamentirt war. Denn diese Art der Fundamentirung dürfte nicht nur solider und stabiler, sondern überdieß auch nicht so kostspielig seyn als ein aus Stein gefertigter Unterbau. Auch die Neuerung, welche an den Treibstangen angebracht war und darin besteht, daß sie zur besseren Versteifung aus hartem Holz mit starken schmiedeeisernen Beschlägen gefertigt sind, dürfte bei so großen Dimensionen zu empfehlen seyn.

Von besonderem Interesse war auch das von Harvey und Comp. in Hayle ausgestellte, höchst instructive Modell ihrer vortrefflichen einfachwirkenden Wasserschöpf- und Pumpmaschinen gleichen Systems, wie sie in den Londoner Wasserwerken vielfältig und mit sehr gutem Erfolge im Gebrauche sind.

Eine vorzügliche Balancier-Dampfmaschine, in Verbindung mit einem vollständigen Assortiment der zur Zuckerfabrication verwendeten Maschinen, hatten ferner Faucett, Preston und Comp. in Liverpool ausgestellt. Dieselbe arbeitete mit Hochdruck und ohne Condensation, und ist von jener bewährten Construction, wie sie von diesem berühmten Hause zum Betriebe der Zuckerrohrmühlen auf Cuba und anderen westindischen Inseln in mehreren Hunderten von verschiedener Größe vorkommt.

Die beiden Etablissements von Mirlees und Pait und M'Onie in Glasgow hatten ebenfalls verschiedene Zuckerrohrmühlen und stehende Dampfmaschinen zum Betriebe derselben ausgestellt, welche zwar sehr schön ausgeführt waren, aber sich nicht gerade durch neue Constructionen auszeichneten.

Als eine besondere Art der Balanciermaschinen mag hier auch noch die Dampfmaschine von Wilkins in Norwich erwähnt werden, welche sich dadurch auszeichnete, daß der Balancier – wie bei dem Evans'schen Balancier – keinen festen Stützpunkt besitzt, indem das eine, dem Kolben entgegengesetzte Ende an einem oscillirenden Gestell aufgehängt ist.

Verschiedene gute Verticalmaschinen ohne Balancier waren von Carrett, Marshall und Comp. in Leeds vorhanden. Darunter zeichnete sich besonders eine Maschine in Form eines symmetrischen Dampfhammers mit Expansionsschieber und Kreuzkopfführung aus, wenn auch nicht gerade durch ein leichtes, gefälliges Aussehen, so doch durch ihren stabilen Stand und große Dauerhaftigkeit, wie durch ihre einfache |92| und praktische Anordnung. Diese Firma ist namentlich auch für directwirkende Dampfpumpen berühmt, von welchen mehrere ausgestellt waren. So eine sogenannte donkey engine zur Speisung von stationären Kesseln, 700 Gallons per Stunde liefernd; eine andere zur Speisung von Locomotiv- und Marinekesseln, von wenigstens derselben Leistungsfähigkeit; und eine dritte beträchtlich größere, geeignet als stationäre Feuerspritze angewendet werden zu können, 10,000 Gallons per Stunde liefernd, und stark genug dieses Wasserquantum 125 Fuß hoch zu heben.

Eine kleine Verticalmaschine von nur 2 1/2 Pferdestärken, mit Hochdruck arbeitend, hatten Bellis und Jenkins aus Birmingham geschickt. Dieselbe zeigte ebenfalls in der Anordnung und in den Arbeitstheilen Eigenthümlichkeiten und war, wenn auch nicht besonders gefällig ins Auge fallend, gleichwohl nicht ohne Verdienst und dürfte ihrer Solidität und Dauerhaftigkeit wegen namentlich für harte und rauhe Arbeit und anhaltend strengen Gebrauch zu empfehlen seyn.

Erwähnt zu werden verdienen hier auch noch die sehr gut ausgeführten Dampfkrahnen von Thomas Worsdell in Birmingham, welche auf Rollwagen angebracht und vorzüglich für den Eisenbahndienst bestimmt waren. Deßgleichen eine Dampframme und eine Dampfwinde von Sissons und White in Hüll; sowie eine Dampfwinde und verschiedene Dampfpumpen von Taylor und Comp. in Birkenhead, wie wie sie gegenwärtig zum Verladen und Entladen der Schiffswaaren in so ausgedehntem Gebrauche sind. Solche Schiffswinden in vorzüglicher Qualität, versehen mit Robertson's Patent-Bremsvorrichtung, hatte namentlich auch die Patent frictional gearing Company in Glasgow ausgestellt. Die Cylinder dieser Maschinen haben ungefähr 5 bis 6 Zoll Durchmesser und 10 bis 12 Zoll Hub.

Bei weitem am zahlreichsten waren auch in der englischen Abtheilung die Horizontalmaschinen vertreten. Darunter zeichnete sich zunächst eine Dampfmaschine von Barren, Exall und Andrews in Reading aus. Es war dieß eine doppelcylindrige Hochdruckmaschine mit Expansion und Condensation von 30 Pferdestärken, guter Anordnung, einfacher Construction und sehr guter Arbeit, die sich namentlich auch durch billigen Preis und einen verhältnißmäßig kleinen Brennmaterial-Verbrauch (der nicht über 2 1/2 Pfd. gute Steinkohlen per Stunde und Indicatorpferdestärke33) betrage) empfehlen dürfte.

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Eine ähnliche, aber hinsichtlich der Placirung etwas weniger compact zusammengefaßte Horizontalmaschine mit zwei Woolf'schen Cylindern, einem Schieberventil und einem Condensator, sonst ein schönes und preiswürdiges Arbeitsstück, hatten auch die oben erwähnten Constructeure Carrett, Marshall und Comp. ausgestellt.

Von sehr guter Anordnung und Ausführung war ferner die 4pferdige horizontale Hochdruckmaschine von Bellhouse und Comp. in Manchester. Besondere Erwähnung verdient auch die hübsche 6pferdige horizontale Hochdruckmaschine von Powis und Comp. in London, eine Maschine, welche in allen Details auf das sorgfältigste ausgeführt und zum Betriebe der vom gleichen Hause ausgestellten Werkzeugmaschinen benutzt war. Ebenso eine 15pferdige Horizontalmaschine von Ransomes und Sims in Ipswich, welche außerdem eine 5pferdige Dampfwinde und drei ausgezeichnete Locomobilen, eine gewöhnliche eincylindrige 8pferdige, eine besonders schöne zweicylindrige 20pferdige und eine dritte mit Biddell's und Balk's Patentkessel versehene Locomobile unter ihren vielen übrigen landwirtschaftlichen Maschinen ausgestellt hatten. Sämmtliche Gegenstände zeigten jene Vollkommenheit, wie sie dieses berühmte Haus auch schon bei früheren ähnlichen Anlässen kundgegeben hatte.

Dasselbe Lob verdiente auch die Ausstellung von Tennant und Comp. in Edinburgh, worunter namentlich einige sehr sauber ausgearbeitete kleine Horizontalmaschinen, sowie einige ihrer besonders hübsch gebauten transportablen verticalen Hochdruckmaschinen mit verbundenem Kessel sich auszeichneten. Zwei gute horizontale Hochdruckmaschinen und außerdem zwei Locomobilen in verschiedener Größe hatten auch Clayton, Shuttleworth und Comp. in Lincoln, eine alt berühmte Firma34), namentlich für landwirtschaftliche Maschinen, ausgestellt. Diese wurden zugleich benutzt zum Betriebe der Pumpen, welche das Wasser für die Ausstellung, die Fontainen und den westlichen Annex lieferten.

Von besonderem Interesse war sodann die Condensationsmaschine von W. May u. Comp. aus Birmingham. Dieselbe war nach dem Woolf'schen Princip mit zwei Cylindern und horizontaler Anordnung gebaut, und mit einem sogenannten Oberflächen-Condensator 35) versehen. Letzterer besteht aus einer Reihe horizontaler Röhren, in welchen der Dampf, nachdem er gearbeitet hat, durch die Abkühlung derselben mit dem sie umgebenden kalten Wasser an deren Oberfläche condensirt |94| oder niedergeschlagen wird. Diese Art der Condensatoren sind bis jetzt weniger für stehende, dagegen mehr für Schiffsmaschinen angewendet worden, für welche sie auch von besonderer Wichtigkeit sind, indem dabei das Condensationswasser des Dampfes mit dem Kühlungswasser des salzigen Meeres gar nicht in Berührung kommt und daher auch immer wieder, ohne von diesem verunreinigt zu seyn, zur Speisung des Dampfkessels ohne Nachtheil verwendet werden kann, während, wenn das salzige Meerwasser als Injectionswasser gebraucht wird, das auf diese Weise erhaltene und zur weiteren Speisung des Kessels benutzte Condensationswasser die Kesselwand bald mit einer Salzablagerung überzieht, welche der Verdampfung des Wassers sehr hinderlich wird. Aus diesem Grunde wird daher diese zuerst von Samuel Hall und F. und E. Humphrys eingeführte Oberflächencondensation in neuerer Zeit immer mehr bei den Marinemaschinen in Anwendung gebracht. Um auf diesem Wege eine rasche und kräftige Condensation zu bewirken, erfordert es jedoch eine sehr große Abkühlungsfläche. Deßhalb wurde die Oberflächencondensation bis jetzt bei den Landmaschinen nur sehr selten angewendet. Welche besondere Gründe die Constructeure im vorliegenden Falle für die Wahl eines Oberflächencondensators bei der erwähnten stationären Maschine gehabt haben mögen, konnte ich nicht erfahren.

Diese Maschine zeichnete sich überdieß dadurch aus, daß sie mit überhitztem Dampf und ziemlich weit getriebener Expansion arbeitet, und auf diese Weise den Dampf zu sparen und besser auszunutzen sucht, abgesehen davon, daß sie auch hinsichtlich der gut angeordneten und wohlgewählten Formen der einzelnen Theile als ein Meisterwerk bezeichnet werden darf. Daß indessen die Luft- und Speisepumpe, entgegen der im Uebrigen durchgeführten horizontalen Anordnung vertical angeordnet sind, ist auffallend und jedenfalls nicht gerade durch das Moment der Nothwendigkeit motivirt; denn dieselben ließen sich ohne Schwierigkeit auch horizontal anordnen.

Eine äußerst hübsch angeordnete und wohldurchdachte Horizontalmaschine hatte ferner F. O. Ward in London ausgestellt. Dieselbe ist zum Betriebe von 4 Pumpen für hydraulische Pressen bestimmt und wurde unter des Erfinders Patent von Wren und Hopkinson in Manchester ausgeführt.

Von eigenthümlicher Einrichtung war eine Maschine von Whitmore und Sohn in Wickham Market. Dieselbe war zum directen Betrieb einer Kornmühle angeordnet, wobei der Cylinder mit der Kolben- und Kurbelstange, sowie das Schwungrad, welches in der Bodenplatte angebracht ist, über dieser horizontal placirt sind, während die Kurbelwelle, |95| von welcher die Triebkraft mittelst Rollen- und Riementrieb auf die Läufersteine übergetragen wird, in verticaler Lage sich befindet. Im Uebrigen war die Arbeit gut und die Construction einfach und bequem.

Von ebenfalls neuer Construction war eine Maschine von Bunnett und Comp. Die Dampfcylinder derselben sind ersetzt durch gekrümmte Kammern von rechteckigem Querschnitt und die Kolben durch oscillirende Scheiben von entsprechender Gestalt; die Dampfvertheilung ist durch Gleitschieber ähnlich wie bei den gewöhnlichen Horizontalmaschinen bewerkstelligt; und die Uebertragung der Bewegung auf die Treibstange und Treibwelle ist durch gekrümmte Arme vermittelt, welche auf jeder Seite durch die Stopfbüchsen der Dampfsteuerungskammern gehen.

Unter den Novitäten im Dampfmaschinenfach bemerkte man endlich auch eine Dampfmaschine mit drei festen Cylindern, welche so angeordnet sind, daß der eine in verticaler und die beiden anderen in geneigter Lage sich befinden, ihre Achsen gleiche Winkel von 120° mit einander bilden, und ihre Treib- und Kolbenstangen durch eine einzige Kurbel mit der Treibwelle in Verbindung stehen. Um Platz zu gewinnen, sind die Cylinderkolben nach Art der sogen. Rumpfmaschinen (trunk engines) mit weiten hohlen Kolbenstangen und kurzen Treibstangen, die durch ein Kugelgelenk mit einander verbunden sind, versehen, d.h. die Kolben- und Treibstange sind in einander übergehend und bilden somit nur ein Stück. Diese eigenthümliche Maschine wurde von Knowelden und Edwards in London ausgestellt, und ist, wenn auch in ihrem jetzigen Zustande noch nicht zur Reife der praktischen Vollkommenheit gelangt, doch jedenfalls der weiteren Entwickelung fähig. Es muß übrigens bemerkt werden, daß die Erfinder diese Maschine nicht für Land-, sondern für Schiffsmaschinen, und insbesondere zum Betriebe einer Schiffsschraube (screw propeller) vorgeschlagen haben, zu welchem Zwecke die Anordnung auch wirklich schon in Anwendung gekommen ist. Aber auch für diese Anwendung dürfte sie noch manche Uebelständen mit sich führen, z.B. daß die Schraubenachse, wenigstens für Kriegsschiffe, ziemlich hoch zu liegen kommt.

Ueberschauen wir nun nochmals die besprochene Dampfmaschinenabtheilung und fassen wir die durch dieselbe bei der letzten Ausstellung in London kundgegebenen Fortschrittsresultate ins Auge, so sind es vorzüglich folgende:

1) Die Thatsache, daß die ausgestellten Dampfmaschinen im Allgemeinen nicht nur viel vollkommener ausgeführt und rationeller construirt waren, als dieß bei der Ausstellung im Jahre 1851 der Fall war, sondern daß auch die Maschinenconstruction in dieser Richtung seitdem überhaupt |96| viel allgemeiner und bedeutender geworden ist. Während vor 11 Jahren die Betheiligung des Auslandes gegen England nur sehr unbedeutend war, finden wir dießmal die auswärtigen Staaten und besonders Amerika, Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden etc., wenn auch nicht dem Umfang, so doch dem Inhalt nach ganz vorzüglich repräsentirt und von daher sogar, wie wir gesehen, das Neueste und Beste ausgestellt.

2) Die weitere Thatsache, daß, der Ausstellung nach zu schließen, die Dampfmaschinen mit horizontaler Anordnung zur Zeit vorherrschend geworden sind. Ist dieß in der Wirklichkeit auch nicht im gleichen Verhältniß der Fall, weil die größeren und schwereren Maschinen, welche, wie wir gesehen haben, noch immer vorzugsweise als Verticalmaschinen gebaut werden, aus einleuchtenden Gründen überhaupt weniger ausgestellt werden, so ist doch anzunehmen, daß die Horizontalm Maschinen ihrer Einfachheit und Solidität wegen auch in der Praxis immer mehr in Aufnahme kommen und die verticalen Maschinen der geringeren und mittleren Sorte nach und nach verdrängen werden.

3) Die allgemeinere Verbreitung und viel weiter getriebene Anwendung der Hochdruck- und Expansionsmaschinen, und zwar nicht nur auf dem Continent, sondern namentlich auch in Großbritannien selbst, wo man sich auffallender Weise am längsten im Vorurtheil gegen dieselben gefangen gab, so daß auf der Ausstellung von 1851, in Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit, unter den größeren englischen und schottischen Fabrikdampfmaschinen vorzugsweise nur solche mit Niederdruck und ohne oder doch nur mangelhafter Expansion zu sehen waren,36) während man bei der letzten Ausstellung umgekehrt vorherrschend nur solche mit Hochdruck und Expansion bemerkte.

4) Die versuchsweise Einführung der Oberflächencondensation auch bei den stationären Maschinen, eine Neuerung, welche indessen nach dem, was schon oben darüber bemerkt worden ist, kaum eine große Zukunft für sich haben wird.

5) Die theilweise Benützung von überhitztem Dampf und verschiedene andere auf Brennmaterialersparniß abzielende Bestrebungen.

6) Die häufigere Anwendung der direct wirkenden Dampfmaschinen für den Fall, daß man den Dampf nicht condensiren, Raum ersparen und überhaupt eine gedrängte und wohlfeile Construction haben will.

7) Die seltenere Anwendung der Dampfmaschinen mit Balancier, |97| welche Anordnung man überhaupt nur noch bei den schwereren Verticalmaschinen mit Condensation und Expansion, besonders nach dem Woolf'schen Princip, vorfindet, indem dieselbe in diesem Falle durch das Bedürfniß der vielen Stangen und den stabilen, ruhigen Gang ungeachtet ihrer größeren Complicirtheit motivirt ist.

8) Der bei stationären Maschinen ebenfalls nur seltene Gebrauch der oscillirenden oder schwingenden Dampfmaschinen, welche, da bei ihnen die Kurbelstange entbehrlich wird, überall da, wo es, wie bei Schiffsmaschinen, wesentlich auf Raumersparniß ankommt, von Vortheil sind, sonst aber mancherlei Nachtheile mit sich führen, in Folge deren sie sich bei stehenden Maschinen weniger empfehlen.

9) Die fortgesetzten Versuche und Verbesserungen, welche von verschiedenen Constructeurs, besonders von Scheutz an der direct rotirenden oder drehenden Dampfmaschine angebracht worden sind.

10) Die verschiedenen Verbesserungen, welche einzelne Theile, wie namentlich die Steuerungs- und Expansionsvorrichtungen, sowie der Centrifugalregulator und der Dampfindicator durch Corliß, Allen, Porter, Richards etc. erfahren haben.

(Die Fortsetzung folgt im nächsten Heft.)

|82|

Die nähere Beschreibung dieses Regulators sehe man in diesem Journal Bd. CLXVII S. 323.

|82|

S. dieses Journal Bd. CLXVIII S. 82.

|82|

Ich benütze hier zugleich die Gelegenheit, auf die kürzlich erschienene vortreffliche Schrift: „der Indicator“ von J. Völkers aufmerksam zu machen, worin Jeder, |83| der sich für den Gegenstand interessirt, eine sehr gute „Anleitung zum Gebrauch des Indicators bei der Prüfung der Dampfmaschinen und zur Ermittelung des Kraftbedarfs von Arbeitsmaschinen“ findet.

|83|

S. dieses Journal Bd. CLXVII S. 321.

|83|

Mir ist überhaupt sonst keine andere Maschine der Ausstellung bekannt geworden, die eine solch dreifache Auszeichnung erlangt hätte. Dagegen gereicht es mir zum Vergnügen, hier ein noch sprechenderes Beispiel von Auszeichnung notiren zu können, die einem deutschen Aussteller, Hrn. Fr. Krupp in Essen, zu Theil wurde, indem diesem um die Gußstahlfabrication so sehr verdienten Manne in fünf verschiedenen Classen die Preismedaille zuerkannt worden ist.

|84|

S. dessen Beschreibung in diesem Journal Bd. CLXI S. 321.

|85|

S. dieses Journal Bd. CXLIII S. 403.

|86|

Eine nähere Beschreibung dieser interessanten Maschine findet man in diesem Journal Bd. CLXI S. 401.

|88|

Die nähere Beschreibung dieses Regulators s. in diesem Journal Bd. CLX S. 243.

|89|

S. dieses Journal Bd. CLXVI S. 446.

|89|

S. dieses Journal Bd. CXXXVII S. 241.

|90|

Es mag hier noch besonders bemerkt werden, daß bei dem von der Mülhauser Industriegesellschaft für das Jahr 1859 ausgeschriebenen Concurs der in Rede stehende Kessel von Zambeaux, mit noch zwei anderen Röhrenkesseln für stehende Maschinen (der eine von Molinos und Pronnier in Paris und der andere von Prouvoust in Lille), die Bedingung des Programms, wornach sie mindestens mit 5 Atmosphären Spannung arbeiten und wenigstens 7 1/2 Kilogr. Wasser von 0° pro Kilogramm Steinkohle von mittlerer Qualität verdampfen sollten, zwar erfüllte, aber, weil zu jenen Kesseln gehörig, die feuchten Dampf liefern, den Preis doch nicht erhalten konnte.

|92|

Man merke aber wohl, daß die Indicatorpferdestärke immer viel kleiner als eine wirkliche Pferdestärke ist.

|93|

Dieselbe liefert nur an Locomobilen täglich wenigstens 2 Stück!

|93|

S. dieses Journal Bd. CLX S. 421.

|96|

S. dieses Journal Bd. CXXII S. 401.

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