Titel: Sykes' Spinnmaschine für Streichgarn.
Autor: Kick, Friedrich
Fundstelle: 1864, Band 171, Nr. XLVI. (S. 189–193)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/ar171046

XLVI. Sykes' Spinnmaschine für Streichgarn; beschrieben von Friedrich Kick.

Aus den Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1863 S. 694.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Eine neue Spinnmaschine für Streichgarn, sich wesentlich von den bisher im Gebrauche stehenden unterscheidend, hat John Sykes und Sohn in Huddersfield gebaut und sich patentiren lassen.

Das glatte, runde und feste Garn, welches die Maschine liefert, wie deren große Einfachheit, welche Billigkeit, Ersparniß an Raum und Arbeitslohn bedingt, machen sie einer gesteigerten Verbreitung würdig.

Eine solche Maschine mit 120 Spindeln arbeitet etwas mehr als eine Mule-Jenny mit 240 Spindeln, nimmt den halben Raum dieser ein und fordert nur etwas mehr Betriebskraft. Dieser größere Kraftverbrauch wird aber mehr als ersetzt durch den ersparten Arbeitslohn, welcher mindestens 25 Proc. beträgt.71)

Mit dieser Maschine können die Garne in allen Nummern so fein wie auf der Mule-Jenny gezogen werden, und verwendet man dieselbe auch meist nur zum Spinnen von Kettengarn, als dem klareren Faden, so kann selbe doch ebensowohl zum Spinnen von Schußgarn verwendet werden, falls selbes nicht gar zu locker seyn muß.

Bildet Sykes' Spinnmaschine auch einen Uebergang von den Watermaschinen zu den Mule-Jenny, indem sie bei mit ersterer ganz ähnlichem Baue, doch wie letztere ohne Spule arbeitet, so ist sie des continuirlichen Ausziehens und Aufwickelns wegen mit der Watermaschine nahe verwandt, und kann als eine Verbesserung derselben aufgefaßt werden.

Die Erklärung der Maschine selbst sey getheilt in die Erklärung

1) der Fadenbildung;

2) „ regelmäßigen Abwickelung des gebildeten Fadens;

3) „ Transmissionen;

4) „ Veränderungen, welche nöthig sind, um verschiedene Garn-Nummern zu erzeugen.

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1. Fadenbildung (Spinnen). – Fig. 7 stellt einen Querschnitt der Maschine dar.

Das Vorgespinnst für Streichgarne, von der letzten Kratzmaschine des „Satzens“ kommend, ist auf der Welle a aufgebäumt und wird durch das Abtreibzeug oder die Abtreibwalze b abgenommen und an einem Führungsdrahte vorbei dem ersten Streckwalzenpaare c, d oder c', d' der rechten symmetrischen Hälfte zugeführt, welche zweite Hälfte einstweilen unbeachtet bleiben kann. Die Walze a ruht auf der Abtreibwalze b, da die Achse von a durch Gabellager bloß eine verticale Führung erhält.

Zwischen dem etwa 14 Zoll entfernten zweiten Streckwalzenpaare h, i und zwischen c, d, deren verschiedene Peripherie-Geschwindigkeit das Maaß der Streckung bestimmt, befinden sich zwei Schläger e und f und das Röhrchen g.

Die beiden Schläger rotiren und schlagen in der Richtung der Streckung auf das Vorgespinnst. Da die Bewegung so rasch ist, daß das Auge die einzelnen Stellungen nicht mehr zu unterscheiden vermag, so dürften dieselben kaum weniger als 600 Umdrehungen per Minute machen. Es ertheilt dann jeder Schläger 1200 Schläge per Minute.

Die Schläger selbst sind aus Stahl, an den Kanten abgerundet und polirt. Denkt man sich einen Faden an beiden Enden gehalten und führt auf ihn einen Schlag, so wird der Faden jedenfalls gezerrt. Es ist somit leicht die streckende Wirkung der beiden Schläger auf das Vorgespinnst erklärt.

Das schwache Vorgespinnst würde aber weder die Zerrung der Streckwalzen noch jene der Schläger aushalten, würde der Faden nicht durch das Röhrchen g eine Drehung erhalten. Nur hierdurch erhält er die nöthige Festigkeit; hierdurch ist es möglich, die Streckwalzenpaare so weit auseinander zu legen und somit möglichst gleichförmig zu strecken.

Das erwähnte Röhrchen g (Fig. 8) hat an einem Ende einen excentrischen Stift, um welchen der Faden geschlungen wird, daher bei erfolgender Rotation von g eine Drehung des Fadens zwischen g und c, d in einem Sinne und zwischen g und h, i im entgegengesetzten Sinne bedingt ist.

Die zwischen g und c, d entstandene nothwendige Drehung wird sonach zwischen g und h, i wieder beseitigt, es gelangt somit der Faden ungedreht zwischen das zweite Streckwalzenpaar h, i, wie es seyn muß.

Das hier erklärte Princip der Fadenstreckung ist neu, und kommen an der Maschine auch noch manche sinnreiche, neue Constructionen vor, so sind sie doch im Ganzen weniger wesentlich.

Hat der Faden die Streckwalzen h, i verlassen, so gelangt er über |191| den Führungsdraht j und durch die Fadenleitung l zum haftelförmigen Häkchen n und durch dieses zur Bobine.

Das Häkchen n (Fig. 9), lose auf dem Reifen m steckend, vertritt die Gabel; die Bobine, fest auf der Spindel steckend, vertritt die lose Spule der Watermaschine.

Es ist somit die Bewegung des Häkchens von jener der Bobine nicht direct bedingt, sondern dasselbe wird bloß durch den gespannten Faden mitgenommen, und läuft um die Bobine herum. Die Führung erhält das Häkchen durch den Reifen m. Würde kein Faden geliefert, so müßte das Häkchen n so viele Umläufe machen, als die Spindel oder die Bobine; würde so viel Faden geliefert, als die Peripherie-Geschwindigkeit der Bobine beträgt, so würde das Häkchen stehen bleiben; da diese beiden Fälle nicht eintreten, sondern eine bestimmte kleinere Menge Faden constant geliefert wird, so macht das Ringelchen nicht so viele Umläufe als die Spindel, und zwar beträgt sein Zurückbleiben so viel, als Faden geliefert wurde; dieser wird eben aufgewickelt.

Die Drehung des Fadens findet zwischen l und n statt.

Da dieselbe bei verschiedenen Garn-Nummern aber durch den Ausdruck

d = n/l – 1/2Rπ = n/l – 1/6,3R bestimmt ist, in welchem

n die constante Anzahl der Umläufe der Spindel in 1 Minute,

l den in der gleichen Zeit erzeugten Faden in Zollen, und

R den Radius des Ringes in Zollen bezeichnet, so muß l veränderlich seyn, somit auch die Geschwindigkeit des zweiten Streckwalzenpaares sich ändern lassen, sollen Garne mit verschiedener Drehung erzeugt werden.

Das Wälzchen k, welches mit Leder überzogen ist, hat den Zweck, den etwa reißenden Faden aufzuwickeln.

2. Regelmäßige Aufwickelung des gebildeten Fadens. – Es soll die Bobine gleichförmig mit Faden bewickelt werden, und zwar so, daß sich derselbe leicht wieder abwickeln läßt. Hierzu ist ein regelmäßiges Heben und Senken der Ringe m, somit der Ringbank o erforderlich.

Dieses Heben und Senken erfolgt aber nicht wie bei der Watermaschine um die ganze Höhe des mit Garn zu bewickelnden Stückes, sondern die Ringbank wird um 1 1/2 Zoll gehoben, sinkt dann fast wieder um 1 1/2 Zoll herab, steigt dann wieder um 1 1/2 Zoll, sinkt wieder, jedoch nicht genau so viel, als sie sich hob. Somit tritt während des Auf- und Absteigens um nahezu 1 1/2 Zoll ein sehr allmähliches, constantes |192| Heben ein, und es wird somit die Bobine so bewickelt, wie die Schleifspulen zu den Weberschützen mit freier Hand bewickelt werden.

Der hiezu benützte Mechanismus ist folgender:

Die Ringbank wird von mehreren Eisenstäbchen s (Fig. 7*) getragen, welche durch die Leitungen p und x geführt und durch die Ketten u gehalten werden. Die Ketten sind an Scheiben v befestigt, welche an der Achse w sitzen. Wird nun w gedreht, so erfolgt, je nach der Richtung der Drehung, ein Anspannen oder Nachlassen der Kette, also ein Heben oder Senken der Ringbank.

An der Achse w sitzt das Zahnrad 14, es handelt sich also darum diesem die erforderliche Drehung mitzutheilen.

Das an der Achse der unteren Walze des zweiten Streckwalzenpaares sitzende Kegelrädchen 1 greift in 2, hierdurch wird die Achse 3 bewegt und das Kegelrädchen 4; dieses bedingt die Drehung von 5, wie der Achse 6 und des Rädchens 7, hierdurch wird 8, somit die Achse 9 gedreht.

An dieser Achse sitzt die doppelte Herzscheibe 11 und die Schraube 10. Durch die Bewegung der Herzscheibe 11 wird die Schubstange 12, also auch die Zahnstange 13 bewegt, diese greift jedoch in das Rad 14, dieses wird bald nach rechts, bald nach links gedreht, hebt und senkt somit die Ringbank um 1 1/2 Zoll.

Die Bewegung der Schraube 10 bedingt eine Drehung der Räder 15, 17, 18, diese eine Drehung der Schubstange 12 und dadurch der Schraube 12; es wird folglich gleichzeitig mit der obigen Bewegung, durch die Schraube, die Zahnstange nach auswärts geschoben, das Rad während der schwankenden Bewegung auch constant gedreht, also die Ringbank constant gehoben.

Ist ein Turnus des Spinnens zu Ende und die Bobine voll, so rückt man das Rädchen 15 aus, und führt mittelst der Kurbel 20, 19 die beiden Zahnstangen in die ursprüngliche Lage.

3. Transmissionen. – Durch die in Fig. 7 durch ihre punktirten Theilkreise angegebenen Zahnräder α, β, γ... ε, λ, μ wird die Bewegung von i übertragen auf d, d' und b.

Die unteren Streckwalzen i und d sind geriffelt und haben eine durch die ganze Länge der Maschine gehende gemeinschaftliche Achse; die oberen Walzen h, c sind ungeriffelt, haben keine gemeinschaftliche Achse und werden nur durch Reibung mitgenommen.

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Die Röhrchen g erhalten die Bewegung mittelst einer Schnur ohne Ende von dem Cylinder B; die Schläger e, f mittelst eines Riemens ohne Ende von der Riemenscheibe, die an der Achse von B sitzt.

Die Bewegung der Ringbank geht von i' aus, wie oben beschrieben. Die Spindeln werden durch Schnüre von A aus bewegt. Es wären also noch die Uebertragungen der Bewegung der Hauptwelle auf i, i', A und B anzugeben.

Auf der Hauptwelle sitzen außer der Voll- und Leerscheibe zur Verbindung mit dem Motor noch drei Riemenscheiben. Die erste überträgt die Bewegung an ein System von Zahnrädern, welches am anderen Ende der Maschine angebracht ist, und welches den Streckwalzen i, i' ihre richtige Bewegung ertheilt; die zweite an die Achse von B und die dritte Riemenscheibe an jene von A.

4. Veränderungen, welche vorzunehmen sind, um verschiedene Garn-Nummern zu spinnen.

a) Man verändert das Verhältniß der Umdrehungs-Geschwindigkeiten von i und d (i' und d') dadurch, daß man für α ein anderes Rädchen einsetzt; dieß genügt, daβ eine verstellbare Achse besitzt. So erhält man feineres oder gröberes Garn von gleicher Anzahl Drehungen auf die Längen-Einheit. Wollte man auch hierin Abänderung treffen, so müßte man die Räder des am anderen Ende befindlichen oberwähnten Räder-Systems versetzen. Die. Menge des in gleicher Zeit gelieferten Fadens würde dann geändert und daher auch ein Faden mit anderer Drehung erzielt.

b) Feineres Garn erlaubt langsamere Bewegung der Ringbank, gröberes erfordert schnellere; dieß wird durch Austauschen des Kegelrädchens 1 gegen ein kleineres oder größeres, und durch Verrücken von 2 erzielt.

c) Endlich nimmt man bei feinerem Garne zartere Häkchen, bei gröberem stärkere.

Das Neue an dieser Maschine ist außer vielen Details die Anwendung der Schläger und des Röhrchens. Durch sie ist es ermöglicht ein längeres Band zu strecken, somit einen gleicheren Faden zu erzeugen, als es bei den Watermaschinen sonst der Fall ist. Der einfache Bau ermöglicht auch den mäßigen Preis, 132 Pfd. Sterl., also per Spindel 22 Shilling, und dürfte diese Maschine wohl mit Recht der Beachtung empfohlen werden.

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Ich verdanke diese Daten Hrn. O. Offermann, Director der Spinnfabrik des Hrn. PH. Schöller in Brünn; derselbe gestattete mir auch die Maschine mehrmals zu besichtigen. Hr. Offermann war der erste, welcher die Maschine nach Oesterreich brachte.

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Nun ist es nöthig beide Hälften der Zeichnung zu vergleichen, weil der Deutlichkeit wegen manche Bestandtheile nur auf einer Seite gezeichnet sind, da sich ihre Bilder sonst decken würden.

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