Titel: Rühlmann, über Bauziegelfabrication mittelst Maschinen aus nassem und trockenem Thon.
Autor: Rühlmann, Moritz
Fundstelle: 1864, Band 171, Nr. CI. (S. 406–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/ar171101

CI. Ueber Bauziegelfabrication und über die neuesten Maschinen zur Herstellung von Mauersteinen aus nassem und trockenem Thon; von Professor Rühlmann.

Aus den Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1863 S. 352.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

I. Allgemeines.

Es gibt wenig Dinge im Gebiete der heutigen Technik und des Maschinenwesens, wo so viel Widersprechendes, so viel Lob und Tadel gleichzeitig auftritt, wie bei Behandlung der Frage: ob man glatte Thonziegel für Bauzwecke, Mauersteine (Vollziegel), am vortheilhaftesten und ausschließlich mit Menschenhänden oder mit Hülfe von Maschinen verfertige. In der That ist die Beantwortung dieser Frage nicht leicht, weil gleichzeitig zu viele Umstände und Verhältnisse in Betracht gezogen werden müssen und kein Vorurtheil mitgebracht werden darf.

Mit Nachstehendem will ich es versuchen, ein Scherflein zur gedachten Beantwortung beizutragen, nicht weil ich mich als der Behandlung des Thema's vollkommen gewachsen fühlte, sondern weil mir in meinem technischen Wirkungskreise, namentlich bei den jüngsten internationalen Ausstellungen in London und Hamburg, über Bauziegelfabrication mancherlei bekannt geworden ist, und endlich, weil ich die Hoffnung hege, daß sich durch meine Bemerkungen Andere veranlaßt sehen dürften, Besseres und Vollständigeres zu liefern, als dieß hier der Fall ist.

Unläugbare Thatsache ist es, daß während gegenwärtig die Maschine bei der Fabrication der Drainröhren, der hohlen und façonnirten Bauziegel etc. ausschließlich in Anwendung gebracht wird, sie auf dem Felde der Erzeugung glatter Vollziegel (gewöhnlicher Mauersteine) noch immer vergeblich um zweifellose Entscheidung kämpft.

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Die Gründe dieser Erscheinung sind mannichfache. Vor Allem ist zu beachten, daß, wie vortrefflich eine Ziegelmaschine (vorzugsweise zum Formen und Pressen) auch arbeiten mag, ihr doch nur ein gewisser Theil der erforderlichen Gesammtarbeit zufällt, indem das Graben und Vorbereiten des Thones, das Abtragen der fertigen Steine, das Aufkanten, Trocknen derselben (wenn überhaupt nasser Thon verarbeitet wird) und endlich das Brennen unverändert verbleibt, wie auch das Zermahlen, Kneten und Formen von der Maschine besorgt werden mag.

Nächstdem ist zu bemerken, daß der Betrieb der meisten Maschinenziegeleien in viel zu kleinem Maaßstabe erfolgt und die zur Verfügung stehenden Capitalien sehr oft zu gering sind.

Ein anderes Hinderniß für die allgemeine Anwendung der Maschinen ist die Stockung, welche die ganze Fabrication oft durch unbedeutende Brüche oder Reparaturen erfährt, ein Umstand, der um so nachtheiliger einwirkt, je beschränkter die Ausdehnung der Anlage ist.

Auch eignet sich nicht aller Thon, woraus man noch Ziegel durch Handformerei herstellen kann, für die Maschinenarbeit, vorausgesetzt, daß nasser und nicht trockener Thon das Material bildet. So ist sehr vieler Thon der hannoverschen Marschgegenden für die Maschinenformerei unbrauchbar, weil er zu kurz ist, weil ihm eine gewisse eigenthümliche Zähigkeit oder Plasticität fehlt. Gleichfalls ist vieler Geeste-Thon unbrauchbar, weil er zu viel kleinere oder größere, glatte, platt-ovale oder eiförmige, besonders sehr harte Kieselsteine enthält, welche die Maschine nicht zu zerkleinern vermag und die als ein Ganzes in die Preßform übergehen etc.

Nicht minder sind es die vielen Hunderte von verunglückten, ganz beseitigten Ziegelmaschinen, welche einen allgemeinen Widerwillen gegen den mechanischen Arbeitsproceß erzeugt haben, die Ungewißheit, welche von den zur Zeit belobten und mindestens im Gange befindlichen Maschinen die beste ist, von welcher der Unternehmer fern bleiben oder welche er anschaffen soll. Oft sind Ziegelformmaschinen in schlechtem Rufe, nur weil sie nicht aus dem besten Materiale hergestellt und leider noch öfter schlecht ausgeführt sind, während ihr Constructionsprincip an sich zum Ziele führen müßte.

Allermeist ist es aber der geringe Arbeitslohn, wofür man Handziegel beschafft, die immer noch von besserer Qualität sind als die Producte gewisser Ziegelmaschinen.

In der nicht allzuweit von der Stadt Hannover belegenen Ziegelei eines meiner Freunde, wo ausschließlich gewöhnliche (volle) Mauerziegel gemacht werden, arbeiteten verflossenen Sommer zwei Gruppen (jede ein |408| Tisch, Pflug, Colonne genannt) von je 6 Mann131) Lipper Ziegelmacher,“ wovon jeder Tisch in einem Accorde bei normalen Witterungsverhältnissen, in der Zeit vom 15. April bis 15. October (während einer „Lipper Campagne“) gleich 25 Wochen à 6 Tage = 150 Arbeitstagen, nicht weniger als

600,000 Stück Mauerziegel

lieferte, allerdings mit eingerechnet, was etwa beim Trocknen durch Bersten etc. verloren gieng.

Für je 1000 Stück Steine erhielten diese 6 Mann einen Accordsatz von 25 bis 26 Sgr.

Die Durchschnittsproduction war demnach pro Tag und pro Tisch 4000 Stück (oder 8000 Stück für beide Tische) oder 666 Stück pro Kopf und pro Tag, eine Zahl, die natürlich bald überschritten wird, bald unerreicht bleibt. Das Maximum der Leistung im hohen Sommer war aber gewiß 4500 bis 4700 Mauersteine pro Tag (oder 750 bis 783 Stück pro Kopf), wo die Leute effectiv 14 Stunden arbeiteten, von Morgens 3 Uhr bis Abends 8, auch 9 Uhr mit dazwischen liegender dreistündiger Ruhe.132)

Leider habe ich in meiner Nähe keine Maschinenziegelei, um aus gehöriger Beobachtung einer solchen bestimmte Zahlenwerthe entnehmen |409| zu können, sowie ich auch bei der Hamburger Ausstellung weder Zeit noch Gelegenheit fand, derartige zuverlässige Erfahrungswerthe zu gewinnen. Dagegen ist mir aus der Zeit, wo ich bei der letzten (1862er) Londoner Industrie-Ausstellung mit als Preisrichter wirken mußte, ein Resultat bekannt, dessen Richtigkeit ich verbürgen kann.

An einer Stelle unweit London fand ich Gelegenheit, die größte und zugleich beste der mir überhaupt vorgekommenen Clayton'schen Ziegelmaschinen in ihrer Arbeitsthätigkeit zu beobachten, ohne daß man dort von meiner Hinkunft unterrichtet seyn konnte.

Diese Maschine lieferte täglich gewiß 28000 bis 30000 Stück glatte und volle Mauerziegel, etwa von der auch bei uns gebräuchlichen Größe.

Zum Betriebe waren zwei transportable Dampfmaschinen (Locomobilen) im Gange, deren Gesammtarbeit jedenfalls der von 18 Maschinenpferden gleich zu rechnen war.133)

Dabei bestand die Gesammtbedienung aus 20 Mann unter folgengender Arbeitsvertheilung:

8 Mann karrten den erforderlichen Thon herbei, und zwar auf eine Förderstrecke von 50 bis 60 Ruthen.

1 Mann bediente beide Locomobilen.

1 Mann stand auf der Ziegelpresse, um etwaigen Störungen, Thonstopfungen abzuhelfen.

2 Mann verrichteten das Schneiden der aus der Maschine zu beiden Seiten austretenden Thonprismen in Steine, während

8 Jungen das Abfahren der erzeugten Steine bewirkten, und zwar auf theilweise ziemlich große Entfernungen.

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Während unseres 2 1/2 stündigen (wie gesagt nicht angekündigten) Aufenthaltes arbeitete die ganze Maschinerie ohne irgend welche Störung und Unterbrechung, überhaupt in jeder Weise zufriedenstellend, so wie die enorme Quantität der außerhalb des Maschinengebäudes aufgestellten frischen Steine schließen ließ, daß die Versicherung des Ziegelmeisters, der Gang des Werkes sey regelmäßig und stetig, wohl der Wahrheit gemäß seyn konnte.

Da, wie gesagt, mir eigene Beobachtungen und Erfahrungen über deutsche Maschinenziegeleien fehlten, wandte ich mich, um Belehrung und Aufklärung zu erlangen, an einige deutsche Ziegeleibesitzer, die mir als besonders der Sache gewachsene Männer bezeichnet wurden.

Von einem dieser Herren, einem sehr gebildeten Manne in Mitteldeutschland, erhielt ich auf meine Anfrage (unterm 7. December 1863) folgende Antwort:

„Ich halte alle mir zur Zeit bekannten Maschinen zum Formen der vollen Bausteine (Mauerziegel) aus Thon für unbrauchbar, weil sie weder billig noch gut genug gegenüber der Handarbeit liefern, namentlich wenn die Masse (der Thon) gut vorbereitet wird, was in der Regel am besten durch doppelte gegeneinander laufende Walzen aus Hartguß geschieht. Doch ist auch diese Vorbereitungsmaschine nicht rentabel, wenn das Rohmaterial an sich sehr gut ist und wenn nicht zu große Ansprüche an schönes Aussehen der Ziegel gemacht werden. Dennoch bin ich der Ueberzeugung, daß man bald Maschinen einführen wird, welche, wie alle Maschinen, den Sieg über die Handarbeit erringen, sobald die Maschinen wirklich zweckmäßig eingerichtet sind. In England gibt es bereits gute Voll-Ziegelmaschinen nach einem Systeme, welches allein richtig ist, nämlich Pressen, die das Material ganz trocken verarbeiten. Das betreffende Fabricat habe ich gesehen, es war ausgezeichnet. Indeß habe ich mich persönlich noch nicht entschließen können die Kastanien aus dem Feuer zu holen, zumal ich dieß Verfahren erst kennen gelernt habe, nachdem ich meine gegenwärtige Anlage bereits fertig hatte und ich wahrscheinlich meine ganze, zur Zeit gut rentirende Fabrik, fast gänzlich wegwerfen müßte.

„Jedoch verfolge ich die Sache und werde mich zuletzt doch noch entschließen müssen, mit der Zeit fortzugehen. Die fraglichen, zum Pressen des trockenen Thones erforderlichen Maschinen sind übrigens so theuer, daß man nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn man jährlich mindestens 7 bis 8 Millionen Ziegel brennen und absetzen kann, wozu vor Allem ein großer Vorrath von Material gehört.

„Wie schon gesagt, waren die mir von einem Freunde aus England |411| mitgebrachten und aus trockenem Thone gepreßten Ziegel ganz vortrefflich, während ich alle mir bis jetzt vorgekommenen, mit der Maschine naß gepreßten Ziegel als schlechter wie die mit der Hand erzeugten bezeichnen muß, indem die Maschinenziegel stets reihen und sich nicht behauen ließen.“ 134)

Ein zweiter Brief von einem norddeutschen, durch Leistungen und allgemeine wie speciell technische Bildung gleich ausgezeichneten Ziegeleibesitzer gab mir auf dieselbe Frage folgende Antwort:

„Die Ziegelfabrication in Norddeutschland wird fast ohne Ausnahme „als ein landwirthschaftliches Nebengewerbe betrieben“ und zwar heute meistens noch mit denselben Hülfs- und Fabricationsmitteln wie im vorigen Jahrhundert- vielleicht sogar mit derselben biederen Lippe'schen Arbeiter-Generation,“ deren Väter und Großväter schon seit sehr vielen Jahren dieß Geschäft betrieben. So prächtige, brave Leute diese Lippe'schen Ziegelarbeiter auch sind, so haben sie eine sonst wohl bis zur rechten Grenze schätzbare Eigenschaft, welche hier hinderlich wird – sie hängen allzusehr am Althergebrachten und steifen sich mit einer Zähigkeit gegen Neuerungen, die es fast unmöglich macht, irgend ein anderes Verfahren der Ziegelfabrication da einzuführen, wo man mit Lippe'schen Leuten zu arbeiten pflegt.

„Die Eigenthümer der meisten Ziegeleien bekümmern sich um den technischen Betrieb derselben wenig oder wohl auch gar nicht; man überläßt dieß dem Ziegelmeister, oder auf größeren Werken etwa dem Verwalter, kurz der gesammte Industriezweig ist (mit geringen Ausnahmen) in Händen von Menschen, deren Wissen und Streben für die Sache eben nicht förderlich ist.

„Ein ferneres Hinderniß für die Maschinenziegelfabrication liegt oder lag zum großen Theile wohl mit darin, daß wir wenige Maschinen haben, mit denen vortheilhaft fabricirt werden kann.

„Bei der Aufstellung und Inbetriebsetzung einer Arbeitsmaschine wird verständiger Weise gefragt werden: „bietet die Maschine Vortheile und eventuell – welche?“ Ich gestehe: finanziell betrachtet, ist es noch nicht unzweifelhaft festgestellt, daß z.B. durch die Anwendung auch der guten Maschine eine billigere Arbeit erzielt werden kann! Es liegen mir noch nicht genügende Erfahrungen vor, um scharf rechnen zu können, da ich nicht weiß, wie lange meine eigene Ziegelmaschine halten wird, wie viel auf Amortisierung zu rechnen ist u. d. m.

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„Bei unseren Lohnsätzen wird durch Handarbeit annähernd ebenso billig zu arbeiten seyn, als mit den Maschinen, und bildet dieser Umstand ein wesentliches Hinderniß für die Einführung derselben.

„Ein ferneres Hinderniß für Anwendung der Maschinen zur Ziegelfabrication finde ich darin, daß zum Betriebe aller mir bekannten guten und tüchtig arbeitenden Maschinen eine größere Kraft erforderlich ist, als meistentheils vorhanden. Menschen und Pferdekräfte reichen nicht aus, es wird Dampfkraft erforderlich und dadurch natürlicher Weise die gesammte Anordnung für den Betrieb um ein Beträchtliches complicirter. Es wird auf den alten Ziegeleien, wenn vom Handbetriebe zum Maschinenbetriebe übergegangen werden soll, von den alten Einrichtungen in den meisten Fällen nicht viel benutzt werden können, und weil solche Aenderungen gewöhnlich sehr theuer kommen, so besinnt man sich zweimal, ehe man Alles über den Haufen wirft.

„Wenn die Noth nicht treibt, dauert es wohl noch lange, bis bessere Einrichtungen getroffen werden. Zuletzt hilft die Concurrenz am allerbesten. Wenn ich meine Ziegelsteine besser und billiger fabricire als meine Concurrenten, so wird voraussichtlich mein Fabricat leicht Absatz finden und ich werde in Zeiten, wo etwa Krieg droht, die Bauten stocken, die Preise der Baumaterialien fallen, immer eine gewisse Ueberlegenheit über meine Concurrenten behaupten können. Hieraus folgt zugleich, daß die theueren Preise, welche für Ziegel in den letzteren Jahren z.B. in Hannover und Bremen bezahlt wurden,135) wahrscheinlich für den Betrieb der Ziegeleien nicht förderlich gewesen sind etc.“

Die berühmte, großartige Ziegelfabrik am Wiener Berge, welche dereinst Alois Miesbach begründete und die nach Erforderniß jährlich bis zu 80 Millionen Ziegel producirt, formt ordinäre Bausteine nur durch Handarbeit. Viele Versuche, hierzu Maschinen einzuführen, sind fehlgeschlagen.

Von einem Wiener Freunde ist mir kürzlich als Ursache dieser Erscheinung Folgendes geschrieben worden:

„Der Fehler bei der Maschinenziegelfabrication war das größere Gewicht der Ziegel, der viele Ausschuß beim Erzeugen und Brennen und die größere Kostspieligkeit. Auf Grundlage unserer hiesigen Verhältnisse können überhaupt Maschinenziegel nicht so billig erzeugt werden, als dieß mit Handarbeit der Fall ist. Nur dort, wo es an |413| Arbeitern mangelt und der Brennstoff wohlfeil ist, halten sich Maschinenziegeleien. Hier sind beide Bedingungen nicht vorhanden, da man in gewöhnlichen Zeiten, insbesondere aus den slavischen Theilen Oesterreichs, hinlängliche und abgerichtete Ziegelarbeiter um leidlichen Arbeitslohn bekommt; dagegen ist der Brennstoff in Wien wegen der hohen Bahntarife noch immer theuer.“ Wo letztere Verhältnisse nicht vorhanden sind, lauten auch die Urtheile über Maschinenziegeleien in Nieder-Oesterreich günstiger.136)

Noch andere mir zugegangene Mittheilungen stimmen der Hauptsache nach mit dem Vorstehenden überein, nur daß der eine mehr, der andere weniger Hoffnung von den Maschinen hegt, welche entweder schon vorhanden oder noch zu erfinden sind. Lege ich meine gesammelten Erfahrungen bei der letzten Entscheidung mit in die Waagschale, so gelange ich überhaupt zu folgenden Urtheilen.

Es wird (abgesehen von der Frage geeigneter Thone) vortheilhaft seyn, Mauersteine mit Hülfe von Maschinen herzustellen:

1) wenn man Massen produciren und absetzen kann,

2) wenn der Arbeitslohn hoch genug steht,

3) wenn man unabhängig vom Arbeitspersonale seyn will, oder seyn muß.

Bemerken möchte ich hierzu noch, daß gute Maschinenziegel viel weniger Wasser enthalten als Handziegel, letztere daher 3 bis 4mal mehr umgesetzt werden müssen, bevor sie trocken sind und daher mehr Zeit und Raum in Anspruch genommen wird.

Ebenso habe ich noch in Erfahrung gebracht, daß es allerdings Maschinenziegel geben kann, welche sich recht wohl hauen lassen, während die größere Dichtigkeit der Maschinenziegel freilich unter Umständen nachtheilig auf Zeit und Güte des Brennens wirkt.

Schließlich würde noch zu entscheiden seyn, ob man, im Falle der Maschinenverwendung, der Fabrication aus nassem oder aus trockenem Thone den Vorzug zu geben hat, welche Frage jedoch weiter unten ihre Beantwortung finden wird.

II. Maschinen zur Herstellung von Bauziegeln aus nassem Thon.

Im Nachstehenden sollen nur diejenigen Maschinen oder deren Haupttheile besprochen und durch Abbildungen erläutert werden, welche |414| bis jetzt in deutschen Zeitschriften oder Werken gar nicht oder für den Techniker unzureichend abgehandelt worden sind.137)

Ohne ferner zu entscheiden, ob die Ziegelpreßmaschine von Sachsenberg in Roslau,138) von Hertel in Nienburg a. d. S.,139) von Schlickeysen in Berlin140) oder von Clayton in London die beste und empfehlenswertheste ist, da mir hierzu die hinlänglichen Erfahrungen fehlen, wende ich mich zur Beschreibung der letzteren, die, meines Wissens, außer in Mallett's Record of the Great Exhibition, pag. 147 (und auch da nur in perspectivischen Ansichten) noch nirgends in ihrer gegenwärtigen Gestalt abgebildet wurde.141)

In der perspectivischen Gesammtansicht Fig. 16 der Clayton'schen Maschine sind die wesentlichsten Theile mit denselben Buchstaben bezeichnet wie in den geometrischen Durchschnittsfiguren 17 bis incl. 19, wozu noch bemerkt werden mag, daß die Abbildungen der größten Maschinengattung des Fabrikanten angehören, welche in Clayton's illustrirtem Cataloge mit A¹“ bezeichnet und im Preise zu 390 Pfd. Sterl. angesetzt ist.142)

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß die Maschine eine Combination der Thonwalzmühle, der Knetmaschine und der Formpresse mit Abschneide-Apparaten ist, und die Art und Weise der Zusammenstellung ebenso zweckmäßig wie gefällig genannt zu werden verdient.

Dabei ist A das gußeiserne Gehäuse, welches die Walzen B zur ersten Vorbereitung des Thones (die Thon-Walzmühle) umschließt, während das ebenfalls rotirende Armsystem C zur Vertheilung und Einführung des oben in den Rumpf eingeschütteten Thones dient.

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Der sogenannte Thonkneter oder Schneider, Präparirapparat D, besteht hier aus einer mit 16 Armen versehenen Horizontalwelle E, die per Minute 12 bis 13 Umläufe macht, wobei bemerkt werden muß, daß dieser Thonkneter nicht (wie u.a. bei Schlickeysen) direct als Ziegelpresse, sondern gleichzeitig nur als Transporteur des bearbeiteten Thones nach dem viereckigen Preßkasten s (Fig. 18) benutzt wird.

In dem Kasten bewegt sich der ebenfalls viereckige Preßkolben hin und her, und zwar vermittelst Kurbel w und Lenkstange v (Fig. 19), welche letztere durch ein geeignetes Zwischenstück u mit dem Kolben s Mg. 18) in Verbindung gebracht ist.

Der zu beiden Seiten angeordnete Schneideapparat ist derselbe wie bei den bekannten Drainröhrenpressen. Daß immer nach je einer Seite hin ein entsprechendes Thonprisma herausgepreßt wird, während in derselben Zeit auf der anderen (entgegengesetzten) Seite das Zerschneiden in Mauersteine erfolgt, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

Großes Gewicht legte Clayton auf die Anordnung der vertical um die Achsen laufenden (mit Moleskin überzogenen) Walzen r, r, wodurch er die Seitenreibung des Thonstranges auf ein Minimum herabziehen will und deren Umdrehung durch einen besonderen Riemen (m, m) und Kegelradtransmission (p und q) von zwei Stirnräderpaaren i und k an den verlängerten Achsen der Vorbereitungswalzen B unabhängig von der Presse zu Stande gebracht wird. Durch über den Mundstücken in jeder Seite der Presse aufgesetzte Wasserkästen (in unserer perspectivischen Abbildung Fig. 16, beschrieben mit: Patent Rotary Die) werden die Walzen r entsprechend feucht gehalten. Ich muß zur Ehre dieser Anordnung gestehen, daß ich solche niemals unwirksam gesehen habe, ungeachtet der ungeheuren Massenproductionen beispielsweise zweier großen Clayton'schen Maschinen, die (1862) unweit der Victoria-Docks in London arbeiteten, um täglich gegen 40,000 neue Steine für die Untergrundeisenbahn und für die großartigen Sielbauten der Stadt London zu fabriciren.

Zugleich benutze ich die Gelegenheit zu erklären, daß ich mich als unparteiischer Preisrichter bei der Londoner Ausstellung (1862) verpflichtet hielt in das Urtheil der Jury (Classe VII., B.) einzustimmen, welche Clayton's Maschine als die beste der ganzen Ausstellung bezeichnete, weil keine andere Maschine weder so compendiös und gefällig construirt, noch (und das war die große Hauptsache) so ausgezeichnet ausgeführt war.

Ueber die Leistungsfähigkeit der Maschine und über beim Betriebe sich etwa herausstellende Mängel konnte die Jury nicht entscheiden, weil ihr dazu weder Zeit noch Gelegenheit geboten war, da kein Sachverständiger |416| der Meinung seyn konnte, nach dem Arbeiten in der Ausstellung mit besonders präparirtem und schon unzähligemal durch die Maschine gegangenem Thon, ein Urtheil abgeben zu wollen.

Der Abschneideapparat der Sachsenberg'schen Backsteinmaschine, so wie Einiges über die Ziegelmaschinen von Hertel.

Den hier am Anfange des II. Artikels angegebenen Gründen gemäß, wende ich mich nun zur Beschreibung des eben so sinnreichen wie wirksamen Abschneideapparates der Sachsenberg'schen Backsteinmaschine, wodurch das herausgepreßte Thonprisma, ohne dessen fortschreitende Bewegung zu hemmen, in Steine mit scharfen Kanten und rechten Winkeln zertheilt wird. Dieser Apparat ist in der Abbildung der oben citirten Bachmann'schen Beschreibung der Sachsenberg'schen Maschine nur so flüchtig angedeutet, daß jeder Sachverständige eine vollständigere Darstellung wünschen muß.

Die beigegebenen Abbildungen zeigen diesen Schneideapparat in zwei verschiedenen Ansichten, nämlich Fig. 9 einen senkrechten Längendurchschnitt und Fig. 10 einen Querdurchschnitt, wobei überall gleiche Theile mit denselben Buchstaben bezeichnet sind.

Das den Apparat tragende Gestell ist aus zwei parallellaufenden Winkeleisenschienen A, A₁, eben solchen Querschienen a und einer Flachschiene b gebildet, wobei ein Bock B als Stütze des freien Endes dient, während das andere (linke) Ende durch zwei Scharnierbänder c an der Formplatte Z des Preßkastens Y der Ziegelmaschine aufgehangen ist. An den Schienen A, A₁ sind vectical gestellte Blechwände d befestigt zur Aufnahme der Lagerstellen für die Zapfen hölzerner mit Baumwollenzeug überzogener Walzen r, r.

Innerhalb der Schienen A, A₁ läuft ein ebenfalls aus Winkeleisen D, D₁ und Flachschienen e, e (Fig. 9) construirter Wagen, unter dem in kleinen Knaggen f, f₁ 2 Achsen mit festen Rollen g, g₁ laufen und auf welchem ebenfalls eine Anzahl hölzerne und überzogene Walzen r₁, r₁ liegen. An die innere Seite der Schienen D, D₁ sind 2 Flacheisengestelle E, E₁ genietet, welche die beiden Bügel F, F tragen, während auf der Oberkante von D, D₁ Vertiefungen h, h (Fig. 9) eingearbeitet sind, worin sich ein schmiedeeiserner Rahmen G, G (Fig. 10) durch die Handgriffe g₂, g₂ bewegen läßt. Innerhalb dieses Rahmens sitzen 3 Holzleisten g₃, g₃, g₃ (Fig. 9), zwischen denen 2 mit Plüsch bezogene Rollen i, i |417| liegen, über denen durch Winkel h₁, h₁ (Fig. 10) Holzplatten i₁, i₁ so angebracht sind, daß zwischen je 2 von ihnen ein Zwischenraum von 1/8'' verbleibt und die Gesammtbreite derselben mit Einschluß der Zwischenräume gleich der Dicke von 3 Ziegelsteinen ist. Der Rahmen G, G hat ferner an der unteren Seite bei k, k Einschnitte (Fig. 10), in denen er bei seinen äußersten Stellungen ruht, und welche so gearbeitet sind, daß sich der Rahmen beim Hin- und Herschieben in die Höhe heben kann, wobei er durch eine Schiene l vor dem Herausheben geschützt wird. – An dem Flacheisengestell E, E₁ lehnt ein anderes Rahmenstück, welches aus dem Bügel H und der verstellbaren Schiene H₁ besteht, und Stifte m, m zur Aufnahme eines dünnen durch H₁ zu spannenden Stahldrahtes m₁ sowie Stifte m₂, m₂ zur Begrenzung der Hin- und Herbewegung des Rahmenstücks trägt. Innerhalb des Flacheisengestells E, E₁ bewegt sich eine an F, F aufgehängte hölzerne durch Leisten verstärkte Klappe J (Fig. 9), so angeordnet, daß die innere Seite derselben genau gleich 3 Ziegelsteindicken von dem straff gespannten Drahte m₁ entfernt ist. Durch jeden der Bügel F gehen oben 2 schwache Schrauben n₁, n₁ mit Flügelmuttern hindurch, welche durch den Riegel F₁ geführt, an ihrem unteren rechtwinklich umgebogenen Ende dünne Stahldrähte n₂, n₂ aufnehmen, welche von 4 an die äußeren Seiten der Winkelschienen D, D₁ genieteten Haken o, o ausgehend, sich um die runden Verbindungsbolzen f₁ (Fig. 10) der Bügel F in daselbst eingefeilte Kerben legen, wobei die Stellung der Schrauben n₁, n₁ so gewählt ist, daß die Drähte n₂, n₂ genau parallel mit dem Drahte m₁ und der inneren Fläche der Klappe J, den Raum zwischen den beiden letzteren in genau 3 gleiche Theile theilen (Fig. 9), so daß also bei der Bewegung des Rahmens G, G nach irgend einer Seite hin (normal zur Bildfläche von Fig. 9), die Drähte n₂, n₂ durch die Schlitze zwischen den Holzplatten i₁, i₁, i₁ hindurchgehen müssen. An der Klappe J befinden sich zwei Klinken p, p (Fig. 9), welche in Schließhaken liegend dieselbe festhalten, die aber, wenn man den Wagen D, D₁ weit genug nach rechts bewegt, über an A, A₁ befestigten Knaggen q (Fig. 9, rechts) gleiten, so daß sie sich aus dem Schließhaken herausheben und sich die Klappe von selbst öffnet.

Bei der Arbeit mit der Backsteinmaschine gelangt der Thonstrang U vom Preßkasten Y Fig. 9 aus durch das Mundstück Z, anfänglich auf die drei ersten Unterlegwalzen r, wobei der Querschnitt des Thonprisma, der Formöffnung Z gemäß, gleich der Lagerfläche eines Ziegelsteines ist. Weiter kommt der Thonstrang U auf die Walzen r des (erst ganz nach links von Fig. 9 geschobenen) Wagens D und über dessen Walzen weggleitend endlich bis an die innere Fläche der Klappe J, gegen welche |418| sich der Körper U immer mehr und fester anlegt, bis der ganze Wagen D die Bewegung des Thonstranges annimmt. Hierauf wird durch den Draht m₁ (Fig. 10), indem man den Bügel H₁ nach irgend einer Seite hinüberschiebt, ein Stück V (Fig. 10) von U abgetrennt (welches dem oben Gesagten gemäß drei Ziegelsteindicken (Fig. 9) zur Länge hat) und sodann der Wagen D mit der Hand schnell um einige Zoll vorwärts (nach rechts von Fig. 9) geschoben, um wegen der stetigen Fortbewegung des Thonstranges U Raum zum Abschneiden und Abnehmen der einzelnen Steine zu gewinnen. Bis jetzt ruhte der Rahmen G, G in seinen Einschnitten k, k. Nunmehr wird aber derselbe rasch herübergezogen, wobei seine Oberkante über die Walzen i, i hervortritt und wodurch der Abschnitt V auf den Holzleisten g₃, g₃ eine feste Lage erhält, worauf endlich durch die Drähte n₂, n₂ die Trennung in 3 Ziegelsteine i₁, i₁, i₁ erfolgt, welche abgenommen und weiter befördert werden.

Sollte während des Betriebes einmal eine kleine Störung eintreten, die das regelmäßige Abschneiden der Steine verhinderte, so wird, ohne die Bewegung des Thonstranges aufzuhalten, der Wagen so weit nach rechts sich bewegen, bis die Klinken p, p der Klappe J über die Knaggen q, q hinweggleiten, sich heben, die Klappe J mithin sich durch den nachdringenden Thonstrang öffnet, in die Fig. 9 punktirt gezeichnete Stellung W gelangt und der Strang sich über die dort angebrachten Walzen r₃, r₃ weiter fortbewegt.

Was die Verwendbarkeit und Leistung dieses Apparates betrifft, so habe ich mich auch in dieser Angelegenheit durch die interessante mechanische Combination nicht verleiten lassen und loben wollen, wo wieder nur die Erfahrung entscheiden kann.

Ich erbat mir deßhalb das Urtheil eines höchst tüchtigen und zugleich vorurtheilsfreien Ziegelfabrikanten, der seit längerer Zeit im Besitze einer Sachsenberg'schen Maschine ist und stets damit arbeitet; dasselbe lautet also:

„Bezüglich der Sachsenberg'schen Abschneidevorrichtung habe ich noch zu bemerken, daß dieselbe während des ganzen verflossenen Sommers (1863), ohne irgend welche erhebliche Beschädigung erlitten zu haben, bei mir benutzt wurde und ferner benutzt werden wird. Drähte werden immer einmal abreißen, doch kommt es dabei wesentlich auf das Einspannen und auf die Schlingenbildung an.

„Was die Sachsenberg'sche Maschine überhaupt betrifft, so wüßte ich nichts zu tadeln, weder im Principe derselben noch in der tüchtigen fleißigen Ausführung der Maschine. Falls ich noch Bedarf |419| hätte andere aufzustellen, würde ich nur solche Sachsenberg'sche Maschinen wählen, weil diese Maschine von allen mir bekannten die beste ist.

„Was bei dieser Gelegenheit die Hertel'sche Maschine anlangt, so kann ich diese als eine Verbesserung nicht ansehen. Als einen besonderen Fehler muß ich es bezeichnen, daß bei dieser Maschine vielleicht 1/10 vom Thonstreifen, den sie liefert, als nutzlos verarbeitet, als werthlos geschaffen wird, und daß die Köpfe sämmtlich die Schnittflächen von den Drähten zeigen, also rauher sind als die Läufer.“

Ganz anders lautet dagegen folgendes mir aus Niederösterreich von einem der ersten Ziegelfabrikanten zugegangene Urtheil:

„Was die Maschine des Hrn. Hertel in Nienburg an d. Saale betrifft, so ist hier diese Maschine ebenso wie jene von Sachsenberg und Clayton wohl bekannt. Vorigen Herbst wurde bei uns eine Hertel'sche Maschine aufgestellt und werden dieser noch eine oder zwei ähnliche Maschinen nachfolgen. Die Versuche mit der ersten dieser Maschinen waren gut und man konnte, ungeachtet die Witterung nur einige Tage Arbeit gönnte, schon ersehen, daß Hertel's Maschine den Vorzug vor jenen des Clayton und Sachsenberg verdient.

In der Umgebung von Nienburg a. d. Saale arbeiten sowohl Hertel'sche als auch Sachsenberg'sche Maschinen und der Fachmann kann sich dort leicht von den Vor- und Nachtheilen derselben überzeugen.“

Cazenave's Abschneidevorrichtung.

Jedem Besucher der Londoner Industrie-Ausstellung von 1862, welcher sich für Ziegelmaschinen interessirte, wird der höchst einfache Mechanismus erinnerlich seyn, welchen der Pariser Mechaniker Cazenave vor der Mündung seiner Ziegelmaschine Fig. 11 angebracht hatte, um das Zerschneiden des aus der Presse tretenden Thonprisma in Mauersteine zu bewirken.

Seit dieser Zeit hat Armengaud 143) in Paris die ganze Cazenave'sche Maschine ausführlich beschrieben und abgebildet, ohne daß bis jetzt irgend eine deutsche Zeitschrift oder ein sonstiges geeignetes technisches Werk davon Notiz genommen hätte.

Indem ich hinsichtlich der ganzen Maschine (welche ebenfalls zu der Gattung gehört, wo ein continuirliches Thonband erzeugt und dieß in |420| Ziegel zerschnitten wird) auf die citirte Quelle verweisen muß, wende ich mich ausschließlich zu dem bemerkten Abschneidemechanismus.144)

Den Haupttheil des Abschneiders bildet eine Art von Haspel, bestehend aus zwei parallelen in verticalen Ebenen liegenden Armsystemen A, A, Fig. 11 und 12 (letztere Abbildung in größerem Maaßstabe), die mit ihren Naben C auf derselben Welle D in einer aus Fig. 12 erkennbaren Entfernung gehörig festgekeilt sind.

Zwischen je zwei der correspondirenden Arme A (mit eigenthümlicher Spannvorrichtung) sind Stahldrähte i (Fig. 12) befestigt und so gespannt, daß sie sämmtlich parallel zur Haspelwelle D gerichtet sind und zwar alle in derselben Entfernung (Fig. 12) von der Drehachse.

Der so gebildete Haspel ändert hinsichtlich seiner Drehachse seinen Ort in Bezug auf die ganze Ziegelpresse Fig. 11 nicht, kann sich aber mit seinen Wellzapfen in unverrückbaren Lagern drehen und zwar in der Richtung des dabei gezeichneten Pfeiles.

Diese Drehung des Haspels wird indeß nicht durch Uebertragung der Bewegung von den Preßcylindern P, P₁ oder von einem sonstigen Theile aus fortgepflanzt, der seine Bewegung direct oder indirect vom Motor empfängt, sondern von dem in fortschreitender Bewegung begriffenen Thonprisma T, welches die Presse heraustreibt. Wie diese Uebertragung der Bewegung zur Umdrehung des Haspels erfolgt, läßt sich leicht erklären, sobald man zuvor den aus der Presse kommenden Thonkörper und die Art und Weise seines Fortrückens etwas näher betrachtet.

Sobald nämlich die Thonmasse aus der (Fig. 14 besonders im Durchschnitt gezeichneten) Form M heraustritt, gelangt sie erst auf ein durch Walzen unterstütztes endloses Gummiband y, nachher aber vor einen Draht U, der an beiden Enden V und W festgehalten und gehörig gespannt ist. Hierdurch wird der Thonkörper in zwei neben einander parallel laufende Stränge geschnitten.

In der Fortsetzung wird der Thonstrang durch anderweit angebrachte Walzen r in seiner fortlaufenden Bewegung unterstützt. Bevor er jedoch die letztere r₁ dieser Walzen verläßt, schiebt man unter den |421| Strang von beiden Langseiten her Holzplättchen a, a₁ (von der Gestalt, wie solche namentlich aus der gleichzeitigen Betrachtung der Figuren 12 und 13 erhellt), welche durch ein zweites ebenfalls in Drehung befindliches Walzensystem G, G getragen und fortgeschoben werden. Diese tiefer liegenden Walzen G, G laufen mit ihren Endzapfen in zwei auf die hohe Kante gestellten Blechen F, deren Gestalt und Lage besonders aus Fig. 11 erhellt.

Vorerst rücken die Holzplättchen a, a (zu beiden Seiten für jeden Thonstrang eine aufeinanderfolgende Reihe) fort ohne mit den Thonsträngen in Berührung zu kommen. Sobald er jedoch die letzte Rolle r₁ verläßt, gelangt der Thonkörper auf die gedachten Holzplättchen und geht auf diesen ruhend (in derselben Richtung wie vorher) weiter. Eine mit ihren Zapfen in geschlitzten Lagern laufende größere Walze (von 150 Millimeter Durchmesser) erzeugt dabei einen Druck, wodurch das Uebergehen des Thones auf die Holzplättchen a noch mehr gesichert wird.

An jedem dieser Holzplättchen a ist nun an der auswärts vom Thonstrange befindlichen Seite ein vertical aufwärts gerichtetes dünnes Eisenblechstück b von der namentlich in Fig. 12 und 13 sichtbaren Form befestigt, welches mit dem betreffenden Holzplättchen ein Ganzes bildet und also mit diesem zugleich fortschreitet. Diejenige Kante dieser Eisenbleche, welche der Bewegungsrichtung zugekehrt und in Fig. 13 mit c bezeichnet ist, hat genau die verticale Richtung und trifft in weiterer Bewegung auf jeder Seite gleichzeitig eine Hülse, worin die Schneidedrähte i befestigt sind, ohne dabei irgendwie von den Thonprismen d₁, d₁ (Fig. 12) behindert zu werden, weil die Seiten derselben die verticalen Blechstücke b noch nicht berühren.

Durch den Druck der verticalen Blechkante c gegen den betreffenden Draht i (Fig. 12 und 13) entsteht nun eine Drehbewegung des (sonst unverrückbaren) Haspels A, A um seine Welle D, die sich in Bezug auf die Wirkung des Drahtes gegen den Thonstrang auf einen senkrecht gerichteten Schnitt des Drahtes reducirt, weil, während der ganzen ferneren Zeitdauer der Bewegung, die Kante o mit dem Drahte i in steter Berührung bleibt.

Daß nach dem Schneiden und somit Vollenden der Mauerziegel die Holzplättchen a, a₁ von beiden Seiten zugleich schnell entfernt werden müssen, damit nicht der Draht, welcher seinen Schnitt vollendete, gegen den noch vor ihm liegen gebliebenen Stein agirt, versteht sich wohl von selbst.

Daß ferner das Hinbringen und Wegnehmen der Holzplatten a, a |422| eine Arbeit ist, die mit Vorsicht und Schnelligkeit geschehen muß, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

Versuchsweise habe ich den Apparat während der Londoner Ausstellung mit Erfolg arbeiten sehen, indeß läßt sich daraus lange noch nicht auf die ernste praktische Verwendung schließen. Nach Armengaud (a. a. O. S. 491) sollen bei einem Hrn. Blot, der in den Departements Seine-Marne und Seine-Oise große Ziegeleien besitzt, die Cazenave'schen Maschinen zur Zufriedenheit arbeiten.

III. Maschinen zur Herstellung von Bauziegeln aus trockenem Thon.

Es ist eine bekannte Sache, daß sich die Nordamerikaner seit beinahe 20 Jahren und seit 1851 die Engländer bemühen eine Ziegelfabricationsmethode praktisch zu machen, wobei man das Rohmaterial und nicht die zu Steinen geformten Ziegel trocknet, überhaupt völlig trockenen oder durch nur etwas feuchten Thon verarbeitet, ein Verfahren, wodurch man in den Stand gesetzt wird, auch sehr unreinen, namentlich mit Steinen gemengten Thon verwenden zu können, wobei das oft lange dauernde Trocknen der Ziegel an der Luft wegfällt und der ganze Betrieb völlig unabhängig von Witterung und Jahreszeit gemacht wird.

Auf der Londoner Industrie-Ausstellung von 1862 wurde dieses System durch die Maschine von Bradley und Craven in Wakefield und von Wilson in Glasgow repräsentirt, während beide Maschinengattungen den Lesern englischer und deutscher technischer Zeitschriften längst bekannt waren.145)

Eine Bradley und Craven'sche Maschine sah Referent zur Zufriedenheit der Besitzer, während gedachter Ausstellung, neben einer Clayton'schen Maschine (für nassen Thon), unweit des Sydenhamer Krystallpalastes und zwar an einer Stelle arbeiten (beim Tunnelbau der London-Chatam-Dover-Bahn), wo der erforderliche Platz zur Errichtung von Schoppen, für den gewöhnlichen Proceß des Trocknens an der Luft, durchaus nicht zu beschaffen war.

Indeß erhob man gegen die Wirkungsweise und Arbeitsresultate beider genannten Maschinensysteme allerlei ökonomische und technische Bedenken, rühmte dagegen eine für gleiche Zwecke arbeitende Maschinencombination |423| der berühmten Spinnerei-Maschinen-Fabrikanten Platt und Comp. in Oldham unweit Manchester, wodurch ich veranlaßt wurde, letzteren Ort (Ende August 1862) zu besuchen.

Ich fand das Backstein-Maschinen-Werk im flotten Gange, das erzeugte Fabricat vortrefflich und auch damit mehrfache Gebäude (namentlich am Manchester-Bahnhofe in Oldham und unweit desselben) ausgeführt, wo die Mauersteine überall das äußere Ansehen hatten, als hätte man sie vorher dem Schleifprocesse unterworfen.

Der ganze Arbeitsgang (mit Ausnahme der Herbeiführung des rohen Thones in Handkarren aus geringer Entfernung) war dabei selbstthätig gemacht. Kleine eiserne Wagen führten den Thon zum Zwecke des Trocknens in gehörig langsamer Bewegung durch wohl 60 Fuß lange mit heißer Luft geheizte, horizontale, unmittelbar über der Erde erbaute und oben durch schwaches Dachwerk leicht bedeckte Oefen, worauf das so getrocknete Rohmaterial in Separircylindern von Steinen getrennt, mittelst Elevatoren in ein nebenstehendes Gebäude gehoben, dort gesiebt und endlich in einer ganz eigenthümlichen Maschine durch combinirten Schlag und Druck gepreßt wurde. In besonders dazu construirten Formkästen wurden immer vier Mauersteine auf einmal erzeugt und zwar dadurch, daß man denselben nacheinander zwei Fallwerkstöße und zuletzt eine zugleich von unten und oben auftretende Pressung ertheilte.

Durch die Güte eines meiner Jury-Collegen, des Hrn. Consulting Engineer Fothergill, welcher über diese Platt'sche Maschinerie vor einiger Zeit in der Birminghamer Institution of Mechanical Engineers Vortrag gehalten hatte, wurde mir ein Separatabdruck aus den Proceedings der genannten Gesellschaft mitgetheilt, dem ich die Abbildungen Fig. 1 bis incl. 8 entlehnte und zwar in der Hälfte des Maaßstabes der Quelle.

Mit Hinweglassung der Trockenöfen zeigen Fig. 1 und 2 das Gebäude, worin sich die weiteren Vorbereitungsmaschinen nebst der Presse befinden.

Der in vorbemerkter Weise getrocknete Thon wird in einer Grube Z gesammelt und von hier aus durch einen Elevator A dem Rumpfe einer Pulverisirungs-Steintrennungsmaschine B zugeführt.

Diese Maschine ist Fig. 3 u. 4 in größerem Maaßstabe und zwar im Quer- und Längendurchschnitt gezeichnet. Der Hauptsache nach bildet sie ein Sieb, dem ein Zerkleinerungsapparat beigegeben ist.

Die Welle C der ganzen Maschine ist unbeweglich gemacht, auf beide Enden derselben aber ein Armkreuz D lose und so aufgeschoben daß es mit seiner Nabe um C gedreht werden kann. Im Umfange oder |424| Ringe der Armkreuze sind starke schmiedeeiserne Stäbe E (Fig. 3 im Durchschnitt sichtbar) befestigt, die parallel zur Achse C gerichtet sind und einen keilförmigen Querschnitt haben, so daß nach außen hin die Oeffnungen zwischen je zwei Stäben weiter werden, um den Heraustritt des zerkleinten oder pulverisirten Materials möglichst zu erleichtern.

Nahe den beiden Enden des so gebildeten Siebes sind ferner auf die unbewegliche Achse C zwei Arme F ebenfalls lose aufgeschoben, die beide durch zwei (Fig. 4 punktirt angegebene) eiserne Stäbe zur gemeinschaftlichen Action vereinigt sind. Auf den einen dieser Stäbe hat man endlich noch eine ganze Reihe keil- oder hammerförmiger Klopfer G gleichfalls lose aufgeschoben, wovon jeder circa 3/4 Centner wiegt. Der zweite der genannten Stäbe bildet (wie aus Fig. 3 erhellt) für diese Klopfer G ein Auflager derartig, daß zwischen den äußersten Enden von G und den Stäben E noch ein Spielraum verbleibt, wodurch ein Treffen der Stäbe beim Leergange der Maschine verhindert wird. Die Umdrehung dieses ganzen Apparates (25mal per Minute) wird durch das Zahnräderpaar H, h bewirkt. Beim Arbeiten wird der getrocknete Thon mit allen fremden Bestandtheilen dem am oberen Ende befindlichen Rumpfe I (Fig. 4) zugeführt, die zerkleinte und pulverisirte Masse durch die Zwischenräume der Stäbe E getrieben, während alle Steine, Eisen-, Holzstücke etc. in der Achsenrichtung des Siebes einen Ausweg finden.

Der so gehörig zerkleinte Thon wird continuirlich durch einen Elevator K (Fig. 1) wieder aufwärts und auf ein feines kegelförmiges Sieb L geführt, wovon Fig. 5 und 6 Abbildungen im größeren Maaßstabe sind.

Aller durch die Siebmaschen gehende feinere Thon wird in der Röhre p unmittelbar der Presse M zugeführt, während die in der Achsenrichtung heraustretende gröbere Masse zwischen ein paar Walzen N nochmals zerkleint und sodann durch einen Canal O wieder dem ersten Elevator A übergeben wird.

Die eigentliche Ziegelpresse ist in Fig. 7 in der Vorderansicht und in Fig. 8 im senkrechten Profile (den Schnitt nach der Richtung MMH von Fig. 7 genommen) und zwar in 1/40 der wahren Größe gezeichnet.

Die beiden sehr starken Gestellständer A, A sind unterwärts auf den Fundamentplatten A¹ gehörig befestigt und oben durch ein kräftiges Querhaupt A₂ entsprechend vereinigt. B, B ist der Formtisch, worüber der Füllrahmen oder Aufgeber C hin- und herbewegt werden kann, während von D aus der vorbereitete (in der Regel aber wieder ein wenig angefeuchtete) Thon zugeführt wird. Ein verstellbarer Abstreicher E |425| (Fig. 8) regulirt die Menge des im Füllrahmen C aufgenommenen Thonpulvers.

Die Hin- und Herbewegung des Aufgebers C erfolgt durch das geeignete Schwingen eines Hebels F, der zu einem Winkelhebel F, F¹, F² gehört und um die Achse F¹ drehbar gemacht ist. Eine kurze Lenkstange m verbindet F mit C.

Auf die horizontale starke Welle H ist außerhalb des Gestelles ein kräftiger Hebedaumen G gekeilt, welcher bei seiner Umdrehung gegen den unteren Arm F² wirkt. Ferner ist auf derselben Welle H noch ein zweiter niedriger Daumen i (Fig. 8) befestigt, der bei jedem Umlaufe einmal gegen das untere Ende eines Preßstempels I wirkt, mit dem Körper K in directe Verbindung gebracht ist und an seinem oberen Ende den Untertheil der Ziegelform trägt. Uebrigens sind vier solche Stempel K und natürlich auch vier correspondirende Steinformen vorhanden.

Im oberen Theile des Gestelles A ist eine zweite kräftige Daumwelle L gelagert, welche beim Arbeiten mit der unteren Welle H gleichviel Umläufe macht und wozu die zusammengreifenden Zahnräder O und O¹ gleiche Durchmesser und Zähnezahlen haben.

Durch die betreffenden Hebedaumen R und S wird der geschlitzte Stempel M in Bewegung gesetzt, dessen unteres Ende N ebenfalls in vier verschiedene Preßkolben ausläuft, die übrigens in Gestalt und Lage mit den vier unteren Kolben K übereinstimmen und correspondiren.

Aus der Anordnung aller beweglichen Theile wird man jetzt leicht entnehmen, daß bei jeder Umdrehung der Wellen H und L die vier zu bildenden Mauersteine erst zwei Schläge und nachher noch einen starken Druck erfahren, welcher letztere durch die gleichzeitige Wirkung des Daumens i gegen I und der Scheibe T gegen eine Frictionsrolle U erzeugt wird.

Ueberdieß hat man H auch noch so gestaltet, daß dadurch die fertigen Steine selbstthätig aus der Form gehoben, durch C auf einen davor angebrachten Tisch V geschoben und daselbst abgenommen werden können.

Im oberen Theile des geschlitzten Stempels M ist endlich noch eine starke Gummifeder X befestigt, um das Aufschlagen von M gegen einen der Daumen R oder S unschädlich zu machen, im Falle vergessen worden wäre die Maschine vor dem Ingangsetzen mit Vorrath von Thonmehl zu versehen.

Bei meiner Anwesenheit wurden per Minute 28 bis 32 Mauersteine (immer vier auf einmal) von gewöhnlicher Größe erzeugt, was mit der Angabe des betreffenden Ingenieurs Hrn. W. Richardson |426| übereinstimmte, daß durch die Zusammenwirkung sämmtlicher Maschinerien in 10 Stunden mindestens 18,000 Steine fertig würden.

Die Total-Gestehungskosten per Tausend Stück solcher Mauersteine, das unmittelbar nach dem Pressen erfolgende Brennen mit eingerechnet, wurden mir zu 12 Shill. (4 Thaler) angegeben.

Nach Fothergill's Angabe soll die ganze Platt'sche Maschinerie für 1000 Pfd. Sterl. (beinahe 7000 Thaler) ausschließlich der Betriebsdampfmaschine und der Gebäude herzustellen seyn.

Was nun das Endurtheil über die erzeugten Mauerziegel und über das Verfahren überhaupt anlangt, so hat sich bis jetzt aus den gewonnenen Erfahrungen ein völlig entscheidendes Resultat noch nicht gewinnen lassen.

Bezeugen kann ich, daß das oft erhobene Bedenken gegen aus trockenem Thon erzeugte Mauersteine, ob die Structur im Innern, ihrem schönen äußeren Ansehen völlig entspreche, mindestens bei den mit den Platt'schen Maschinen fabricirten Steinen nicht begründet ist, so weit ich nämlich in Oldham Gelegenheit fand fertige Steine zu untersuchen. Ebenso ist die Frage nach der Zerdrückungsfestigkeit dieser Mauersteine durch zuverlässige Versuche noch nicht beantwortet, obwohl man mir sowohl beim Bauen des früher erwähnten Tunnels unweit Sydenham, als auch bei Häuserbauten in Oldham nur günstige Angaben machte. Zu bestätigen scheint sich dagegen die ebenfalls schon ältere Behauptung, daß das Brennen dieser stark gepreßten Ziegel (80 bis 100 Pfd. per Quadratzoll Druck) mehr Feuerungsmaterial und größeren Zeitaufwand erfordert. Ein sehr scharfes Brennen scheint aber unerläßlich, sobald sie namentlich nicht leicht Wasser aufnehmen sollen. So kommt es überhaupt, daß sich das specifische Gewicht solcher Ziegel bis auf 2,3 erhöht, während es bei aus nassem Thone erzeugten Steinen 1,87 bis 2,0 beträgt. Daß das hieraus folgende größere absolute Gewicht der Steine aus trockenem Thone bei vielen Bauzwecken nicht vortheilhaft ist, versteht sich wohl von selbst.

Unbeantwortet ist ferner auch noch die Frage, wie sich der ganze Maschinencomplex hinsichtlich Abnutzung und Reparaturen zeigen wird.

Das allergrößte Bedenken dürfte zuletzt der künstliche Trockenproceß des Thones vor seiner Verarbeitung erregen und zwar sowohl in Bezug auf Zeit- wie Geldaufwand.

Alles dieß zusammengefaßt, scheint erstens (entsprechend dem, was schon oben berichtet wurde) diese ganze Mauersteinfabrication, alle technischen Einwürfe unbeachtet gelassen, nur dann rentabel zu seyn, wenn es sich um sehr große Productionsquanta (jährlich mindestens 8 |427| bis 10 Millionen Steine) handelt, so wie zweitens, daß es selbst für Fälle letzterer Art zunächst rathsam seyn dürfte, Amerikaner und Engländer noch mehr experimentiren zu lassen, bevor man deutschen Unternehmern diese Fabricationsmethode ohne Weiteres empfehlen kann.

|408|

Diese Mannschaft vertheilt sich für jeden der beiden Tische (à 6 Mann) wie folgt:

1 Former,

1 Vorformer,

1 Junge zum Abtragen der Steine,

1 Zubringer für fertigen Thon,

1 Anfahrer rohen Thones zur Fahr- oder Knetmaschine (womit der Thon durch zwei in Spirallinien laufende Wagenräder bearbeitet wird und wovon sich eine Abbildung in Muspratt-Stohmann's „Chemie in Anwendung auf Künste und Gewerbe,“ Anhang, Artikel „Thonwaaren“ Seite 147 vorfindet);

1 Mann, welcher das Aufnehmen und Wegstauen der trocken gewordenen Steine zum Freimachen des Platzes für neue Fabricate zu besorgen hat.

|408|

Die fragliche Ziegelei hat überhaupt eine Belegschaft von 20 erwachsenen Personen (aus dem Lippe'schen) nebst 3 Jungen.

Außer den 12 Personen an den beiden angeführten Mauersteintischen werden von den übrigen folgende Arbeiten verrichtet:

7 Mann besorgen das Einsetzen der Steine in die Oefen und das Wiederausbringen derselben nach dem Brennen. Auch müssen diese die trockenen Steine aus der ganzen Ziegelei zusammenholen, die erforderlichen Rüstungen von einem Ofen zum anderen transportiren u.s.w.

3 Mann besorgen das Brennen der Oefen und sonstige Nebenarbeiten, und 1 Mann hat die Pferde zum Zerkleinen und Fertigmachen des Thons in der Fahrmaschine zu treiben.

Einsetzer und Brenner erhalten Tagelohn, und zwar 4 Thlr. pro Woche und der Pferdetreiber 3 bis 3 1/2 Thlr. pro Woche.

|409|

Der Preis dieser (in Fig. 1619 abgebildeten) Ziegelmaschine, eine Combination von Thonwalzwerk, Knetmaschine und Formpresse, wurde zu 330 Pfd. Sterl. franco London angegeben.

Nach dem mir vorliegenden Preiscourante der in Deutschland mehrfach belobten Sachsenberg'schen Ziegelmaschinen kostet eine solche, einschließlich completen Thonschneiders: 925 Thlr., und soll pro Stunde etwa 1000 Vollsteine gewöhnlicher Größe liefern. Dabei rathen die Fabrikanten als Betriebsmittel eine Locomobile von 6 bis 8 Maschinenpferden anzuschaffen.

Die (bis auf den Schneideapparat) ähnlich wie die Clayton'sche combinirte Ziegelmaschine des Hrn. Hertel in Nienburg a. d. Saale soll nach dem Preiscourante dieses Herren 1100 Thlr. kosten und per Stunde 1000 Mauersteine unter Anwendung einer Dampfmaschine von 8 bis 10 Maschinenpferden erzeugen.

Nach Schlickeysen's (in Berlin) gedruckten „Mittheilungen über die Leistungen seiner Patent-Universal-Ziegelpresse,“ kostet dessen größte Ziegelmaschine 1250 Thaler, womit täglich 12000 bis 16000 Vollziegel gepreßt werden sollen, während eine Betriebsdampfmaschine von 6 bis 8 Maschinenpferden erfordert wird.

Die Zahl der Bedienungsmannschaft ist bei diesen letzteren drei Maschinengattungen ungefähr dieselbe. Wie weit diesen Leistungsangaben bei den verschiedenen Maschinen entsprochen wird, kann ich nach eigener Erfahrung nicht entscheiden.

|411|

Ich referire hier genau, ohne letztere Ansichten völlig zu theilen.

|412|

Der Preis für 1000 Stück Mauersteine (von 11 1/8 Zoll hannov. Länge, 5 3/8 Zoll Breite, 2 1/2 Zoll Dicke) war mindestens 10 Thaler, während sie jetzt überall für 7 Thaler zu haben sind.

|413|

Man sehe weiter unten die Urtheile über die Maschinen von Hertel in Nienburg an der Saale.

|414|

Die vollständige Literatur über Maschinen zur Ziegelfabrication findet man in dem empfehlenswerthen Buche Heusinger's von Waldegg: „die Kalk-, Ziegel- und Röhrenbrennerei.“ Leipzig 1861, S. 255 u. ff.

|414|

Beschrieben und abgebildet im Civilingenieur Bd. IX S. 399; daraus S. 266 in diesem Bande des polytechn. Journals.

|414|

S. 403 in diesem Bande des polytechn. Journals.

|414|

Heusinger v. Waldegg a. a. O. S. 246, 254, 263.

|414|

In M. Eyth's trefflichem Artikel „die Backsteinmaschinen auf der Leeds Ausstellung im Jahre 1861“ im polytechn. Journal Bd. CLXII S. 92 wird über Clayton's Maschine (die in Leeds nicht vertreten war) bemerkt, „daß sie noch immer eine Combination des horizontalen und verticalen Systems sey, wodurch der Fabrikant, eine beträchtliche Menge Geschicklichkeit und Geduld an ein solches System verschwendet habe.“ Seit dieser Zeit hat Clayton diesen Vorwurf beseitigt, wie Fig. 16 ohne Weiteres erkennen läßt.

|414|

Auch ist es dieselbe Maschine, welche ich in England an vielen Orten arbeiten sah und deren Leistungsfähigkeit oben S. 409 angegeben wurde.

|419|

Publication industrielle t. XIV p. 479, planche 38.

|420|

Ausnahme hiervon macht nur die Detailfigur 15 als Darstellung einer anderen Eigenthümlichkeit der Cazenave'schen Ziegelmaschine.

Es ist nämlich daselbst mit α, α die Wanddicke einer der beiden großen gußeisernen Preßwalzen (P, PFig. 11) bezeichnet, während β, β einen Gypsüberzug andeuten soll, der den Mantel der Walzen überall umgibt. Ueber letztere Fläche als Grundlage ist endlich Sohlleder γ, γ straff ausgebreitet, um beim Arbeiten das Anhaften des Thons zu verhindern. Die freien Enden dieser Lederstreifen sind um Bolzen δ geschlungen und befestigt, damit durch die Drehung derselben ein gehöriges Anspannen bewirkt werden kann.

|422|

Die Maschine von Bradley und Craven, wobei der Thon staubtrocken verarbeitet wird, ist beschrieben in dem Bericht des Ingenieurs Eyth „über die Backsteinmaschinen auf der landwirthschaftlichen Ausstellung in Leeds im J. 1861“ im polytechn. Journal Bd. CLXII S. 175.

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