Titel: Ueber die Feuergefährlichkeit des Schieferöls; von J. Hauff, chem. Director der Schieferölfabrik in Reutlingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 12 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi01_12
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Ueber die Feuergefährlichkeit des Schieferöls; von J. Hauff, chem. Director der Schieferölfabrik in Reutlingen.

In der deutschen Industriezeitung Nr. 42 findet sich ein Auszug aus einer Arbeit von G. E. Wittstein aus der Vierteljahresschrift für Pharmacie, worin verschiedene Oele in Beziehung auf Feuergefährlichkeit und sonstige Eigenschaften verglichen sind. Hiernach wäre das Schieferöl das am leichtesten entzündbare, was einiger Berichtigung bedarf.

Das rohe Schieferöl, wie es aus den Retorten kommt, ist ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen von verschiedenem Siedepunkt und specifischem Gewicht, ebenso wie das rohe Oel aus Braunkohlen etc., und es können daraus bei der Reinigung durch fractionirte Destillation in Beziehung auf specifisches Gewicht und Entzündbarkeit verschiedenartige Producte hergestellt werden (von denen jedes mit dem gleichen Recht den Namen Schieferöl führt).

Dieß geschieht nun in der That, indem die erst in neuerer Zeit zu einem befriedigenden Abschluß gekommene Entwickelung der Lampenfabrication dieß erheischt.

Zu den Lampen mit flachem Docht, wie solche vor dem Bekanntwerden der amerikanischen Erdöllampen fabricirt wurden, sind im allgemeinen keine Oele zu verwenden, deren Siedepunkt über 300° C. liegt, das hierfür erforderliche Oel enthält daher die flüchtigsten Oele des rohen Oels. Dieses Oel scheint der Verfasser der gedachten Abhandlung untersucht zu haben.

Die amerikanischen Lampen, welche sich im Wesentlichen durch dickeren Docht und geringere Höhe des Brenners von den seitherigen unterscheiden und die nach diesem Princip auf dem Continent hergestellten Lampen, gestatten Oele, deren Siedepunkt bedeutend höher liegt. Das für solche Lampen passende Oel enthält bis zu 40 Procent von Oelen, deren Siedepunkt über 300° C. liegt.

Hierdurch wird die Entzündbarkeit desselben bedeutend reducirt und wird sich derjenigen vom Photogen in gedachter Abhandlung etwa gleichstellen.

Dieses Oel ist gegenwärtig der Verbreitung der dazu geeigneten Lampen entsprechend, weitaus das Hauptproduct aus dem rohen Schieferöl, zudem die Fabrication desselben weit vortheilhafter ist, als die des leichter flüchtigen, welches in geringerer Quantität für die immer mehr abnehmende Zahl der ursprünglichen Lampen fabricirt wird.

Der Verfasser behält sich vor, in einem späteren Artikel noch specieller auf diese Verhältnisse einzugehen. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1863, Nr. 47.)

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