Titel: Ein rother Farbstoff aus der Brassica purpurea.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 10 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi02_10
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Ein rother Farbstoff aus der Brassica purpurea.

Ein neuer Farbstoff, welcher bei verhältnißmäßiger Billigkeit die verschiedensten Nüancen in Roth darzustellen erlaubt, erscheint von Interesse für die Färberei; es verdienen daher die Versuche, welche der Franzose Ferd. Jean vor kurzem mit dem Farbstoffe der Brassica purpurea (purpurblättriger Kohl) angestellt und in Armengaud's Génie industriel, October 1863, S. 181 veröffentlicht hat, wegen der gewonnenen günstigen Resultate Beachtung.

Dieser Stoff, der nur auf der Epidermis der Blätter in Form von intensiv purpurrothen Schüppchen auftritt, wurde mit Wasser ausgezogen und es gab die Lösung folgende Reactionen:

mit Mineralsäuren: sehr lebhafte kirschrothe Färbung, namentlich
mit concentrirten Säuren;
mit caustischen Alkalien: erst eine violette dann eine blaue, bei einem kleinen
Ueberschüsse eine grüne, bei größerem eine gelbe
Färbung;
mit kohlensauren Alkalien: wie mit den caustischen, nur nicht die gelbe Färbung;
mit essigsaurem Bleioxyd: einen hellblauen Niederschlag, der mit Ammoniak
grün wird;
mit Zinnchlorür (Zinnsalz): einen schön violetten Niederschlag;
mit Quecksilbersalzen: wie mit Zinnsalz; bei kleinem Zusatze rosa u. lila;
mit essigsaurer und
schwefelsaurer Thonerde:

lila
, durch die Zwischennüancen in violett übergehend.

Die im Wasser lösliche färbende Substanz besteht aus 92,5 Proc. Wasser und 8,35 Proc. festen Bestandtheilen. Um den reinen Farbstoff darzustellen, wurde der mit essigsaurem Bleioxyd erhaltene, ausgewaschene Niederschlag in destillirtem Wasser suspendirt das Blei mit Schwefelwasserstoff gefällt und filtrirt. Das im Wasserbade abgedampfte Filtrat gab eine farbige Substanz, die nach der Behandlung mit wasserfreiem Alkohol einen unlöslichen weißen Rückstand ließ. Nach langsamem Verdampfen der alkoholischen Flüssigkeit blieb der reine Farbstoff in kleinen lebhaft kirschrothen Schuppen zurück, die sich in Wasser, Alkohol, Aether und Säuren lösen. Die Färbeversuche ergaben, daß der Farbstoff auf Wolle schwer haftet, für Baumwolle aber und namentlich für Seide eine stärkere Verwandtschaft besitzt; ohne Beizen kann man nicht mit ihm färben. Das Bad hat aus Brassica purpurea, mit Essigsäure etwas angesäuertem Wasser und der Beize zu bestehen; man läßt seine Temperatur von 80° C. auf 45° sinken, taucht die passend vorbereiteten Gewebe ein und erwärmt sehr allmählich bis zu 60°, wo die Operation beendet ist. Alaun mit einem Zusatze von Weinstein gibt ein sehr schönes Violett; kleine Mengen von Quecksilbersalzen geben Nüancen in Rosa, ebenso schön wie das mit Safflor erhaltene, in Kirschroth, Lila und Pensée. Zinnsalz wirkt wie Alaun; läßt man die gefärbten Substanzen durch ein schwaches Sodabad passiren, so erhält man ein sehr frisches Grün. Die mit Zinnsalz- und Alaunbeizen gefärbten Stoffe zeigten, nachdem sie acht Tage dem Sonnenlichte ausgesetzt waren, keine Veränderung; das Rosa und Kirschroth ist ziemlich vergänglich, aber weniger als durch Safflor erhaltene; das Grün wird am Sonnenlichte nach einigen Tagen gelb; durch Chlorwasser werden die Stoffe entfärbt. Wegen der Leichtigkeit übrigens, mit welcher die wässerige Lösung aus der Brassica purpurea durch Säuren roth und durch Alkalien grün gefärbt wird, könnte sie vielleicht in den chemischen Laboratorien zum Ersatze der Lackmustinctur verwendet werden. (Deutsche Industriezeitung, 1863, Nr. 45.)

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