Titel: Unterscheidung des echten Colonial-Rums vom unechten, sogenannten Façon-Rum; von Dr. Wiederhold.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 16 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi02_16

Unterscheidung des echten Colonial-Rums vom unechten, sogenannten Façon-Rum; von Dr. Wiederhold.

Im Spirituosen-Handel verkauft man jetzt fast allgemein unter dem Namen Rum zwei wesentlich verschiedene Getränke. Das eine ist der echte oder Colonial-Rum, welcher aus Zuckerrohrsaft in der seit alten Zeiten üblichen Weise vorzugsweise auf Jamaika und den westindischen Inseln bereitet und von dort nach Europa eingeführt wird. Vor anderen alkoholischen Getränken zeichnet sich der echte Rum durch ein specifisches Aroma aus. Selten kommt derselbe in natürlicher Reinheit in die Hände der Consumenten. Die gewöhnlichste Procedur, welche mit demselben vorgenommen wird, ist das sogenannte Verschneiden, d.h. eine Verdünnung durch Wasser oder wässerigen Weingeist. Eine zweite Gattung von Rum wird aus mit Wasser gehörig verdünntem Weingeist dargestellt, zu welchem man gewisse auf chemischem Wege bereitete Substanzen setzt, welche dem Getränke einen dem ächten Rum ähnlichen Geruch und Geschmack ertheilen sollen. Solche Substanzen sind: Essigäther, Salpeterätherweingeist, Buttersäureäther, Birkenöltinctur, Glanzrußtinctur, Eichenrindentinctur, Vanilleessenz u.s.w. Man hat es in diesem Industriezweige schon ziemlich weit gebracht und belegt die Fabricate, welche nach den verschiedenartigsten Recepten dargestellt werden, insgesammt mit der sonderbaren Bezeichnung „Façon-Rum.“ Dem consumirenden Publicum gegenüber ist dieser Name weniger in Gebrauch und wird hier durch Qualitätsbezeichnungen, als ordinärer Rum u.s.w. ersetzt. Bei Gelegenheit einer Untersuchung über den Unterschied zwischen echtem und unechtem Rum habe ich folgende einfache Probe ermittelt.

Vermischt man 10 Kubikcentimeter von dem zu untersuchenden Rum mit 3 Kubikcentimetern concentrirter englischer Schwefelsäure von 1,84 spec. Gewicht, so bleibt bei dem Erkalten der gehörig gemischten Flüssigkeit bei echtem Rum das specifische Aroma beständig und ist selbst nach Verlauf von 24 Stunden noch wahrzunehmen, während dasselbe bei sogenanntem Façon-Rum verschwindet. Für echten Rum ist die Probe so empfindlich, daß ein mit wässerigem Weingeist verschnittener Rum, welcher nur 10 Procent echten Rum enthält, nach der Behandlung mit Schwefelsäure noch recht deutlich erkennbar seinen Rumgeruch beibehält.

Eben so erwies sich die Probe für alle Arten von Façon-Rum, welche mir für die Untersuchung zu Gebote standen, als zutreffend. Die specifischen Riechstoffe des nachgemachten Rums scheinen entweder durch die Schwefelsäure zerstört oder bei der starken Erwärmung der Flüssigkeit verflüchtigt zu werden. (Neue Gewerbeblätter für Kurhessen, 1863 S. 265.)

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