Titel: Neuer Röstapparat für Kupfererze, Zinkblende etc., behufs der Schwefelsäure-Fabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 5 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi02_5
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Neuer Röstapparat für Kupfererze, Zinkblende etc., behufs der Schwefelsäure-Fabrication.

Statt der Röstung von Schwefelmetallen in freien Haufen auf einer Holzunterlage ist an mehreren Orten mit größtem Vortheil die Röstung in kleinen Schachtöfen (Kilns) eingeführt, welche – von abgestumpft pyramidaler Gestalt, die große Grundfläche nach oben – eine vollständigere Abröstung fast ohne alles Brennmaterial und die Benutzung der schwefligen Säure zur Darstellung von Schwefelsäure zulassen. So wird z.B. zur Zeit in Oker am Unterharze eine dritte große Schwefelsäurefabrik gebaut, deren Betrieb auf die Abröstung des Rammelsberger Kupfer-, Melir- und theilweise auch der Bleierze in solchen Kilns basirt ist. Es lassen sich in diesen Schachtöfen aber zweckmäßig nur Erze in Stückform verarbeiten; Schliege müssen deßhalb zuvor mit Thon eingebunden und zu Stöckeln geformt werden, wenn man sie nicht mit einem größeren Aufwand an Arbeitslöhnen und Brennmaterial in Muffelflammöfen rösten will. Auf diese Weise hat man in Freiberg die bei der Aufbereitung erfolgenden kiesigen Schliege, in Stöckel geformt, zur Darstellung von Schwefelsäure benutzt, wobei aber nicht zu vermeiden ist, daß immer ein größerer Theil in den Kilns nicht zersetzter Luft mit der schwefligen Säure in die Bleikammern gelangt. Auch veranlaßt die Stöckelbildung besondere Kosten.

Neuerdings hat nun Gerstenhöfer in Freiberg gelehrt, die Schliege direct in einem Schachtofen fast ohne alles Brennmaterial, ohne Stöckelbildung, vollständiger als früher und bei besserer Regulirung des Zutrittes von Luft und schwefliger Säure in die Bleikammern abzurösten. Der patentirte Ofen soll auf dem Principe beruhen, daß der oben in den Schacht durch Walzen continuirlich eingeführte Schlieg zunächst auf eine Reihe horizontal neben einander in gewissen Zwischenräumen liegender Bänke von feuerfesten Ziegeln gelangt, dann bei fortgesetztem Erzzutritt durch die Zwischenräume auf eine zweite Bankreihe fällt, welche mit den Zwischenräumen der oberen correspondirt und so noch mehrere Reihen passirt, bis derselbe unten gut abgeröstet ankommt. Beim Inbetriebsetzen soll der Ofen zunächst durch eine Feuerung an der Sohle glühend gemacht werden, so daß die herabfallenden Schliege Rösttemperatur vorfinden, sich entzünden und während des Herabfallens in allseitiger Berührung mit Luft von selbst fortrösten. Ein Gebläse führt Oxydationswind von schwacher Pressung hinzu und kann die Temperatur durch mehr oder weniger starke Erhitzung der Gebläseluft regulirt werden. Der patentirte Ofen soll auch zum Rösten der Zinkblende sehr geeignet und auf Freiberger Hütten mit Vortheil im Betriebe seyn. Da noch nichts näheres über denselben bekannt geworden, so mögen diese kurzen Andeutungen dazu dienen, auf diesen gewiß in vielen Fällen anwendbaren Apparat aufmerksam zu machen, der seinem Erfinder sowohl, als auch denen, welche ihn unter dessen Mitwirkung anwenden, eine reiche Quelle des Gewinnes werden möge. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1864, Nr. 1.)

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