Titel: Zu Leschot's Bohrmethode mit Diamantarmirung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 1 (S. 230–231)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi03_1

Zu Leschot's Bohrmethode mit Diamantarmirung.

Im polytechn. Journal Bd. CLXVII S. 395 und Bd. CLXIX S. 472 wurden Notizen über Leschot's neue Methode der Gesteinsbohrung mittelst hohler, mit schwarzem Diamant armirter Meißel mitgetheilt. Genaueres berichtet darüber das Journal La science pour tous und daraus der „Berggeist“ (1863, Nr. 96) im Folgenden:

„Hr. Leschot hat seiner Vorrichtung den Hohlbohrer des Zimmermanns zu Grunde gelegt welcher durch eine drehende und fortschreitende Bewegung in das feste Holz eindringt und davon schwache Späne ablöst. Dabei hat es aber Hr. L. vermieden, die ganze Höhlung des Bohrloches durch dieses Gezäh auf einmal herstellen zu |231| wollen, er hat vielmehr einen röhrenförmigen Bohrer angegeben, welcher eine ringförmige Höhlung um den in der Achse des Bohrloches stehen bleibenden festen Kern herstellt. Bei dieser Einrichtung wird die zu leistende Arbeit bedeutend vermindert, also auch sehr viel an Zeit und Arbeitslohn gespart, während der cylindrische Kern dann leicht von seiner Basis abgestoßen und herausgebrochen werden kann. Der Haupttheil dieses Gezähes ist ein Rohr, dessen äußerer Durchmesser der Weite des Bohrloches, und dessen innerer Durchmesser der Stärke des stehen zu lassenden Kernes entspricht. Am Ende desselben ist mittelst Bajonnetteschloß das eigentliche bohrende Werkzeug, nämlich ein Rohr von gleichem Durchmesser aber bloß einigen Centimetern Länge befestigt, welches auf seiner Stirnfläche eine Menge Grübchen zur Aufnahme von schwarzen Diamanten enthält. Die letzteren greifen bei der drehenden und fortschreitenden Bewegung, welche der Bohrer durch irgendeinen passenden Mechanismus mitgetheilt erhält, das Gestein sehr kräftig an und stellen das gewünschte ringförmige Loch her, welches durch einen continuirlich und mit einem passenden Drucke dagegen gespritzten Wasserstrahl stets rein gehalten wird. Bei Versuchen, welche mit diesem Bohrgezäh angestellt wurden, erzeugte ein Mann, der an einer Kurbel drehte, in der Minute in Granit ein 10 bis 12 Millimeter tiefes Loch von 46 Millimeter Durchmesser und 30 Millimeter starkem Kern. Andere Versuche mit Granit von Cherbourg, Protogyn vom Mont-Blanc und Jaspis aus Savoyen gaben das Resultat, daß ein Mann an der Kurbel stündlich 0,6, ein Mann an einem Riemenvorgelege 1,5 Meter Loch von 5 Centimeter Durchmesser bohren konnte. Nachdem mehr als 25 Meter noch in den härtesten Gesteinen gebohrt waren, zeigten sich die Spitzen der Diamanten nicht merklich abgenützt. Der Werth dieser Diamanten beträgt 135 Frcs., und wenn sie bis auf die Fassung abgerieben sind, so kann der Rest noch für circa 100 Frcs. als Material zum Schleifen der Juwelen verwendet werden. Es ist freilich fraglich, ob die Diamanten bei den Stößen, welchen ein solcher Bohrapparat immer ausgesetzt sehn wird, nicht abbrechen könnten, und muß hierüber erst die Erfahrung abgewartet werden; indessen läßt sich so viel behaupten, daß der Leschot'sche Röhrenbohrer seines geringen Umfanges halber und wegen der Leichtigkeit seiner Aufstellung für den Grubenbetrieb sehr geeignet seyn muß. Man kann ihn nach jeder Richtung arbeiten lassen, was eine hauptsächliche Bedingung für derartige Apparate ist. – Wir bedauern daß die Notiz, welcher wir Vorstehendes entlehnen, keine weiteren Angaben über die Mechanismen zur Bewegung bietet, da diese Mechanismen sehr viel Aufmerksamkeit verdienen und sogleich unpraktisch werden, sobald sie einigermaßen complicirt sind, wie bei vielen ähnlichen in Amerika erfundenen Apparaten.“

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