Titel: Die künstliche Befruchtung der Getreide-Pflanzen nach Hooibrenk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 15 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi03_15

Die künstliche Befruchtung der Getreide-Pflanzen nach Hooibrenk.

Die Vorschläge des Hrn. Hooibrenk zur künstlichen Befruchtung der Cerealien (worüber im polytechn. Journal Bd. CLXX S. 399 berichtet wurde), fahren in Frankreich fort, sowohl die höheren Regionen der Regierung, als auch die wissenschaftlichen Kreise zu beschäftigen; denselben ward sogar die hohe Ehre einer ausführlichen Erwähnung in der feierlichen „Darstellung der Lage des Reichs (Exposé de la situation de l'Empire),“ welche der Kaiser jährlich den Kammern übersendet. Die bei den Versuchen in Sillery erreichten Resultate scheinen wenigstens so direct von der künstlichen Befruchtung herzustammen, daß man es für Gewissenspflicht hielt, die Sache gründlich zu prüfen. Eine Commission ist also ernannt worden und als deren Präsident fungirt der Marschall Graf Vaillant, Minister des kaiserlichen Hauses, Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Die Commission ladet alle die sich dafür interessiren ein, an den Versuchen Theil zu nehmen und die Resultate einzusenden. Natürlich ist die |239| Aufforderung von Instructionen begleitet, welche sowohl die in Rede stehende Methode beschreiben, als auch die Einheit der Versuche erstreben. Hier nun die nöthigen Auszüge.

H. Hooibrenk empfiehlt zweierlei Operationen: 1) die Cerealien bald nach ihrem Aufgehen drei oder viermal zu walzen; 2) dieselben zur Blüthezeit künstlich zu befruchten. Zum erstenmal wird gewalzt, wenn die Hälmchen etwa 3 bis 4 Zoll hoch sind; zum zweitenmale fünf, sechs oder sieben Tage später; zum drittenmale nach einer ähnlichen Zwischenzeit. Das Walzen muß jedesmal in derselben Richtung stattfinden, damit die Pflanze immer nach derselben Seite hin gebogen werde. Die Winterfrucht, welche schon im Herbste gewalzt worden ist, muß noch im Frühling, wenn die Vegetation wieder beginnt, ein oder zweimal gewalzt werden. Die Walze muß cannelirt seyn und ungefähr das Gewicht der Landeswalze haben. (Modelle werden den Versuchslustigen gesendet.) Sollte im Winter der Frost den Boden gehoben haben, so muß er mit der gewöhnlichen Walze einfach wieder beigedrückt werden, wenn er mit Winterfrucht bestellt ist. Rübsaat und Mais werden nicht gewalzt. Die künstliche Befruchtung findet statt, sobald die Blüthe beginnt. Der anzuwendende Apparat besteht aus einem 20 bis 25 Meter (60–75') langen Seile, an dem 2 Fuß lange, dicht stehende, grob wollene Fransen hängen. Alle 4 Zoll ist ein Schrotkorn an eine der Fransen befestigt. Die Fransen werden mit etwas – sehr wenig – Honig bestrichen, indem man die mit etwas Honig benetzten Finger an denselben abreibt. Zur Bewerkstelligung der künstlichen Befruchtung wird das Seil auf das Getreidefeld gebracht und so getragen, daß die Fransen die Aehren in ihrer ganzen Länge einwickeln. Drei Männer tragen das Seil, einer an jedem Ende und einer in der Mitte; letzterer muß dem Seile eine kleine Bewegung geben, damit die Aehren bei der Berührung geschüttelt werden. Die Operation wird dreimal wiederholt, je nach einem Zwischenraum von einem oder zwei Tagen und bei ruhigem Wetter. Das erstemal muß sie, wo möglich, in der Richtung von Osten nach Westen, zum zweitenmal von Westen nach Osten stattfinden. Beim drittenmal kann die Richtung nach Belieben seyn. Die Operation, besonders wenn Thau gefallen ist, darf nicht vor 10 Uhr Morgens begonnen werden, und keinesfalls bei Regenwetter. Man verfährt mit Rübsamen, Haidekorn und Mais wie für Getreide, nur müssen für Mais die Schrotkörner etwas schwerer seyn. Nach dem Gebrauch für die Befruchtung einer Pflanzenart muß der Apparat gewaschen werden, ehe man ihn für eine andere Pflanze anwendet.

Die Instructionen verlangen, daß man die Versuche auf folgende Weise ausführe: 1) Man suche ein in seinen Theilen möglichst gleichartiges Feld, besonders was Boden, Düngung und Lage betrifft, dabei sey es fern von Wäldern oder zu dichten Baumgruppen. 2) Man theile das Feld in 4 Streifen, und trenne sie durch einen Pfad. Die eine Abtheilung bearbeite man auf die landesübliche Weise; auf der zweiten walze man ohne künstlich zu befruchten; auf der dritten walze man und wende die künstliche Befruchtungsmethode an; auf der vierten walze man nicht, gebrauche aber den Befruchtungs-Apparat. Läßt sich das Feld nicht in Streifen theilen, so müssen jedenfalls die Abtheilungen so gleichartig als möglich seyn. 3) Die Ernte muß in allen vier Abtheilungen zu gleicher Zeit stattfinden. 4) Von jeder Abtheilung dresche man allein das Product und zwar mit derselben Maschine, welche jedesmal sorgfältig gereinigt wird. Man wäge und messe einzeln die Körner von jeder Abtheilung. Ebenso das Stroh. 5) Beim Ernten zähle man genau die Zahl der Halme, welche ein Quadratmeter in jeder Abtheilung enthält, wobei man so viel als möglich eine Stelle, welche den durchschnittlichen Bestand repräsentirt, aussucht. 6) Die Halme dieses Quadratmeters werden sorgfältig und mit ihren Wurzeln herausgenommen; man binde sie in eine Garbe und versehe sie mit einer Etiquette, welche ihren Ursprung angibt. Diese Garben sollen wohl eingepackt und mit den nöthigen Angaben in Kisten an den Minister des kaiserlichen Hauses gesendet werden. 7 Tabellen enthalten die Aufzählung der gewünschten Angaben. (Wochenblatt zu den preußischen Annalen der Landwirthschaft, 1864, Nr. 1.)

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