Titel: Ueber Modellirthon mit Glycerin; von Prof. Haas in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 6 (S. 233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi03_6

Ueber Modellirthon mit Glycerin; von Prof. Haas in Stuttgart.

Schon vor längerer Zeit wurde in den technischen Journalen Glycerin als Mittel empfohlen, den Modellirthon fortwährend plastisch zu erhalten. Versuche, die ich unlängst darüber anstellte, bestätigten die Sache vollständig, sofern ein solcher Thon schon vor zwei Monaten mit Glycerin angemacht, und fortwährend im warmen Zimmer gelegen, sich heutigen Tages noch so plastisch zeigt, wie anfangs. Bei diesen Versuchen wurde der Thon zunächst ganz ausgetrocknet, dann sein gepulvert und ihm endlich die nöthige Menge Glycerin eingemengt. Dasselbe hat ein specifisches Gewicht von 1,231 (= 27° Baumé). Wird dem Thone, so lange er noch feucht ist, das Glycerin beigemengt, so tritt nachher noch Wasserverdunstung ein, in Folge dessen derselbe seine plastische Eigenschaft einbüßt.

Weniger günstig für die Sache gestaltet sich der Kostenpunkt. Für ein Pfund trockenen Thons waren 227 Gramme = 14,5 Loth Glycerin erforderlich und damit wurden 15 Kubikzoll plastischen Thons erhalten; für einen Kubikfuß wären demnach 30 Pfund nöthig. Der Centner Glycerin (26–280) kann von Jobst in Stuttgart bei Abnahme einer ganzen Korbflasche um 22 fl. bezogen werden, bei größeren Partien noch billiger. 30 Pfund kommen demnach auf 6 fl. 36 kr. zu stehen. Zieht man in Erwägung, daß bei kleineren Versuchen immer ein gewisser Verlust an Glycerin stattfindet, das an den Händen und der Schale haften bleibt, ein Verlust, der bei größeren Massen verschwindend klein wird, so wird man als Kosten für einen Kubikfuß plastischen Thons 5 fl. 30 kr. bis 6 fl. in Anrechnung zu bringen haben, eine Summe, die auf den ersten Blick zu groß scheint, die sich aber doch als annehmbar herausstellt, wenn man bedenkt, daß solcher Thon seine plastische Eigenschaft fortwährend behält und deßhalb ohne weitere Kosten und Mühen einer unbeschränkt langen Verwendung fähig ist. Jedenfalls aber ist dieser Thon bedeutend billiger als Modellirwachs, an dessen Stelle er in allen Fällen, selbst bei den feinsten Arbeiten, treten kann, und vor dem er den Vorzug hat, daß er in der Kälte wie in der Wärme weich bleibt. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1864, Nr. 3.)

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