Titel: Die Gewinnung eines seidenartigen Faserstoffs aus den Rinden der Maulbeerbaumäste und Zweige; von Pasquale Potenza in Neapel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 14 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi04_14

Die Gewinnung eines seidenartigen Faserstoffs aus den Rinden der Maulbeerbaumäste und Zweige; von Pasquale Potenza in Neapel.

Die Erfindung besteht in der Gewinnung und Zubereitung gewisser Faserstoffe, welche der Maulbeerbaum enthält, um daraus feine weiche Fäden zu bereiten, welche der Patentträger „Pflanzenseide“ (vegetable silk) nennt, und durch ihren hohen Glanz, ihre Elasticität und andere wesentliche Eigenschaften der Seide geeignet ist gesponnen und zu seidenartigen Zeugen verwebt zu werden.

Die Rinde, welche zu diesem Zwecke erfordert wird, kann zu großen Quantitäten durch die Maulbeerbaumzucht gewonnen werden, ohne den Baum selbst zu verbrauchen, indem die Aeste und Zweige, welche auch bei der Verwendung zur Seidenraupenzucht jährlich oder alle zwei Jahre abgeschnitten werden, von einem ausgewachsenen Baum ungefähr 20 Pfund Rinde liefern und sich aus 100 Pfund solcher Rinde 15 Pfund seidenartiger Faserstoff oder Pflanzenseide gewinnen läßt.

Wenn die Rinde sorgfältig von dem Holze getrennt ist, so wird sie vollständig getrocknet, was durch einen langsamen Vorgang an der freien Luft oder an der Sonne geschehen kann, um jenen Zustand der Zersetzung eintreten zu lassen, wodurch die Fasern leicht von einander trennbar werden. Die Trennung der Faser von den anderen Bestandtheilen der Rinde geschieht hierauf in der Art, daß man die Rinde in siedendes Wasser bringt, entweder allein oder nachdem man eine mineralische Säure, oder eine Pflanzensäure, oder einen alkalischen Stoff beigemischt hat. Dadurch wird der Faserstoff nicht bloß von den anderen Bestandtheilen der Rinde gelöst, sondern auch selbst so weich, daß sich die einzelnen Fasern von einander trennen lassen, was entweder mit der Hand oder durch geeignete Werkzeuge, oder auch Maschinen geschieht, wobei die Fasern überdieß in eine parallele Lage zu einander gebracht werden, was in ähnlicher Weise wie bei der Zubereitung der Baumwolle zum Spinnen geschieht, worauf nun diese Faser wie Seide gesponnen und weiter verarbeitet wird. (Patentirt für Oesterreich am 15. October 1862. – Neueste Erfindungen, 1863, Nr. 24.)

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