Titel: Heede- oder Werg-Schwing- und Reinigungsmaschine von Friedländer in Breslau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 2 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi05_2

Heede- oder Werg-Schwing- und Reinigungsmaschine von Friedländer in Breslau.

Hr. Friedländer, über dessen schätzbare Flachs-Brech- und Schwingmaschine früher (polytechn. Journal Bd. CLXX S. 173) berichtet wurde, hat nun auch eine äußerst empfehlenswerthe Maschine construirt, deren Zweck ist, Heede oder Werg zu schwingen.

Bekanntlich ist es eine höchst wichtige und zeither noch nicht in ganz zufriedenstellender Weise gelöste Aufgabe, Werg oder Heede (für die Vorbereitung zur Maschinenspinnerei) von der Schäbe zu reinigen und dabei zugleich die spinnbaren Fasern theilweise durch Hecheln zu verfeinern und in gewissem Grade parallel zu ordnen. Die neueste Friedländer'sche Maschine scheint diese Aufgabe zu lösen. Dieselbe gleicht einer Getreide-Dreschmaschine mit darunter angebrachtem Strohschüttler. Eine Trommel (mit horizontaler Welle) von 22 Zoll Durchmesser und von 42 Zoll Länge ist mit Sieben, festen Schlagleisten, aus zusammengenieteten eckigen Eisenstäben und außerdem mit vierzehn beweglichen Schlägern versehen, die symmetrisch im Umfange vertheilt sind und macht beim Arbeiten durchschnittlich etwas über 600 Umläufe per Minute. Auf 2/3 ihres Umfanges wird diese Trommel (ähnlich wie bei den Dreschmaschinen) von einem Mantel umgeben, der mit unbeweglichen Gegenschlägern und dazwischen angebrachten Hecheln ausgestattet ist. Da der Abstand zwischen der Trommel und den Theilen, womit nach innen der umgebende Mantel besetzt ist, nur sehr gering ist, so entsteht durch das Umlaufen der Trommel und durch das Radialstellen der beweglichen Schläger ein Reiben, Schlagen und Kämmen (Hecheln), wodurch das Werg (Heede) ganz vortrefflich gereinigt wird und seine Fasern zugleich eine parallele Lage annehmen.

Das durch die Trommel gegangene Werg fällt nach einander auf zwei schräge unter einander liegende Systeme von Schüttlern (deren Kurbelwellen 225 Umdrehungen per Minute machen), welche ausklopfen, die Brechannen und das kurze Werg fallen, jedoch das lange Werg auf die Siebe gehen lassen, durch deren rüttelnde Bewegung die Brechannen vollends entfernt werden. Letztgedachte Siebe unterscheiden sich von den sonst üblichen Sieben dadurch, daß sie aus der Länge nach gespannten und parallelen Drähten bestehen, die man wie Violin-Saiten durch kleine Wirbel entsprechend straff anspannen kann.

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Nach der Redaction vorliegenden glaubwürdigen Versicherungen soll diese combinirte Werg-, Schwing-, Reinigungs- und Schüttel-Maschine das Werg in einer bisher unerreichten Weise reinigen, ohne die Fasern im mindesten anzugreifen. Für den Umfang des Königreichs Hannover ist Hrn. Friedländer ein Patent auf die Dauer von 5 Jahren (datirt vom 26. September 1863) ertheilt worden. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins, 1863 S. 68.)

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