Titel: Apparat zum Fällen von Bäumen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 3 (S. 396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi05_3

Apparat zum Fällen von Bäumen.

Auf der Hamburger landwirthschaftlichen Ausstellung befand sich eine Vorrichtung zum Fällen von Bäumen, die, von Amerikanern ausgestellt, den praktischen Sinn dieser Nation wieder bestätigte. Die Wirkungsweise dieses Instrumentes hat nichts übereinstimmendes mit der gewöhnlichen Manier, wonach die Bäume abgehauen oder abgesägt werden, sondern besteht darin, daß man den Baum von außen nach innen zu rund herum einschneidet, und zwar so tief, daß das Uebergewicht auf einer Seite denselben abzubrechen im Stande ist.

Der in Rede stehende Apparat besteht zunächst aus zwei Ringhälften, die mit einem starken Scharnier drehbar verbunden sind, und an dem anderen Ende durch einen durchgesteckten Bolzen geschlossen werden können (ähnlich den Schellhaken bei den Abfallröhren der Dachrinnen), wodurch es möglich wird, den Ring als Ganzes um den Baumstamm zu bringen. In gleichen Abständen gehen durch diesen Ring in radialer Richtung drei starke Schrauben von entsprechender Länge, die, angezogen, sich gegen den Baum stemmen und den Ring in eine feste Lage bringen und halten. Auf diesem ersten Ringe liegt ein ähnlicher zweiter, mit Nuthen und Zapfen so damit verbunden, daß er sich auf demselben wegschieben läßt, ohne den Platz zu verlassen, wie etwa der Deckel auf einer runden Dose. Dieser zweite Ring hat eine Verzahnung zum Eingriff in ein Getriebe, das in dem ersten gelagert ist und durch eine Handkurbel in Umdrehung gesetzt wird, und besitzt einen in radialer Richtung verschiebbaren Meißel, der in den Stamm einschneidet (wie der Geisfuß eines Schraubenschneidzeugs), wenn man durch die Kurbel den Ring um den Baum herum dreht. Zur Verrückung des Meißels ist dieser mit einer Zahnstange versehen, in welche eine Schraube ohne Ende eingreift, die ihre Drehung durch ein Zahnrad erhält, welches durch einen Zahn am festen Ring gedreht und durch einen einfallenden Sperrkegel am Rückdrehen verhindert wird.

Die ganze Vorrichtung ist sehr sinnreich und compendiös, ob sie aber den Erwartungen ganz entspricht, welche man auf den ersten Anblick davon hegen möchte, ist einigermaßen zu bezweifeln. Es scheint wenigstens bedenklich, ob man den Baum so tief ringsherum damit einzuschneiden im Stande ist, daß er ohne weitere Mittel abbricht, weil nämlich von dem Augenblicke an, wo er nach einer Seite sich zu neigen anfängt (und eine Neigung nach einer Seite bildet doch die Regel, da ein Baum von so gleich vertheiltem Gewicht, daß der Schwerpunkt in die Mitte des Stammes fällt, vielleicht wohl gar nicht existirt), unbedingt ein solches Klemmen des Meißels eintreten wird, daß man ihn nicht weiter drehen kann, ohne aber bis dahin schon eine Furche von genügender Tiefe eingeschnitten zu haben. Ein Paar Sägeschnitte, die dann freilich in dem klaffenden Einschnitt leicht zu führen sind, werden allerdings den Bruch bald erzeugen und deßhalb mag doch der Apparat als nützlich und zeitsparend sich erweisen können. Hoyer. (Monatsblatt des hannoverschen Gewerbevereins, 1863 S. 70.).

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