Titel: Unterscheidung des echten Cognac's vom sogenannten Façon-Cognac; von Dr. Wiederhold.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 7 (S. 398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi05_7

Unterscheidung des echten Cognac's vom sogenannten Façon-Cognac; von Dr. Wiederhold.

Um ein dem echten Cognac oder Franzbranntwein ähnliches Getränk zu bereiten, werden in gleicher Weise, wie wir es beim Rum beschrieben haben,129) gehörig verdünntem Weingeist verschiedene auf chemischem Wege bereitete Essenzen, Tincturen u.s.w. zugesetzt; zur Erzielung einer feineren Sorte wird auch wohl ein geringer Zusatz von echter Waare gemacht. Die Hauptrolle unter diesen Zusätzen spielt die sogenannte Cognac-Essenz, eine Auflösung von (1 Theil) Oenanthäther in (6 Theilen) Spiritus von 90 Procent. Eine feine Sorte „Façon-Cognac“ soll man z.B. nach folgender Vorschrift erhalten: 1 1/2, Loth Cognac-Essenz, 50 Gran Veilchenblüthen-Essenz werden in 6 Pfund 90procentigem Spiritus aufgelöst und dieser Auflösung 6 Pfund echten Cognac's zugesetzt; zu diesem Gemisch fügt man eine filtrirte Abkochung von 1 Loth Johannisbrod, 3/4 Loth Rosinen mit 2 1/2 Pfund Wasser. Das Ganze wird alsdann mit Zuckerfarbe dem echten Cognac entsprechend gefärbt. Die ordinären Sorten von Façon-Cognac sind nichts als verdünnter Weingeist, welcher mit Cognac-Essenz, oft auch noch mit Veilchenblüthen-Essenz, parfümirt ist. Die von mir zur Unterscheidung des echten Colonial-Rums vom sogenannten Façon-Rum angegebene Probe findet auf den Cognac keine Anwendung. Dagegen fand ich bei der Untersuchung der verschiedensten Sorten von echtem und Façon-Cognac folgende Unterschiede:

1) Aller echter Cognac reagirt, wie überhaupt das Destillat des Weines, sauer. Bei den von mir untersuchten Sorten von Façon Cognac konnte ich keine saure Reaction wahrnehmen.

2) In echtem Cognac entsteht auf Zusatz einiger Tropfen einer verdünnten Eisenchloridlösung (wie sie als Reagens gebraucht wird) sofort eine tief-schwarze Färbung. Bei Façon-Cognac trat diese Erscheinung nicht ein, höchstens bildete sich nach einiger Zeit ein mißfarbiger Niederschlag.

Ausgedehnteren Untersuchungen bleibt es vorbehalten, zu bestimmen, ob diese Unterschiede durchgreifend und von welchen ursachlichen Momenten sie bedingt sind. (Neue Gewerbeblätter für Kurhessen, 1864 S. 318.)

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S. 159 in diesem Bande des polytechn. Journals.

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