Titel: Die Bestimmung der Farbenintensität der Anilinfarben; von Hugo Schiff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 8 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi05_8

Die Bestimmung der Farbenintensität der Anilinfarben; von Hugo Schiff.

Die in der Technik übliche Methode, den Werth von Farbstoffen dadurch zu vergleichen, daß man verschiedene mit gleichen Mengen und unter sonst gleichen Umständen mit den gleichen Flüssigkeiten bereitete Farbstoffe mit den gleichen Mengen desselben Gewebes ausfärbt, ist wegen ihrer leichten Ausführbarkeit für die Praxis recht brauchbar. Auf große Genauigkeit kann aber diese Methode keinen Anspruch machen, am allerwenigsten bei so intensiv färbenden Stoffen, wie die Anilinfarben, und es verdient daher für genauere Untersuchungen eine Methode Beachtung, welche H. Schiff in seinen werthvollen Untersuchungen über metallhaltige Anilinderivate (Berlin 1864, Jul. Springer) mittheilt und die sich auf die Spectralanalyse gründet. Bringt man |399| nämlich gefärbte Substanzen vor den Eintrittsspalt eines Spectralapparates, so wird je nach der Natur des Farbstoffes, der Dicke der Schicht und der Concentration entweder gar keine Veränderung erfolgen, oder es wird das Spectrum theilweise oder vollständig beschattet oder absorbirt werden. Man hatte bereits früher gefunden, daß verschieden gefärbte Flüssigkeiten einzelne Stellen des Spectrums absorbiren und je nach ihrer Concentration mehr oder weniger scharf abgegrenzte Absorptionsbänder hervorbringen. Darauf beruht nun Schiff's Methode. Um die Farbenintensität zu bestimmen, wird beobachtet, bei welcher Verdünnung unter sonst gleichen Umständen eine oder mehrere dunkle Zonen (Absorptionsbänder) zuerst deutlich hervortreten und bei welcher Verdünnung noch die letzten Spuren eines solchen Bandes übrig sind. Die Methode hat den Vortheil, daß man mit sehr geringen Mengen der Farbstoffe arbeiten kann, erfordert aber durchaus, daß man die Abwägungen für kleinere Mengen (unter 0,2 Grm.) mit aller Sorgfalt wie bei genauen chemischen Untersuchungen vornimmt. Diese kleinen Mengen löst man sogleich in so viel Flüssigkeit auf, daß man Lösungen von 1/500 oder 1/1000 Gehalt erhält und verdünnt diese dann systematisch weiter. Zu beachten ist auch, daß die Temperatur von Einfluß auf die Intensität der Färbung seyn kann, was aber bei den gewöhnlichen Temperaturschwankungen noch nicht zu befürchten ist; auch dürfen nicht Beobachtungen verglichen werden, die bei sehr verschiedenen Stärken der Beleuchtung gemacht sind. Die Schichtendicke beträgt bei allen Versuchen 1 Centimeter; am besten eignet sich ein sehr lichtstarkes Spectroskop mit einem Schwefelkohlenstoffprisma, wie es in G. Valentins: „Der Gebrauch des Spectroskops zu physiologischen etc. Zwecken“ (Leipzig, Winter 1862) in Fig. 4 und 5 auf Taf. 22 und 23 abgebildet ist. Für Anilinroth war die Reaction noch bei einem Gehalte der Flüssigkeit von 1/2000000 deutlich sichtbar, aber selbst dann, wenn keine Spectralreaction mehr sichtbar ist, erscheint die Lösung noch schwach aber sehr deutlich rosa gefärbt. Diese Methode der Intensitätsbestimmung ist allerdings keiner allgemeinen Anwendbarkeit fähig, da nicht alle löslichen Farbstoffe derartige Spectralreactionen geben, so z.B. nicht Naphtylaminroth und Pikrinsäure. (Deutsche Industriezeitung, 1864, Nr. 7.)

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