Titel: Behandlung der Dampfmaschinen bei kalter Witterung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 1 (S. 460–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi06_1

Behandlung der Dampfmaschinen bei kalter Witterung.

Wir entnehmen über diesen Gegenstand dem Scientific American Folgendes:

Während des Winters ist es nothwendig, eine viel größere Sorgfalt auf die Dampfmaschinen zu verwenden, als während der wärmeren Jahreszeit. Besonders sind es die Speisepumpen, welche einer Beschädigung durch Frost ausgesetzt sind und mancher Verlust an Zeit und Geld hat seinen Grund in der Vernachlässigung dieses Maschinentheils. Jede Pumpe sollte mit einem kleinen Hahnen versehen seyn, durch welchen das |461| Wasser alle Nacht abgelassen werden kann, und welcher offen bleiben sollte, jo daß weder aus der Saug- noch aus der Speiseröhre Wasser eindringen und Schaden verursachen kann – eine Vorsicht, die um so gebotener erscheint, da die Pumpen so angebracht sind, daß dieser Uebelstand hie und da vorkommen mag. Der Dampfkessel bedarf im Winter eines warmen Ueberzugs, auch sollten jedenfalls alle Röhren und sonstigen Dampf enthaltenden Maschinentheile gut mit Filz umgeben werden, da der Wärmeverlust durch die Ausstrahlung nicht unbeträchtlich ist. Maschinenbauer, welche billige Maschinen mit billiger Heizung liefern wollen, sollten diesen Umstand nicht übersehen. Die Behauptung, der Maschinenraum selbst sey warm genug, beweist nichts: alle Körper strahlen Wärme aus, mag ihre Temperatur dieselbe oder auch nur nahezu dieselbe seyn, wie die der Umgebung, und die Wärme strebt stets sich auszugleichen. Durch das Einfrieren des Speisewassers gar erhöht sich nach physikalischen Versuchen der Druck auf eine Pumpe gerade um 10 Procent, und nachstehendes Beispiel mag die Bedeutung dieser Thatsache zeigen: Eine leere Bombenkugel wurde mit Wasser gefüllt einen Tag lang der Kälte ausgesetzt. Der Zapfen, welcher die Zündöffnung verschloß, wurde durch das Gefrieren des Wassers auf eine Entfernung von 400 Fuß hinausgeschleudert, und ein Eis-Cylinder von 8 Zoll Länge aus der Oeffnung hervorgetrieben. Wenn ein solcher Versuch auch nicht stets den gleichbedeutenden Erfolg haben wird, so zeigt er doch, mit welcher Gewalt sich das Wasser beim Gefrieren ausdehnt. Bei anhaltender Kälte, wenn die Dampfkessel unter Umständen über Nacht ganz erkalten und morgens wieder angeheizt werden müssen, bekommen dieselben bald Risse – eine Wirkung der fortgesetzten Gegensätze der Ausdehnung und Zusammenziehung. Eine Masse Brennmaterial wird jährlich selbst bei der sorgfältigsten Aufsicht unnütz verbraucht, aber die Menge geht ins Unglaubliche da, wo wenig oder keine Vorsorge gegen den Verlust der Wärme getroffen ist. Namentlich tritt dieser Fall im Winter ein und manches Dampfrohr ist so kalt, als ob es nie ein Pfund Dampfdruck gehabt hätte; – das Resultat davon zeigt sich am Jahres- und Rechnungsabschluß. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1864, Nr. 7.)

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