Titel: Härten der Maschinentheile an englischen Locomotiven durch Einsetzen nach einem neuen Verfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 4 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi06_4

Härten der Maschinentheile an englischen Locomotiven durch Einsetzen nach einem neuen Verfahren.

Dem Bericht des Ingenieurs Clauß über Maschinenwesen und Wagenbau im „Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens in technischer Beziehung“ 1863, Heft 1, S. 42, entnehmen wir auszüglich die folgenden Angaben:

An den englischen Locomotiven findet ungehärteter Gußstahl fast gar nicht Anwendung, vielmehr werden die arbeitenden Organe der Maschinen durch Einsetzen verstählt. Dieses Einsetzen erstreckt sich von den Achsschenkeln und der Leitbahn bis herunter zum kleinsten Keile und wird in beliebigen Tiefen der zu härtenden Gegenstände ausgeführt.

Das gewöhnlich übliche Verfahren des Einsetzens mit Horn, Knochen oder Leder ist nicht mehr gebräuchlich und wird dafür eine andere Härtemischung, welche sich vorzüglich bewahrt, dem Rauminhalt nach aus etwa 1/16 calcinirter (gereinigter) Soda, 1/8 Kalkstein und 13/16 Holzkohlen bestehend, angewendet.

Das calcinirte Sodasalz wird pulverisirt, und der Kalkstein und die Holzkohlen in Stückchen von 1/8 bis 3/8 Zoll Stärke zerkleinert. Diese Mischung wird mit den zu härtenden Gegenständen direct in den Härteofen eingelegt. Letzterer hat in seiner Construction große Aehnlichkeit mit einem Gasretortenofen. Derselbe kann aus einer oder zwei aus 4 Zoll dicken Schamottsteinen zusammengesetzten und verkitteteten Retorten von beliebiger Länge und einem Querschnitte von 1 bis 1 1/2 Quadratfuß, je nach der Größe der zu härtenden Gegenstände, bestehen. Nach vorn ist die Retorte durch eine gußeiserne Thür, welche verkittet wird, verschlossen, und die Flamme des unter der Retorte befindlichen Rostes umspielt dieselbe nach allen Richtungen.

Je nach Maßgabe des verlangten Härtegrades werden die Theile einer Rothglühhitze von 16 bis 48 Stunden ausgesetzt und alsdann in kaltem Wasser abgekühlt. Beispielsweise werden kleinere Schrauben, Schlüssel etc. zu Locomotiven 16 Stunden, Leitbahnen 40 bis 48 und Achsen 40 bis 44 Stunden eingesetzt, in welcher Zeit die stahlharte Schicht 1/8 Zoll tief wird. Die Maschinentheile werden hernach auf geeigneten Maschinen entweder mittelst Schleifsteinen oder eigens präparirten Kautschukscheiben geschliffen, polirt und sind wegen ihrer Glashärte dem ungehärteten Gußstahle entschieden vorzuziehen.

Das obige bewährte Verfahren wird darum so ausführlich mitgetheilt, weil fast überall der kostspieligeren älteren Methode, dem Einsetzen in schmiedeeisernen Kästen, gehuldigt wird, obgleich das letztere weit umständlicher und erheblich theurer ist.

In dem Sharp'schen Etablissement gießt man außerdem die Dampfcylinder, namentlich für Locomotiven, so hart, daß ein Stahl kaum noch die Schieber- und Cylinderflächen angreift. Die Schieber zu diesen Cylindern, so wie die fast aller englischen Locomotiven, sind meist aus Rothguß, da das Gußeisen unter dem starken Dampfdruck der jetzigen Locomotiven sich nicht bewährt haben soll. R. W. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1864, Bd. VIII S. 76.)

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