Titel: Anwendung von Gebläsewind bei Flammöfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 171/Miszelle 7 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj171/mi171mi06_7
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Anwendung von Gebläsewind bei Flammöfen.

Die Anwendung von Gebläsewind bei Flammöfen, eine zeitlang in Folge der Arbeiten Ebelmen's sehr hoch gepriesen, wurde später vielfach wieder verworfen; heute aber kommt man, ungeachtet der dagegen gemachten Einwendungen, wieder darauf zurück. Man schließt den Aschenfall des Ofens durch eine Thür und bläst mittelst eines Ventilators Wind unter den Rost, anstatt ihn durch eine Esse anzusaugen. Diese Gebläseflammöfen gestatten den Verbrauch von Kohlengrus, dessen Verbrauch verhältnißmäßig gering ist. Man hat zu Seraing dabei folgende Resultate erhalten:

Drei Schienen-Schweißöfen verbrauchten in 21 Tagen à 24 Stunden: 1566 Hektoliter Kohle zu 1 Franc 60 Centim., 1782 Hektoliter Kohlengrus zu 1 Franc 10 Centim., woraus sich ein Kostenaufwand von 4287 Francs 60 Centim. ergibt. Dieselben Oefen verbrauchten in derselben Zeit bei Anwendung von Gebläsewind: 36 Hektoliter Kohle zu 1 Franc 60 Centim., 3306 Hektoliter Kohlengrus zu 1 Franc, woraus sich ein Kostenaufwand von 3363 Francs 60 Centim. ergibt. Die Ersparung beträgt demnach 924 Francs bei den Gebläseöfen, oder 14 Francs 75 Cent, pro Ofen und pro Tag ohne Berücksichtigung der Kosten für den Motor.

Ferner liegt ein Hauptvortheil des Gebläseofens darin, daß man ein sehr hohes Feuer auf dem Roste halten kann; die Folge davon ist eine sauerstoffarme Flamme und daher geringe Oxydation der Schweißpakete. Diese sind in einem gewöhnlichen Zugflammofen auch sehr der Einwirkung der Luft ausgesetzt, wenn man im Ofen arbeitet; denn beim Oeffnen der Arbeitsthür füllt die durch die Esse mit Heftigkeit angesogene Luft den Ofen an und wirkt stark oxydirend auf die Pakete, wodurch natürlich der Abbrand bedeutend vermehrt und die Schweißbarkeit beeinträchtigt wird. Dagegen kann man während einer Hitze den Rost nicht reinigen, und da das Brennmaterial gewöhnlich unrein ist, so bildet sich auf dem Rost eine dicke Schlackendecke. Auch hat man den Gebläseöfen noch den Einwand gemacht, daß in ihnen die Pakete zu rasch erhitzt würden, so daß sie auf der Oberfläche schon Schweißhitze hätten, während der Kern noch kalt wäre. Dieser Einwand ist jedoch nicht stichhaltig, denn bei einer richtigen Windführung wird dieß nicht vorkommen. Bei Gebläseöfen wird das Gewölbe des Ofens besser genutzt, als bei gewöhnlichen Zugöfen, denn bei diesen wird die Flamme durch den Essenzug in horizontaler Linie durch den Ofen gezogen und wirkt bei der Gelegenheit mehr oxydirend aufs Eisen, während sie bei den Gebläseöfen mehr der Krümmung des Gewölbes folgt. Ferner wird das Eisen im Gebläseofen gleichmäßiger erhitzt und besser geschweißt. (Revue universelle; Berggeist, 1863, Nr. 101.)

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