Titel: Wenck's Trockenapparat mit Dampfheizung für Tabak, Malz etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 172, Nr. XXVIII. (S. 122–130)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj172/ar172028

XXVIII. Der patentirte F. A. Wenck'sche Trockenapparat mit Dampfheizung für Tabak, Malz etc.

Aus dem Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1864 S. 42.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Der in Fig. 24 und 25 abgebildete rotirende Trockenapparat mit Dampfheizung wurde zunächst zum Trocknen von Tabak construirt und angewendet; er läßt sich aber auch mit gleichem Erfolg zum Darren des Malzes verwenden, wie wir weiter unten, gestützt auf einen dieserhalb vorgenommenen directen Versuch, näher angeben werden.

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Zum Trocknen des von der Schneidbank kommenden feuchten Tabaks hat man seither verschieden construirte Tabakdarren oder Rösten angewendet. Die ältere Construction bestand in einem horizontal gelegten Blech, worauf der Tabak ausgebreitet wurde und das durch darunter herlaufende, mit einer Feuerung in Verbindung stehende Röhren erhitzt wurde. Also eine ähnliche Einrichtung wie bei den Malzdarren.

Ferner kamen flache Dampfrösten zur Verwendung. Dieselben bestehen aus doppelten, festliegenden, ebenen Platten von Eisenblech, zwischen welchen der Dampf, zur Erhitzung derselben, hindurch geführt wird. Auch hier wird der feuchte Tabak auf die obere Platte aufgeschüttet und allmählich getrocknet. In beiden Fällen, bei den flachen Darren mit directer Feuerung und bei den flachen Dampfrösten, mußte der aufgeschüttete nasse Tabak öfters mittelst Schaufeln durch Arbeiter umgewendet werden, damit er gleichmäßig erwärmt und ausgetrocknet wird. Diese Manipulation erfordert nicht nur Gewissenhaftigkeit und Aufmerksamkeit von Seiten des Arbeiters, damit der Tabak nicht an einzelnen Stellen der Darre zu heiß wird, ja verbrennt, sondern hat auch noch insbesondere den Nachtheil, daß der Tabak hierbei viel von seinem Geruch und Aroma verliert. Auch geht das Darren in dieser Weise nur langsam von statten und kostet viel Handarbeit.

Man hat deßhalb in manchen Fabriken rotirende Tabakrösten in Anwendung gebracht. Bei kleineren: Betrieb, wie er in den meisten Fabriken des Zollvereins statt hat, bestehen diese rotirenden Tabakrösten aus einfachen eisernen (Mindern von circa 4–5 Fuß Durchmesser und 8–12 Fuß Länge, welche über einer Feuerung angebracht sind und in fortwährender Umdrehung erhalten werden. Der feuchte Tabak wird portionenweise eingebracht und so lange in der Trommel belassen, bis er auf den gewünschten Grad abgetrocknet ist.

Bei sehr großem Betrieb, wie solcher in den französischen Regie-Fabriken stattfindet, hat man solche rotirende Tabakrösten mit directer Feuerung zum continuirlichen Betrieb eingerichtet. Hierbei wird der nasse Tabak an einer Seite der Trommel eingegeben und nach und nach gegen das andere Ende derselben, wo er trocken austritt, vorgeschoben. Im Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'industrie nationale, Jahrg. 1858, S. 543 und Taf. 149–151 ist ein solcher von Roland construirter Apparat abgebildet und beschrieben. Auch in der Darmstädter Maschinenfabrik und Eisengießerei wurde vor einigen Jahren ein solcher Apparat für die HHrn. Gebrüder Gail in Gießen, welche denselben für ihr amerikanisches Geschäft anschafften, gebaut. Für sehr großen Betrieb sind solche Apparate (die |124| auch ziemlich theuer kommen) zweckmäßig; für kleineren Betrieb weniger. Bei der offenen directen Feuerung ist die Temperatur, namentlich bei kleineren Apparaten, sehr schwer constant zu erhalten, sie ändert oft und erreicht leicht, wenn nicht die größte Aufmerksamkeit beim Feuern angewendet wird, einen zu hohen Grad, wodurch der Tabak zu heiß wird und an seinem Werth verliert.

Diese Verhältnisse leiteten den Hrn. Friedrich August Wenck, Tabakfabrikanten in Darmstadt, auf die Idee, einen rotirenden einfachen Tabakröstapparat mit Dampfheizung zu construiren. Derselbe ließ hiernach, zunächst für den eigenen Gebrauch, in der Darmstädter Maschinenfabrik einen solchen Apparat erbauen und nahm ihn in Betrieb. Die erzielten Resultate entsprachen den gehegten Erwartungen auf das Vollständigste. In Bezug auf die Bequemlichkeit in Handhabung des Apparats, des Ein- und Ausfüllens von Tabak etc. wurden hierbei jedoch Erfahrungen gesammelt, welche für die weiter in Ausführung gebrachten Apparate dieser Art benutzt worden sind. Hr. F. A. Wenck nahm für seinen Apparat ein Erfindungspatent für das Großherzogthum Hessen und übertrug den Bau der Apparate nach seinem Princip der Maschinenfabrik und Eisengießerei in Darmstadt.“ Von derselben wurden in den Details der Construction mannichfache erfolgreiche Verbesserungen angebracht, welche die Wenck'schen Tabak-Trockenapparate nunmehr für diesen Zweck als ganz besonders geeignet erscheinen lassen. Bereits hat die genannte Maschinenfabrik mehrere Aufträge von auswärtigen Fabriken für solche Apparate zur vollkommenen Zufriedenheit der Empfänger ausgeführt.

Wir geben nunmehr in Nachstehendem eine kurze Beschreibung des Apparats und seiner Leistungsfähigkeit.

Der Trockenapparat besteht aus einem horizontal liegenden Cylinder mit doppeltem Mantel aus Eisenblech. Zwischen den beiden Mantelflächen circulirt der Dampf. Im Inneren des Cylinders sind drei (früher waren es vier) Leisten der Länge nach angebracht, an welchen eine Schiene mit 4 Zoll langen eisernen Spitzen angeschraubt ist. Die Leisten mit den Spitzen haben den Zweck, den Tabak, beim Umgang der Trommel, mit in die Höhe zu nehmen und dann wieder abfallen zu lassen; sie ersetzen also das Umwenden und Mischen des Tabaks, und zwar auf vollständigere Weise als dieß bei dem Umwenden und Mischen durch Handarbeit bei den horizontalen Darren geschieht. Man kann (für manche Zwecke ist dieß erwünscht) die Spitzen leicht abschrauben und das Umwenden und Mischen allein den Leisten überlassen. Der erst erbaute Apparat ruhte auf zwei Zapfen, in Lagern, um welche er sich drehte. |125| Der Dampf wurde an der einen Seite in den Zwischenraum der doppelten Wandungen eingelassen und an der hinteren Seite wieder abgeführt. Vorrichtung zum Ablassen des Condensationswassers war vorhanden. Es hatte einige Unbequemlichkeit, die Vorderseite des Cylinders nicht ganz frei zu haben; das Einfüllen des Tabaks mittelst eines Trichters und später das Ausleeren der getrockneten Waare war dadurch erschwert. Bei der zweiten Construction wurde diesem Mißstande dadurch begegnet, daß man an der Seite wo der Tabak ein- und ausgeführt werden sollte, die Trommel nicht auf einem Zapfen ruhen ließ, sondern sie auf zwei Rollen setzte. Dagegen war an dieser Seite ein bewegliches Dunstrohr zur Abführung der Dämpfe aus dem Innern der Trommel, angebracht, welches seitwärts gedreht wurde, wenn man den Apparat öffnen und Tabak ein- oder ausgeben wollte. Auch diese Einrichtung wurde bei Ausführung der neuesten Apparate beseitigt. Bei der jetzigen Construction tritt der Dampf an der einen Seite des Cylinders durch den hohlen Drehzapfen ein und erfüllt den Raum zwischen den beiden Wandungen des Cylinders. Es tritt gar kein Dampf mehr aus, sondern nur Condensationswasser, welches durch eigenthümliche Schöpfvorrichtung ausgeschöpft und an derselben Seite, wo der Dampf eingeführt wird, abgelassen wird. Hierdurch erhielt man die eine Stirnseite des Cylinders ganz frei, so daß nunmehr die Füllung und Entleerung desselben sehr leicht und bequem vorgenommen werden kann.

Fig. 24 stellt den Apparat theils in der Seitenansicht, theils im Längendurchschnitt dar. Fig. 25 zeigt die Hälfte des Querdurchschnitts, a ist der Cylinder von Eisenblech mit doppeltem Mantel, welcher außen mit Holz verkleidet ist, um die Abkühlung zu vermindern. Der Cylinder hat einen inneren Durchmesser von 5 Fuß (1 1/4 Met.) und ist 8 Fuß lang. b, b, b bezeichnen die im Innern eingesetzten Leisten mit den vorerwähnten Zähnen. c ist ein an der Hinterseite eingesetzter Boden, der mit einer Klappe d versehen ist, um theils äußere Luft in den Apparat zu führen und Zug, zur Entfernung der Dünste und entwickelten Dämpfe, zu erzeugen, theils um in den Apparat sehen zu können und Proben des Inhalts daraus zu entnehmen. Beim Einbringen des feuchten Tabaks wird die ganze hintere Seite des Apparats, durch Wegnahme des Bodens c, geöffnet; deßgleichen beim Entleeren des Apparats, welches leicht und schnell geschieht. Der Dampf streicht von dem Dampfkessel aus durch die Röhre e in den Apparat. Der Dampfdruck wird durch das Sicherheitsventil f regulirt und beträgt bei dem vorliegenden Apparat 1 1/2 Atmosphäre, hat also eine Wärme von circa. 112° C. Man kann auch für Zwecke, wo der Cylinder heißer gemacht werden soll. Dampf |126| von einer höheren Spannung, bis zu 3 Atmosphären und dann von circa 135° C. Wärme, einströmen lassen. Wie bereits bemerkt wurde, wird der Dampf durch die Achse des Cylinders in den Apparat eingeführt und zwischen die Doppelwände des Cylindermantels geleitet. Nur der condensirte Dampf wird durch neu zuströmenden Dampf ersetzt. Das Condensationswasser schöpft sich an der Stelle k rein aus und wird in einen Behälter g geleitet, von welchem es bei h ausfließt. In dem Behälter g ist ein Ventil angebracht, welches durch einen Schwimmer geöffnet wird, wenn sich Condensationswasser angesammelt hat, und das nach dem Abfluß desselben durch den Schwimmer wieder geschlossen wird. Man kann aber auch, wenn man will, diesen Schwimmer mittelst eines Greifrädchens von außen so richten, daß er außer Wirksamkeit gesetzt wird und somit das bemerkte Abflußventil fortwährend geöffnet bleibt. Man thut dieß, um beim Anwärmen die im Apparat enthaltene Luft mit dem Condensationswasser abzulassen und beim Schluß der Arbeit den Behälter vollständig zu entleeren. Vor dem Sicherheitsventil ist der Dampfzulaßhahn angebracht, womit die Dampfspannung und folglich auch die Temperatur im Apparate nach Bedarf regulirt werden kann. Eben dazu trägt noch wesentlich das Oeffnen und Schließen der Klappe d im Boden c mit bei. i ist ein Dunstschlot von Holz, vermittelst dessen die aus dem feuchten Tabak entwickelten Dünste in die Atmosphäre abgeführt werden. Dieß geschieht langsamer oder schneller, je nachdem man die Klappe d im Boden c weniger oder mehr öffnet und hierdurch einen geringeren oder lebhafteren Zug der äußeren Atmosphäre durch den Apparat herstellt. Zu bemerken ist noch, daß der Tabak gegen den Theil des Apparats, wo das Dunstrohr aufgesetzt ist, durch ein Sieb abgeschlossen ist. Ueber den Kranz k ist der Treibriemen gelegt, vermittelst dessen der Cylinder in Umdrehung versetzt wird. Der Riemen führt von da nach einem Vorgelege an der Decke oder Wand des Aufstellungsraums, welches durch einen Riemen mit der Haupttransmissionswelle auf die gewöhnliche Weise verbunden wird. Wo der Raum beschränkt ist, wird der Kranz k mit Radzähnen versehen, in welche das auf dem Rahmen der Tabakröste angebrachte Vorgeleg mit einem Zahngetriebe eingreift.

Beim Trocknen von Tabak werden circa 200–250 Pfd. nassen Tabaks eingegeben, welche innerhalb 1/2 bis 3/4 Stunden gleichmäßig und schön getrocknet werden. Der Tabak erhält hierbei ein besonders schönes und glänzendes Ansehen. Bei einem Versuch, welchem wir beiwohnten, wurden 207 Pfd. Tabaksrippen eingegeben, welche nach dem Trocknen, das in 3/4 Stunden erfolgte, 37 Pfd. an Gewicht (an Wasser) verloren |127| hatten. 100 Pfd. mit 10 Pfd. Wasser angefeuchtete Tabaksblätter sind in 10 bis 15 Minuten vollkommen ausgeröstet.

Daß der beschriebene Apparat zum Trocknen von Tabak vorzüglich geeignet ist, unterliegt keinem Zweifel mehr; die bereits gebauten und längere Zeit im Betrieb befindlichen Apparate dieser Construction haben dieß durch die Erfahrung bestätigt. Dagegen war es uns interessant, zu ermitteln, ob der Apparat auch in gleich günstiger Weise zum Darren des Malzes verwendet werden kann. Zu einem solchen Versuch bot ein neuer, in der Darmstädter Maschinenfabrik und Eisengießerei erbauter und versuchsweise aufgestellter Apparat die erwünschte Gelegenheit. Die Direction dieser Fabrik war gerne bereit zu einem solchen Versuche, wofür Hr. Bierbrauer Carl Ritsert die Gefälligkeit hatte, das Grünmalz zu liefern. Dieser Versuch wurde am 9. Januar l. Is. in Gegenwart der Directoren der Maschinenfabrik, der HHrn. Weber und Horstmann, des Hrn. Bierbrauers Carl Ritsert, des Hrn. F. A. Wenck und des Unterzeichneten vorgenommen, und zwar bei einer äußeren Lufttemperatur von – 7° R. und einer Temperatur von + 9° R. im Versuchslocal. Derselbe ergab folgendes Resultat.

Das nasse Malz wurde um 10 1/2 Uhr Vormittags in den Cylinder eingeschüttet. Die Temperatur in demselben betrug, bei ganz geöffnetem Hinterboden, 22° R. Das Gewicht des nassen Malzes (2 Säcke) war vor der Einfüllung 212 Pfd. Als der Apparat einige Zeit im Gang war, betrug die Temperatur in dem Cylinder, bei vollständig geschlossener Klappe d, 50° R. Wurde die Klappe ganz geöffnet, so fiel die Temperatur auf 34° R. und schwankte, je nachdem die Klappe mehr oder weniger geöffnet war, zwischen 42–45°. Die Spannung des zur Erhitzung verwandten Dampfes betrug 1 1/2 Atmosphäre, dessen Temperatur war also circa 112° C. (89 1/2° R.). Um die verbrauchte Dampfmenge zu messen, wurde das Condensationswasser, welches aus dem Apparat kam (es strömte Dampf ein und floß nur Condensationswasser ab), gewogen. Die Operation dauerte genau 2 Stunden. Innerhalb dieser Zeit waren 172 Pfd. Condensationswasser abgelaufen. Das sehr schön gedörrte Malz (Hr. Bierbrauer Carl Ritsert leitete den Versuch und bestimmte den Zeitpunkt, wo das Malz aus dem Apparat als fertig getrocknet abgeführt wurde) wog nach dem Trocknen noch 138 Pfd., hatte also 74 Pfund Wasser, oder 35 Proc. seines ursprünglichen Gewichts verloren.

Nach den gegebenen Verhältnissen können wir annehmen, daß mit 1 Pfund Steinkohlen 6 1/2 Pfund Wasser in Dampf verwandelt wurden, welcher zur Erhitzung des Apparats diente. Hiernach waren zur Erzeugung |128| des Wasserdampfs aus 172 Pfund Wasser an Brennmaterial erforderlich: circa 26,5 Pfund Steinkohlen. Mit diesen 26,5 Pfd. Steinkohlen sind 74 Pfund Wasser aus dem Malz verdampft worden. Um 100 Pfund Wasser aus dem Malz zu verdampfen, werden hiernach 35,8 Pfd. Steinkohlen erfordert. Dieses Resultat stimmt im Mittel sehr gut mit den Versuchen überein, welche früher von dem Unterzeichneten in Gemeinschaft mit dem verstorbenen Maurermeister H. Ganß und im Auftrag des großherzoglichen Gewerbevereins über den Nutzeffect von Malzdarren mit directer Feuerung angestellt worden sind. Zum Vergleich setzen wir einen dieser Versuche hierher.

Versuch mit der Darre des Hrn. Georg Appfel in Darmstadt. Die Feuerung der Darre war besonders für Steinkohlenbrand eingerichtet. Zum Versuch wurden 1126 Pfd. nasses Malz abgewogen; nach dem Trocknen wog dasselbe noch 861 Pfd., hatte also 265 Pfd. oder 23 1/2 Proc. Wasser verloren. Ein Simmer des getrockneten Malzes wog 25 1/2 Pfd. (Bei anderen Versuchen bis zu 28 Pfd.) Es wurden 104 Pfd. Ruhrer Steinkohlen, Fettschrot guter Qualität und in gewöhnlichem Feuchtigkeitszustand, verbrannt. Das letzte Schüren geschah 6 Stunden nach dem Anzünden des Feuers; 2 Stunden später wurde mit dem Abladen begonnen und das Malz sofort gewogen. Die Höhe der Malzschichte in der Darre betrug 3 1/2 Zoll. Nach der ersten Stunde, vom Anzünden des Feuers an gerechnet, betrug die Temperatur über dem Malz 19° R., von da an, im Mittel von 7 regelmäßig angestellten Beobachtungen 28°; die höchste Temperatur der Luft in der Darre war 32°. Die Temperatur im Malz betrug in der ersten Zeit des Versuches circa 30° , steigerte sich aber später bis zu 56° . Die äußere Lufttemperatur war im Mittel 18° . Die Quantität der zur Verdampfung von 100 Pfund Wasser erforderlichen Steinkohlen berechnet sich auf 39 Pfd.

Bei einer Reihe anderer Versuche, welche mit verschiedenen Malzdarren und verschiedenem Brennmaterial (Steinkohlen, Holz und Torf) angestellt wurden, berechnete sich der Verbrauch an Steinkohlen, um 100 Pfund Wasser aus dem Malz zu entfernen, auf 33 bis 46 Pfund. Bei dem obigen Versuch mit der rotienden Dampfdarre betrug der Steinkohlenverbrauch hierfür 35,8 Pfd. Hiernach gibt die rotirende Dampfdarre den gleichen Nutzeffect wie eine gute Rohrdarre.

Die Quantität des verdampften Wassers aus dem Grünmalz betrug bei dem Versuch mit der rotirenden Dampfdarre 35 Proc. vom Gewicht des Grünmalzes; dagegen bei dem oben beschriebenen Versuch mit der Rohrdarre des Hrn. Georg Appfel nur 23 1/2 Proc. Bei unseren anderen Versuchen mit verschiedenen Rohrdarren schwankte dieser Procentsatz |129| zwischen 16, 21,8, 39, 28,8, 34,8, 32, 30,4 Proc. etc., je nachdem das Malz mehr oder weniger naß auf die Darre gebracht wurde.

Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß die Wenck'sche rotirende Dampfdarre durchschnittlich unter denselben Verhältnissen und mit demselben Erfolg arbeitet, wie eine gute Rohrmalzdarre. Es steht indeß zu erwarten, daß diese Resultate der Dampfdarre noch günstiger ausfallen, wenn man durch den Betrieb mehr Uebung im Gebrauch derselben zum Darren des Malzes erlangt hat und dieselbe hierfür besonders einrichtet. Die Vortheile der rotirenden Dampfdarre bestehen darin: 1) Daß das Wenden des Malzes auf mechanische und vollkommenere Weise geschieht als bei den flachen Rohrdarren, wo dasselbe durch Arbeiter geschehen muß, die in die Darre eintreten und das Malz (etwa alle 1/2 Stunde) umschaufeln. 2) Daß das Trocknen und Darren durchaus gleichmäßig erfolgt und weniger abhängig von der Aufmerksamkeit der Arbeiter ist. 3) Daß keine Gefahr für theilweises Verbrennen des Malzes vorhanden ist und auch das Malz, selbst bei einer wenig aufmerksamen Behandlung, nicht so leicht verglast. 4) Die Feuergefährlichkeit der Rohrdarren ist vollständig beseitigt. 5) Die Keime lösen sich beim fortwährenden Umwenden des Malzes in dem Cylinder, in dem Maaße als das Malz austrocknet, von den Körnern ab; sie werden theilweise schon durch den Luftzug, der durch den Cylinder geführt wird, ausgetrieben, und aus dem Dunstfang ausgestoßen; der Rest ist dann auf einer Putzmühle leicht zu entfernen. 6) Die Operation des Darrens dauert bei dem rotirenden Dampfapparat nur höchstens 2 Stunden, während bei den gewöhnlichen Rohrdarren hierzu in der Regel 8–10, ja 12 Stunden erforderlich sind. Allerdings können auch nur kleinere Quantitäten von nassem Malz in den rotirenden Apparat eingegeben werden; wenn derselbe aber hierzu besonders eingerichtet und etwas länger gebaut wird, so können für jede Ladung circa 600–900 Pfd. eingegeben, also, da dieselben in 2 Stunden fertig gemacht werden, innerhalb 12 Stunden circa 7000–11000 Pfd. nasses Malz getrocknet werden. Der oben beschriebene Apparat für Tabak erfordert zu seiner Bewegung annähernd eine Pferdekraft. Der größere Apparat für Malz wird circa 2 Pferdekräfte und somit täglich ungefähr 2 Centner Steinkohlen zu seiner Bewegung verbrauchen, welche hier noch nicht in Rechnung gebracht worden sind. Die Kosten hierfür dürften indeß vollständig zur Ersparung von Handarbeit für Umwenden des Malzes, Bedienung des Feuers etc. aufgewogen werden. Brauereibesitzer, welche ohnedieß einen Dampfkessel besitzen und ihre Pumpen, Maischapparate etc. mittelst einer Dampfmaschine treiben, dürften mit Vortheil sich in der Folge rotirender Dampfdarren |130| der oben beschriebenen Construction bedienen und die Rohrdarren beseitigen.

Schließlich sey noch erwähnt, daß auch ein Versuch gemacht wurde, in der beschriebenen rotirenden Tabakdarre Tannäpfel so zu erhitzen, daß sie sich öffnen und den Samen ausfallen lassen. Hierzu werden in den hiesigen großen Klenganstalten besondere, auf 60° R. erhitzte Trockenkammern verwendet. Dieser Versuch, zu welchem Hr. Samenhändler H. Keller dahier die Tannäpfel geliefert hatte, ergab kein günstiges Resultat. Die Temperatur im Apparat war nicht hoch genug. Wenn man dieselbe auch dadurch steigern könnte, daß man mit Dampf von 3 Atmosphären arbeitete, so würde doch der Apparat verhältnißmäßig zu wenig fassen und fertig machen. Hr. H. Keller trocknet täglich circa 126 Malter Tannäpfel, welche 18–21 Stunden in der Darre verbleiben müssen, bis sie sich vollständig aufgeschlossen haben.

Fink.

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