Titel: Swan's Verfahren zur Darstellung der Kohlebilder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173, Nr. XII. (S. 45–48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/ar173012

XII. Neues Verfahren zur Darstellung der Kohlebilder, von J. W. Swan.

Aus dem photographischen Archiv, Juni 1864, S. 255.

So schön auch die gewöhnliche Chlorsilber-Photographie ist, wenn sie aus den Händen des Druckers kommt, man kann sich bei ihrem Anblick des Gedankens nicht erwehren, daß diese Art von Bildern dem Verbleichen unterworfen ist.

Man hat seit lange nach einem Verfahren gesucht, welches photographische Abdrücke von verläßlicher Haltbarkeit liefert, und dabei auch an die Kohle gedacht; sogar unzählige Versuche sind von vielen Forschern angestellt worden, um die Kohle in einer Weise zu benutzen, daß die damit erzeugten Bilder den Chlorsilber-Bildern möglichst an Schönheit |46| nahe kommen. Aber keines der vorgeschlagenen Verfahren hat hinreichend schöne Resultate gegeben, oder war genügend einfach, um in die Praxis sich einführen zu lassen.

Es ist mir nun durch die Herstellung eines neuen Stoffes, der biegsam ist wie Papier, durchsichtig und glatt wie Glas, gelungen, gute Resultate auf ganz einfachem Wege zu erhalten.13)

Dieser Stoff, der die photogenische Substanz zu tragen bestimmt ist, besteht aus Collodium und Gelatine; letztere enthält ein Chromsalz, Kohle und Zuckerstoff. Das chemische Princip, welches ich in Anwendung bringe, ist die von Ponton vor 25 Jahren aufgefundene Thatsache, daß Gelatine, wenn man sie in Verbindung mit einem Chromsalz der Sonne aussetzt, unlöslich in heißem Wasser wird.

Dieses Princip erlaubt eine mannichfaltige Anwendung in der Photographie; am einfachsten mischt man die Gelatine und das Chromsalz mit einem Farbstoff und überzieht das Papier damit. Dieses Papier belichtet man unter einem Negativ und wascht dann die nicht durch das Licht veränderten Stellen fort. Die belichteten Stellen sind unlöslich geworden, bleiben daher am Papier haften und erzeugen das Bild. Bei Negativs mit Halbtönen aber ist diese Operationsweise nicht anwendbar, denn die Wirkung des Lichts beginnt an der Oberfläche und erstreckt sich mehr oder weniger tief durch die Dicke der sensitiven Schicht. Wo das Licht am stärksten gewirkt hat, ist vielleicht die ganze Dicke der Schicht unlöslich geworden. Aber wo das Licht durch den Mittelton des Negativs geschwächt wurde, hat es die Schicht etwa nur bis zur Hälfte unlöslich machen können. Diese unlösliche Hälfte ist aber die obere; beim Waschen wird die untere Hälfte entfernt und sie nimmt die obere mit sich fort; oder die obere Schicht ist schon zu fest geworden, und dann hält sie die untere löslich gebliebene Partie fest, so daß Halbtöne sich nicht wiedergeben lassen. Um diese Schwierigkeit zu überwinden, schlug Blair vor, von der Rückseite des Papiers her zu belichten. Da in diesem Falle die an den Stellen der Halbtöne entstehende convertirte Hälfte dem Papier zunächst liegt, an dem sie fest haftet, so |47| war allerdings auf solchem Wege schon etwas besseres zu erzielen, jedoch trat dabei der Uebelstand ein, daß die Bilder, weil man durch das Papier hindurch belichten mußte, unscharf wurden und nur sehr langsam entstanden.

Das Papier habe ich nun durch den oben erwähnten biegsamen Stoff ersetzt, der dem Durchgange des Lichts keinerlei Hindernisse in den Weg setzt.

Die Gelatinemischung bereite ich aus einem Theil gesättigter Lösung von doppelt-chromsaurem Ammoniak (1 Theil des Salzes in drei Theilen Wasser), zwei Theilen Gelatine, einem Theil Zucker und acht Theilen Wasser; und soviel chinesischer Tusche, daß eine hinreichend schwarze Farbe entsteht. Außerdem können zur Aenderung des Tones Indigo und Carmin, oder andere Farbstoffe zugesetzt werden.

Die sensitive Tafel wird gebildet, indem man eine Glasplatte mit Collodium, und darauf mit der Gelatinemischung überzieht. Die beiden Schichten haften fest zusammen, und werden nach dem Trocknen vom Glase getrennt.

Die Tafeln können ganz wie Papier behandelt werden, man zerschneidet sie nach Belieben. Ihre Empfindlichkeit ist bedeutend größer als die des Chlorsilberpapiers, man hat sie demnach vorsichtig aufzubewahren.

Das Drucken geschieht in gewöhnlicher Weise; die collodionirte Seite kommt auf das Negativ zu liegen. Nach wenigen Versuchen wird man die nöthige Belichtungszeit ziemlich genau treffen. Eine zu lange Belichtung ist übrigens bei diesem Verfahren viel weniger schädlich als beim Chlorsilber-Verfahren.

Ich bin jetzt damit beschäftigt, ein praktisches Photometer zu construiren, dessen Anwendung beim Exponiren eine große Sicherheit geben wird.

Wenn man die Tafel aus dem Copirrahmen nimmt, ist das Bild schwach sichtbar; man klebt es nun mit der Collodiumseite auf ein Stück Papier, welches ihm beim Hervorrufen als Unterlage dienen soll. Das Aufkleben kann mit Stärkekleister geschehen; auch eine Auflösung von Kautschuk und Dammar in Benzin eignet sich dazu.

Nachdem man das Bild aufgeklebt hat, taucht man es in Wasser von etwa 37° C. Das Wasser löst sofort die nicht belichteten Stellen auf und nach einigen Minuten ist das Bild vollständig sichtbar.

Man lasse indessen das Wasser lange genug einwirken, um alles doppelt-chromsaure Salz lösen zu können, auch wechsle man das Wasser einigemal. Ich lasse die Bilder zwei Stunden im Wasser liegen. Wenn |48| die Belichtungszeit stark überschritten wurde, nehme man heißeres Wasser. Ehe ich die Bilder aus dem Wasser nehme, übergehe ich sie mit einem breiten weichen Pinsel, und darauf spüle ich sie nochmals mit reinem Wasser ab, um alle anhaftenden fremden Partikeln von der Oberfläche zu entfernen.

Sodann werden die Abdrücke zum Trocknen aufgehängt, auf Cartonpapier geklebt und satinirt.

Wenn der Abdruck von einem Glasnegativ gemacht wurde, so ist er umgekehrt. Ist dieß ein Hinderniß, so klebe man den Abdruck (mit der Bildseite) mit Leim oder Kleister auf Cartonpapier und entferne nach dem Trocknen das vor dem Auswaschen aufgeklebte Papier. Dieses löst sich leicht ab, wenn man es mit Benzol bestreicht. Die Collodiumschicht ist in diesem Fall wieder oben.

Das Uebertragen ist nicht sehr umständlich; einfacher aber ist es immerhin, das Negativ vom Glase abzulösen (siehe den vorhergehenden Artikel des Verfassers) und die empfindliche Tafel mit der Rückseite desselben in Berührung zu bringen. Das Ablösen der Schicht mit dem Negativ vom Glase ist durchaus nicht schwierig oder gefahrvoll.

Die chinesische Tusche kann durch andere ähnliche Stoffe ersetzt, oder mit anderen Farben verbunden werden, z.B. mit Anilinfarben.

Man hat auch Kohle, die durch Einwirkung von Schwefelsäure auf Zucker dargestellt wurde, für das Kohleverfahren vorgeschlagen. Ich glaube aber nicht, daß sie anwendbar seyn wird, denn die Partikeln streben zu agglomeriren, wie fein man sie auch zerreiben mag. Lampenschwarz ist aus demselben Grunde zu verwerfen.

|46|

Hr. Swan theilte im Monat April d. J. in der Londoner photographischen Gesellschaft vor einer ungewöhnlich zahlreichen Versammlung sein neues Kohle-Verfahren mit, unter Vorlage einer großen Anzahl Proben, welche Darstellungen aller Art, von Kartengröße bis zu Bildern von 8 und 10 Zoll, umfaßten. Nach dem Urtheil der Versammlung war in den größeren Bildern das Vollkommenste, was die Photographie bis jetzt geleistet, erreicht und wurden dieselben sogar von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Hrn. Bedford, höher als Silberbilder gestellt, welche sie, nach seinem Urtheil, durch brillantes Aussehen, Zartheit der Details und Klarheit weit übertreffen.

A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: