Titel: Schmidt, über Spatzier's Locomobile.
Autor: Schmidt, Robert
Fundstelle: 1864, Band 173, Nr. XLII. (S. 186–187)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/ar173042

XLII. Beschreibung einer aus der Maschinenfabrik von C. Spatzier in Berlin hervorgegangenen Locomobile; von Dr. Rob. Schmidt, Civilingenieur in Berlin.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Nachdem man auch in Deutschland mehr und mehr damit begonnen hat, für die Landwirthschaft und die ländlichen Gewerbe die Locomobilen zur Anwendung zu bringen, sieht man denn auch, daß mehr Firmen von Maschinenfabriken als je diesen Zweig des Maschinenbaues zu cultiviren beginnen. Unter mehreren anderen Firmen ist es auch die altrenommirte Fabrik von C. Spatzier in Berlin, welche neuerlich diesem Gegenstande ihre speciellere Aufmerksamkeit zugewendet und dadurch, wie wir glauben, den Locomobilenbau in mannichfacher Weise bereichert hat, indem die von ihr construirten Maschinen sich sowohl durch Einfachheit und Leichtigkeit, als auch dadurch auszeichnen, daß der Kessel ohne große Mühe gründlich gereinigt und die Feuerung in leichter Weise betrieben werden kann.

Figur 1 gibt einen Längendurchschnitt einer eincylindrigen achtpferdigen Locomobile aus der genannten Fabrik. Darnach ist zunächst die Feuerbüchse A cylindrisch, wodurch der Aschekasten B von selbst sich bildet und der Rost a durch die Feuerthür C sehr leicht zugänglich gemacht ist. Letzteres findet bekanntlich bei viereckiger Feuerbüchse nicht statt; es kann bei solcher der Rost nur gründlich gereinigt werden, wenn das Feuer ganz von demselben entfernt wird, wogegen bei der vorliegenden Maschine die Feuerung ganz wie die jeder stationären Maschine behandelt werden kann.

Auch der Theil A' des Kessels, welcher die Feuerbüchse umgibt, ist cylindrisch und schließt sich diesem ein engerer Cylinder D an, durch welchen 26 Feuerröhren nach der Rauchkammer E gehen. An das Ende des Kesseltheils A' ist ein aus Winkeleisen gebildeter Ring k genietet, und mit diesem wird die Stirnplatte A'', welche mit der Feuerbüchse in |187| fester Verbindung steht, verschraubt. Die Enden der Feuerröhren sind in dem Boden D' des Kesseltheils D mittelst Stahlringen befestigt, und da sowohl diese Verbindung als auch die der Stirnplatte A'' ohne große Schwierigkeit gelöst werden kann, so läßt sich die Feuerbüchse sammt Röhren – behufs einer gründlichen Kesselreinigung – aus der Maschine entfernen.

Der Vorwärmer gehört zu den offenen, und ist durch einen Mantel V gebildet, der um den unteren Theil F des Schornsteins angebracht ist, von welchem zugleich das Speisewasser die nöthige Wärme empfängt. Die Füllung des Vorwärmers geschieht durch die Nothpumpe, welche dadurch zugleich fortwährend in Ordnung erhalten werden muß.

Zur Befestigung der Maschinentheile dient weder eine Fundamentplatte, noch gußeiserne Stücke, sondern drei schmiedeeiserne Bügelpaare G'G,' G,'' G'' und G,''' G,''' welche ohne Anwendung von Kitt, der bekanntlich immer ein Rosten der betreffenden Stellen bedingt, an den Kessel genietet sind und außerdem verstemmt werden können.

Der auf dem Bügelpaare G,' G' aufgeschraubte Cylinder N besteht mit dem Pumpenstiefel O aus einem Gußstück, und dem jenseits gelegenen Schieberkasten schließt sich das dem Wärter zugängliche Sicherheitsventil und das Dampfventil an; T zeigt das Handrädchen zur Dirigirung des letzteren. Die Kolbenstange q und die Pumpenstange r werden durch ein einziges Gußstück, das mit entsprechenden Lagern q' und r' versehen ist, geführt, und durch ein zweites Gußstück P fest verbunden. Letzteres wird von der gegabelten Lenkstange R ergriffen, so daß der Cylinderkolben und Pumpenkolben gleiche Bewegung erhalten. Die Betriebswelle S der Maschine ruht in Lagern, welche auf dem Bügelpaare G,''' G''' aufgeschraubt sind und trägt zwei Schwungräder W. Außer der Lenkstange sind mit derselben zwei Excentrics verbunden, die gegeneinander in einfacher Weise verstellt werden können, um eine veränderliche Expansion zu erzeugen. Auch der Regulator U wird von der Betriebswelle bewegt, einerseits nämlich durch eine Schnurscheibe, andererseits durch ein conisches Räderpaar. Derselbe liegt seitlich zur Mittelebene der Maschine.

Der von der Maschine abgehende Dampf wird durch ein außerhalb derselben liegendes Kupferrohr nach dem Schornstein geleitet, und bildet hierbei b das Blaserohr.

Nach demselben System baut die Spatzier'sche Fabrik auch zweicylindrige Maschinen, und stellen sich die Preise ihrer Locomobilen bedeutend billiger als derjenigen nach den bisher üblichen Constructionen.

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