Titel: Wagner, zur Geschichte der Sodafabrication.
Autor: Wagner, Johannes Rudolph
Fundstelle: 1864, Band 173, Nr. L. (S. 203–206)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/ar173050

L. Zur Geschichte der Sodafabrication; von Dr. Rudolph Wagner.

Unter den Vorschlägen der Darstellung von künstlicher Soda und Aetznatron, welche in den letzten achtzig bis neunzig Jahren aufgetaucht sind, erscheinen die folgenden beachtenswerth.

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Die natronhaltigen Materialien sind:

I. Natronsalpeter;

II. Kryolith;

III. Sulfat;

IV. Kochsalz;

V. Albit.

I. Soda aus Natronsalpeter.

  • 1) Durch Glühen mit Kohle (Duhamel);
  • 2) durch Schmelzen mit MnO² (Wöhler);
  • 3) durch Zersetzen mit KO, CO²;
  • 4) durch Glühen mit CaO, SO³ und MgO, SO³, wobei Salpetersäure übergeht und Sulfat mit Kalk oder Magnesia gemengt zurückbleibt (Kuhlmann);
  • 5) durch Glühen mit metallischem Kupfer.

II. Soda aus Kryolith.

  • 1) Durch Aufschließen mit CaO, HO und Zersetzen des Natron-Aluminates durch Kohlensäure;
  • 2) durch Aufschließen mit BaO, HO;
  • 3) durch Behandeln mit Natrium behufs der Aluminiumfabrication und Zersetzen des NaFl mit CaO, HO (Tissier).

III. Soda aus Sulfat.

A. Direct.

  • 1) Zersetzen des Sulfates mit essigsaurem Kalk und Glühen des essigsauren Natrons (Crell);
  • 2) Zersetzen des Sulfates mit essigsaurem Bleioxyd und Glühen des essigsauren Natrons (Kirwan);
  • 3) Zersetzen des Sulfates mit KO, CO² (Hagen);
  • 4) Zersetzen des Sulfates mit BaO, CO² (Kölreuter);
  • 5) Zersetzen des Sulfates mit BaO, 2 CO², HO (Wagner);
  • 6) Zersetzen des Sulfates mit BaO, HO (Fuller, Samuel);
  • 7) Zersetzen des Sulfates mit essigsaurem Baryt und Glühen des essigsauren Natrons;
  • 8) Zersetzen des Sulfates mit CaO, HO (Claussen).

B. Indirect.

  • 1) Schwefelnatrium und Essigsäure, und Glühen des essigsauren Natrons (Duhamel);
  • 2) Schwefelnatrium und Eisen (P. Malherbe und E. Kopp);
  • |205| 3) Schwefelnatrium und feuchte Kohlensäure (Gossage);
  • 4) Schwefelnatrium und NH⁴O, CO² (Laming);
  • 5) Schwefelnatrium und Aetzkalk (Leblanc);
  • 6) Schwefelnatrium und FeO, CO² (Habich);
  • 7) Schwefelnatrium und Cu²O (Prückner und Persoz);
  • 8) Schwefelnatrium und Baryt (Reinar);
  • 9) Schwefelnatrium und PbO, SO³ (Colard).

C. Darstellung von Sulfat:

  • 1) aus Kochsalz und Schwefelsäure (Glauber);
  • 2) aus der Mutterlauge der Salinen;
  • 3) aus dem Meerwasser (Balard; Merle);
  • 4) aus Kochsalz und NH⁴O, SO³;
  • 5) aus Kochsalz und Alaun (Constantin und Dundonald);
  • 6) aus Kochsalz und Eisenvitriol (Athenas; van der Ballen);
  • 7) aus Kochsalz und schwefels. Kalk (Hodson u. Greenshields);
  • 8) aus Kochsalz und schwefels. Magnesia (Scheele; de Luna);
  • 9) aus Kochsalz und schwefelsaurem Kupferoxyd, behufs der Gewinnung von Chlor;
  • 10) aus Kochsalz und Schwefelkies (Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende u.s.w.) durch Rösten (Carny; Longmaid; Mesdach);
  • 11) aus Kochsalz und schwefelsaurem Zinkoxyd;
  • 12) Glühen von Kochsalz mit schwefels. Bleioxyd (Margueritte);
  • 13) aus Kochsalz und schwefels. Manganoxydul.

IV. Soda aus Kochsalz:

  • 1) durch Bleioxyd (Scheele 1775);
  • 2) durch KO, CO² (Meyer 1784);
  • 3) durch CaO, HO (Guyton und Carny 1780);
  • 4) durch kohlens. Ammoniak (Turck, Dyar und Hemming; Schlösing);
  • 5) durch Oxalsäure (Samuel 1838);
  • 6) durch Kieselflußsäure und Zersetzen des Kieselfluornatriums durch Aetzkalk (Spilsbury u. Maugham 1837; Keßler 1858);
  • 7) durch Thonerdehydrat, künstlich dargestellt oder natürlich als Diaspor, und Zersetzen des Natron-Aluminates durch Kohlensäure oder durch Kryolith. Im letzteren Falle entsteht Fluornatrium, welches durch Kalk zersetzt wird (Tilghman; Tissier);
  • |206| 8) durch Kieselerde und Wasserdämpfe, und Zersetzen des Natronsilicates durch Kohlensäure (Gay-Lussac und Thénard 1809).

V. Soda aus Albit und ähnlichen natronhaltigen Silicaten:

  • 1) durch Glühen mit Kalk (v. Fuchs);
  • 2) durch Aufschließen mit Bleiglätte und Zersetzen der aufgeschlossenen Masse mit Kohlensäuregas;
  • 3) Entfernen der Kieselerde als Fluorsilicium (durch Aufschließen des Silicates mit Flußspath oder Kryolith und Schwefelsäure).
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