Titel: Wollenen Geweben das Ansehen von Pelzwerk zu geben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 11 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi01_11

Wollenen Geweben das Ansehen von Pelzwerk zu geben.

Folgendes Verfahren ist in England patentirt: Gewalktes Tuch oder überhaupt wollenes Gewebe wird vor dem Rauhen oder nachdem es nur wenig gerauht ist, bedruckt und dann das noch feuchte Gewebe mit Stäben geschlagen, damit sich die Haare an der Oberfläche wieder aufrichten. Zuletzt werden die Haare nach Art des Pelzwerks, das man bereiten will, kürzer oder länger geschoren. Bei diesem Verfahren sind die aufgedruckten, die Zeichnung des Pelzwerks nachahmenden Flecken und Streifen nicht so scharf begrenzt, als wenn man sie auf gerauhtes Tuch druckt; die Nachahmung des Pelzwerks ist also vollkommener. Andererseits wird bei dem Schlagen die Regelmäßigkeit des Musters erhalten, was nicht so gut erreicht werden würde, wenn man nach dem Drucken die niedergelegten Haare durch Rauhen aufrichten wollte.

Als Material zum Weben des für dieses Verfahren bestimmten Tuches kann man, außer gewöhnlicher Wolle, Alpacca, Kaschmir, Vigognewolle und andere ähnliche Haare verwenden, unter Umständen mit ihrer natürlichen Farbe und also auch mit ihrem natürlichen Glanze, welcher dann nur an den bedruckten Stellen afficirt wird. In gewissen Fällen kann man folgendes abgeänderte Verfahren anwenden:

Das Tuch wird zunächst vollständig gerauht, dann im feuchten Zustande geschlagen, damit sich die Haare wieder aufrichten, getrocknet, schwach geschoren und nun erst bedruckt. Nachdem der Druck in gewöhnlicher Weise fixirt ist, passirt man das Tuch durch ein geeignetes Bad, um das Gummi oder das sonstige Verdickungsmittel wieder wegzunehmen, und unterwirft es dann einem zweiten, sehr schwachen Rauhen. Hierauf wird es im feuchten Zustande geschlagen und endlich in passender Weise geschoren. Will man Pelzwerk mit gekräuselten Haaren nachahmen, so unterwirft man das Zeug, nachdem es im feuchten Zustande geschlagen wurde, einem starken Drucke in einer hydraulischen Presse, während die hohlen Preßplatten mit Dampf geheizt werden. In diesem Falle besteht aber das Gewebe nicht allein aus gewöhnlicher Wolle. (Beilage zu Nr. 2 der deutschen Musterzeitung, 1864.)

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