Titel: Photogenie und Photochromie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 6 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi01_6

Photogenie und Photochromie.

Unter diesem Titel wurden, zuerst von Paris aus, jetzt auch von Leipzig, Breslau etc. her Anleitungen ausgeboten, ohne Kenntniß der Photographie jedes beliebige Bild photographisch zu copiren und ohne alle Vorkenntnisse im Zeichnen und Malen jede beliebige Photographie zu coloriren.

Daß es sich hier wieder um eine jener Speculationen handelt, die – durch die geeignete Zeitungsreclame unterstützt – in kurzer Zeit möglichst viel Geld einbringen |77| sollen, wird mancher geahnt, der aber schmerzlich empfunden haben, der so – neugierig war, 10 oder 15 Thaler für diese Geheimnisse auszulegen.

Wir wollen unsern Lesern unentgeltlichen Unterricht in diesen Künsten ertheilen.

Die Photogenie.

Glänzendes Albuminpapier (nicht gesalzen) wird mit folgender Mischung präparirt:

doppelt-chromsaures Kali 2 Gramme,
Gelatine 3
Wasser 100

Das Papier wird im Dunkeln getrocknet und unter einem Negativ belichtet; an den Stellen, auf die das Licht wirkt, wird die Schicht unlöslich, während die durch die Schwärzen des Negativs geschützten Stellen löslich bleiben. Nach dem Belichten wird das Papier gewaschen, um das lösliche Salz fortzuschaffen. Darauf bestreicht man das Bild mittelst eines Pinsels mit Tanninlösung. Diese Flüssigkeit kann nur da in das Papier eindringen, wo die Schicht entfernt wurde, also die den dunkeln Stellen des Glasbildes entsprechen.

Nachdem man nochmals gut mit Wasser gewaschen, übergießt man das Papier mit einer 20procentigen Auflösung von Eisenvitriol, wodurch an diesen Stellen sich ein schwarzer Niederschlag von gerbsaurem Eisen absetzt.

Zum Schluß wird mit Wasser ausgewaschen, welches einige Tropfen Ammoniak enthält, zur besseren Oxydation des Eisensalzes und um alle dem Bilde schädlichen Stoffe zu vertreiben. Man firnißt mit Spirituslack.

Die Photochromie.

Ein gewöhnliches Papierbild wird von der Rückseite mit hellem Mastixfirniß bestrichen, bis es ganz transparent geworden ist. Nach dem Trocknen trägt man, ebenfalls von der Rückseite her, passende Oelfarben auf; man bemalt zuerst das Gesicht und die Hände, die Haare, und die übrigen Theile des Bildes. Die Farben scheinen durch das Papier, und geben dem Bild, wenn es auf ein hellfarbiges Papier gelegt wird, ein frisches, hübsches Aussehen.

Neu ist diese Methode keineswegs, aber wohl weniger bekannt. Bei einigermaßen geschickter Ausführung ist die Wirkung eine überraschende.

Eine andere Manier der Photochromie, die aber umständlicher ist und nicht so brillante Resultate gibt, besteht darin, daß man zwei Abdrücke desselben Bildes mit Wasserfarben colorirt, einen derselben mit Mastixfirniß durchsichtig macht und so auf den anderen legt, daß die Zeichnung sich genau deckt. (Photographisches Archiv, 1864 S. 263.)

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