Titel: Nachweis und Bestimmung der Bernsteinsäure und des Glycerins in gegohrenen Flüssigkeiten, von L. Pasteur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 11 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_11

Nachweis und Bestimmung der Bernsteinsäure und des Glycerins in gegohrenen Flüssigkeiten, von L. Pasteur.

Von der Gegenwart beider Körper kann man sich leicht überzeugen, wenn man den Abdampfungsrückstand der filtrirten Flüssigkeit mit Aether auszieht und diesen Auszug der freiwilligen Verdunstung überläßt. Den nächsten Tag, manchmal auch erst später, haben sich die Gefäßwände mit Krystallen der Bernsteinsäure bedeckt und auf dem Boden findet sich ein Syrup von Glycerin, das noch Bernsteinsäure theils gelöst, theils krystallisirt enthält. Ein Gemisch von Aether und Alkohol nimmt aus dem Abdampfungsrückstande die Bernsteinsäure und das Glycerin auf, läßt aber die stickstoffhaltigen Extractivstoffe ungelöst. Den Auszug dampft man ein, sättigt mit Kalkwasser, bringt die Flüssigkeit zur Trockne und erschöpft den Rückstand mit einem Gemische von Alkohol und Aether, welches nur das Glycerin löst.

Zur quantitativen Bestimmung dieser Substanzen darf die Flüssigkeit nur bei gelinder Hitze eingedampft werden; man bringt 1/2 Liter binnen 12 bis 20 Stunden auf etwa 10–20 Kub. Centimet. und trocknet vollends unter der Luftpumpe. Bei raschem Eindampfen verliert man merklich Bernsteinsäure und Glycerin. Der syrupöse Rückstand wird in der Schale selbst wiederholt mit einem Gemische von 1 Th. Alkohol von 90–92 Proc. und 1 1/2 Th. rectificirtem Aether behandelt und die Flüssigkeit durch ein Filter abgegossen; nach 7–8 Extractionen ist der krümlich gewordene, sauer reagirende Rückstand erschöpft. Wenn man den größten Theil des Aethers aus dem in einer Kochflasche befindlichen Extracte im Wasserbade entfernt hat, kann man, ohne durch Spritzen der Flüssigkeit etwas zu verlieren, in einer Schale weiter eindampfen. Den Rückstand neutralisirt man genau mit klarem Kalkwasser, dampft wieder vorsichtig ein und nimmt aus dem Rückstande das Glycerin mit Aether-Alkohol auf. Der zurückgebliebene bernsteinsaure Kalk ist noch mit einer kleinen Menge Extractivstoff oder einem nicht krystallisirenden Kalksalze verunreinigt, die aber von 80grädigem Alkohol vollständig gelöst werden, wenn man das Salz in der Schale selbst mit diesem 24 Stunden in Berührung läßt. Das Succinat ist dann beinahe farblos; man bringt die Krystalle auf ein gewogenes Filter, trocknet und wägt.

Das Glycerin erhält man durch Abdampfen des mit Alkohol und Aether gewonnenen Auszugs und schließliches Trocknen im Vacuum, in welchem das Glycerin aber nicht länger als 2 bis 3 Tage verweilen darf, weil es, selbst bei gewöhnlicher Temperatur, fortwährend an Gewicht abnimmt; bei 3 Grm. wasserfreiem Glycerin beträgt der in 24 Stunden erfolgende Verlust 0,012–0,015 Grm. War bei der Gährung zu wenig Hefe angewendet worden und deßhalb die Gährung etwa nicht vollständig, so enthält das Glycerin noch eine sehr kleine Menge nicht krystallisirenden Zucker, der durch die Fehling'sche Flüssigkeit nachweisbar ist. Bei der Anwendung von zu viel Hefe enthält das Glycerin Extractivstoffe der Hefe, welche dem Glycerin schon in geringer Menge einen bitteren und stechenden Geschmack ertheilen. Der wässerige Auszug von 250 Grm. Preßhefe (mit 40 Grm. Trockensubstanz) gab an ein Gemisch von Alkohol und Aether 0,739 Grm. ab; diese Substanz enthält kleine Mengen Glycerin und Bernsteinsäure, sie ist wachsähnlich, gelb, riecht eigenthümlich, schmeckt sehr stechend, |159| löst sich bis auf sehr wenig Fett leicht in Wasser, bläht sich beim Erhitzen auf, verkohlt und hinterläßt wenig lösliche Asche. (Annales de Chimie et de Physique, 1860, vol. LVIII p. 330; chemisches Centralblatt, 1864 Nr. 11.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: