Titel: Das Trocknen der Blumen mit Beibehaltung ihrer natürlichen Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 12 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_12

Das Trocknen der Blumen mit Beibehaltung ihrer natürlichen Farben.

Vor etwa 12 Jahren wurde in England von einem deutschen Chemiker zuerst ein Verfahren aufgefunden, um Blumen mit Beibehaltung der natürlichen Farben zu trocknen. Für theures Geld kaufte, nachdem in England bereits Hunderte von Frauen und Mädchen hierdurch einen Erwerbszweig gefunden hatten, ein thüringischer Fabrikant das angebliche Geheimniß, und seitdem ist derselbe durch Versendung von getrockneten Blumen mit natürlichen Farben bereits ein reicher Mann geworden.

Um getrocknete Blumen in natürlichen Farben zu erhalten, verschaffe man sich zuvörderst eine Kiste mit Schiebedeckel. Von derselben nehme man den Boden ab und versehe dieselbe unmittelbar unter dem Deckelsalze mit einem mittelfeinen Drahtsiebgewebe. Nun besorge man sich ein Quantum Sand, etwa so viel die Kiste faßt, siebe denselben von allem Staub rein, wasche ihn und gebe denselben, nachdem er getrocknet ist, in einen Kessel; hier mache man denselben heiß und unter beständigem Umrühren lasse man etwa auf 100 Pfund Sand 1/2 Pfund Stearin in demselben zergehen. Es ist darauf zu achten, daß der Sand sich gleichmäßig mit Stearin sättige, doch darf ja nicht zu viel desselben zugesetzt werden, welches bei nachherigem Erwärmen sich zu Boden ziehen und den Blumen schaden würde.

Sollen nun Blumen ohne die Farben zu verlieren getrocknet werden, so verfährt man folgendermaßen:

Man stellt die Kiste mit dem Deckel nach unten, schüttet von dem präparirten Sande etwa 1 Zoll stark auf das Drahtgewebe, legt nun vorsichtig die betreffenden Blumen ein, indem man immer so viel Sand zugibt, daß Blätter und Zweige in ihrer natürlichen Haltung bleiben und sich nicht gegenseitig berühren, sondern überall von Sand umgeben sind. Ist so die Kiste gefüllt, dann lege man den Boden auf und stelle sie an einen warmen Ort, am besten auf den Backofen eines Bäckers oder Conditors und lasse sie nun etwa 48 Stunden stehen. Nachher ziehe man langsam den Schieber zurück und lasse durch das Drahtgitter den Sand in ein untenstehendes Gefäß laufen; sollten sich in den Blattwinkeln einige Sandkörner festgesetzt haben, dann entfernt man solche durch behutsames Klopfen an die Kistenwände. Die Blumen haben auf diese Weise die vollen Naturfarben behalten und sind dennoch gänzlich ausgetrocknet. Einige Uebung lehrt bald die richtige Handhabung und die Einhaltung der Trockenzeit. Die so getrockneten Blumen bilden schon einen Handelsartikel, indessen erscheint es besser, wenn solche gleich zu Bouquets, Kränzen etc. verarbeitet werden, eine Beschäftigung, welche ja alle Mädchen und Frauen zu einer Lieblingsarbeit erkoren haben. (Berliner Fr.-Bl.)

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