Titel: Die Lichtempfindlichkeit des Kupferchlorürs; von W. Grüne.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 3 (S. 151)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_3

Die Lichtempfindlichkeit des Kupferchlorürs; von W. Grüne.

Ein mit Salzsäure gescheuertes kupfernes Gefäß läuft selbst nach gutem Abspülen mit Wasser sehr schnell an und ist nicht so blank zu halten wie ein mit Schwefelsäure gescheuertes; dieß ist eine bekannte Thatsache, daß aber das Licht eine Hauptwirkung dabei ausübt, ist nicht so bekannt.

Ein mit Salzsäure gescheuerter, mit Wasser abgespülter kupferner Kessel wurde zum Trocknen in's Freie gestellt; die Sonne beschien denselben theilweise und zeichnete in einigen Minuten Licht und Schatten darin ab, d.h. die belichteten Stellen schwärzten sich. Es fiel mir dieß auf und ich ließ, zum weiteren Verfolg der Sache, eine Kupferplatte mit derselben Salzsäure scheuern, mit Wasser abspülen und setzte sie mit einem darauf gelegten Kupferstich dem directen Sonnenlicht aus. Nach einigen Minuten hatte ich eine negative Copie, die sich im zerstreuten Licht stundenlang hielt, nach und nach sich aber verlor, indem die nicht belichteten Stellen so dunkel wurden als die belichteten.

Die Versuche wiederholte ich öfter, wobei ich fand, daß die gewöhnliche käufliche chlorhaltige Salzsäure einen besseren Effect gab als die chemisch reine.

Die Lichtempfindlichkeit einer Verbindung des Chlors mit Kupfer wurde dadurch für mich zur Gewißheit und ich fand dann bei weiteren Versuchen mit Kupferchlorid und Chlorür folgende bemerkenswerthe Thatsache:

„Mischt man eine concentrirte Lösung von schwefelsaurem Kupferoxyd (Kupfervitriol) mit einer anderen von Zinnchlorür (Zinnsalz), so entsteht ein weißer käsiger Niederschlag von Kupferchlorür; derselbe schwärzt sich am Licht.“

Am besten beobachtet man diese Erscheinung, wenn man die angegebene Mischung in einem Glascylinder oder Reagensglas macht, und letzteres an ein Fenster stellt; nach ganz kurzer Zeit, im directen Sonnenlicht sehr schnell, wird die dem Licht zugewandte Seite des Niederschlags im Glase geschwärzt seyn; schüttelt man nun um, und bringt so einen anderen Theil des Niederschlags an das Licht, so wiederholt sich die Schwärzung. Auch läßt sich der Niederschlag auf Papier streichen und unter einem Negativ belichten. Im trockenen Zustande schwärzt sich der Niederschlag nicht. Die entstandene Schwärzung verschwindet beim Trockenwerden; es gelang mir bis jetzt noch nicht, dieselbe zu fixiren.

Diese Versuche bieten die Möglichkeit, das Silber für die Photographie durch ein billigeres Metall zu ersetzen, wenigstens für den Copirproceß. Ich selbst verfolge diese Versuche jetzt mit ziemlicher Aussicht auf Erfolg. – Vorgetragen in der Sitzung des photographischen Vereins zu Berlin vom 8. April. (Aus den photographischen Mittheilungen des Berliner Vereins, Juni 1864, S. 32.)

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