Titel: Eigenschaften des Kupferchlorürs; von Fr. Wöhler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 4 (S. 151–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_4

Eigenschaften des Kupferchlorürs; von Fr. Wöhler.

Daß das weiße Kupferchlorür sich am Licht dunkel färbt, ist bekannt. Am auffallendsten ist diese Empfindlichkeit für das Licht an dem in kleinen Tetraëdern krystallisirten Chlorür wahrzunehmen. Sie ist in der That so groß, daß schon nach fünf Minuten die Krystalle im directen Sonnenlicht vollkommen dunkel kupferfarben und metallglänzend werden. Im Sonnenschein betrachtet, könnte man sie für Krystalle von metallischem Kupfer halten. Das Chlorür muß sich dabei zur Verhütung der |152| Oxydation in wässeriger schwefliger Säure befinden. Die Veränderung geht indessen nur an der Oberfläche der Masse vor sich, indem die undurchsichtig gewordenen Krystalle den Zutritt des Lichts zu den darunter liegenden abhalten; es können daher nur kleine Mengen, in langen Röhren dünn unter schwefliger Säure ausgebreitet und häufig bewegt, vollständig verwandelt werden. Die schweflige Säure ist hierbei ohne Mitwirkung, die Veränderung geht auch unter reinem Wasser vor sich. Auf das geschmolzene trockene Chlorür dagegen wirkt das Licht nicht. Bei starker Vergrößerung erscheinen die kupferfarbenen Blättchen mit bläulicher Farbe durchscheinend. An der Luft oxydiren sie sich eben so rasch wie im farblosen Zustand zu grünem Oxychlorid. In Salzsäure sind sie leicht löslich, Kali fällt daraus gelbes Oxydulhydrat. Wahrscheinlich ist dieser kupferfarbene Körper ein Oxychlorür, entstanden unter gleichzeitiger Bildung von Chlorwasserstoff.

Die zweckmäßigste Darstellungsweise des krystallinischen Kupferchlorürs besteht darin, daß man Kupfervitriol und Kochsalz zu gleichen Aequivalentgewichten in der eben erforderlichen Menge Wassers auflöst und in diese Lösung schwefligsaures Gas leitet. Das Chlorür scheidet sich als ein aus kleinen Tetraedern bestehendes weißes Krystallpulver ab, das man mit wässeriger schwefliger Säure durch Decantiren auswascht. Man kann es nicht ohne Veränderung mit reinem Wasser waschen. Es wird dadurch zuerst gelb und dann hellbraun oder violett. In siedendem Wasser wird es zuerst gelb, dann lebhaft ziegelroth. Auch diese Substanz, welche wahrscheinlich ein Oxychlorürhydrat ist, wird in Berührung mit der Luft schon nach kurzer Zeit grün. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Juni 1864, Bd. CXXX S. 373.)

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