Titel: Die kais. französische Salpeterraffinerie in Lille; Bericht von Gaultier de Claubry.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1864, Band 173/Miszelle 6 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj173/mi173mi02_6

Die kais. französische Salpeterraffinerie in Lille; Bericht von Gaultier de Claubry.

Der an die Fabrik abgelieferte Rohsalpeter enthält 8 bis 10 Proc. fremde Stoffe, wovon der größte Theil Wasser, das Uebrige Chlornatrium, Chlorkalium, kohlensaures Natron und kohlensaures Kali ist.

Dieser Rohsalpeter wird zuerst in großen Behältern mit gesättigter, aus dem Betrieb stammender Salpeterlösung gewaschen, welche natürlich keinen Salpeter, wohl aber noch fremde Salze auflösen kann. Dann wird er in heißem Regenwasser aufgelöst und die Flüssigkeit mit ein wenig gelatinehaltigem Wasser versetzt, wornach sie beim Umrühren einen Schaum gibt, welcher alle unlöslichen Substanzen in sich aufnimmt. Nach der Beseitigung dieses Schaumes läßt man die Lösung unter Umrühren krystallisiren; das so erhaltene Krystallmehl wird nach dem Abtropfen mit einer Lösung von ganz reinem Salpeter ausgewaschen. Das getrocknete Product enthält nur 1/20000 Chlorkalium.

Die Waschwässer des Rohsalpeters werden verdunstet, um das Kochsalz abzuscheiden, wornach man sie unter Umrühren krystallisiren läßt; der so erhaltene Salpeter wird dann in der Fabrik mit dem Rohsalpeter verarbeitet. Da diese Waschwässer oft im |153| Hektoliter 3 bis 4 Kilogr. kohlensaures Natron enthalten, welches von der Schlempenkohle (der Rübenzuckerfabriken) herrührt, so sättigt man sie mit Salzsäure, um Kochsalz zu erzeugen, welches leicht vom Salpeter zu trennen ist.

Besonders interessant sind die einzelnen Einrichtungen der nach Violette's Plan gebauten Raffinerie, wobei alle durch die mechanische und chemische Technik ermöglichten Vervollkommnungen realisirt worden sind.

Der Transport aller festen Körper geschieht mittelst Eisenbahnen; derjenige der Flüssigkeiten durch den natürlichen Fall in Rinnen und mit Hülfe von Pumpen. – Das Regenwasser wird auf den Dächern von 4025 Quadratmetern Oberfläche aufgefangen und in einer Cisterne von 2000 Hektolitern Inhalt gesammelt. – Ein Kamin dient für alle Feuerungen; die Feuergase entweichen aus demselben, nachdem sie unter den Abdampfpfannen etc. circulirt haben, mit nur 100° C. Temperatur, wodurch eine sehr erhebliche Brennmaterial-Ersparniß erzielt wird. – Die Magazine enthalten 3 Millionen Kilogr. Rohsalpeter und 200,000 Kilogr. raffinirten Salpeter. Die Fabrik kann jährlich 1,500,000 Kilogr. raffiniren. Die Böttcherwerkstatt liefert jährlich 12,000 Fässer.

Verschiedene Abfälle der Pulvermühlen, salpeterhaltige Stoffe, verdorbenes oder mit Beschlag belegtes Pulver werden in besonderen Kesseln zur Gewinnung des darin enthaltenen Salpeters ausgelaugt. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Februar 1864, S. 94.)

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